Diese Woche geht die Schule wieder los. Mehr Zusatzkräfte federn den Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen ab.
Wenn am nächsten Dienstag, 16. September, das neue Schuljahr beginnt, atmen einige Rektoren auf, weil die Pflichtstunden trotz Lehrermangels abgedeckt werden können. Es gibt im Landkreis München spürbare personelle Verstärkung für die Lehrerkollegien.
An den 47 Grundschulen und 13 Mittelschulen starten heuer 18 977 Mädchen und Buben ins neue Schuljahr – 14 449 Grundschüler und 4528 Mittelschüler. Während die Zahl der Grundschüler leicht rückläufig ist, verzeichnen die Mittelschulen einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.
133 zusätzliche Lehrkräfte decken rund 1400 Wochenstunden ab
Das Schulamt setzt auf externe Unterstützung. 133 zusätzliche Lehrkräfte decken rund 1400 Wochenstunden ab, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Viele von ihnen bringen ein fachnahes Studium mit – etwa der Physik, Biologie, Germanistik oder Musik – und unterrichten vor allem in Nebenfächern oder übernehmen Förderangebote. „Die Zahl der Zusatzkräfte spiegelt den Mangel an regulären Lehrkräften wider, aber immerhin steigt die Zahl der Lehramtsanwärter wieder“, erklärt Schulamtsdirektor Ulrich Barth. Bewerbungen von Akademikern nimmt das Schulamt entgegen.
Auch die Mobile Reserve, ein Springer-Pool für spontane Ausfälle, ist gefragt – allerdings ist sie kleiner geworden. Nur noch 90 Kräfte springen ein, im Vorjahr waren es 127. Unter ihnen sind auch Lehramtsstudenten, die hier Praxiserfahrung sammeln.
Wichtige Entlastung bringen zudem pädagogische Unterstützungskräfte. Sie übernehmen keine eigenen Klassen, arbeiten aber eng mit Lehrern, Schulpsychologen und Sozialpädagogen zusammen. Auf 15 Schulen verteilt stehen dafür aktuell 125 Wochenstunden bereit – eine Hilfe, die für Lernerfolge und Klassenklima sehr wertvoll ist. Auch hier sind Bewerber noch willkommen, ein Studium ist nicht notwendig, eine Ausbildung, am besten mit Bezug zu Kindern, sei ausreichend, so Barth.
Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund ist ein Thema
Vier Schulen haben ein besonderes Inklusionsprofil und kooperieren mit sonderpädagogischen Förderzentren. Auch die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund ist ein Thema: Ihr Anteil an den Schulen liegt zwischen zehn und 85 Prozent.
Um zugewanderte Kinder sprachlich fit zu machen, gibt es 20 Deutschklassen für 240 Schüler der 5. und 6. Jahrgangsstufe. „Durch die kleinen Gruppen machen sie sehr schnell Fortschritte. Manche schaffen schon nach ein bis zwei Jahren den Sprung an die Realschule“, so Barth. Für Vorschulkinder wurden die Deutsch-Vorkurse ausgeweitet – von 232 auf 381 Wochenstunden.
Neue Schulleitungen
An den folgenden Schulen beginnen laut Schulamt neue Schulleitungen ihren Dienst:
Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule Höhenk.-Siegertsbrunn: Janina Buchert
Grundschule Unterhaching an der Jahnstraße Cornelia Klaus
Grund- und Mittelschule Kirchheim: Ariane Tronser
Grundschule Unterschleißheim an der Johann-Schmid-Straße: Sigrid Baumgartner
Grundschule an der Mitterfeldallee Unterföhring: Marion Schwarz
Keltengrundschule Aschheim: Daniela Maertsch
Aufwind bringe die steigende Nachfrage nach dem Lehrberuf, sagt Barth. 84 Grundschul- und 24 Mittelschulanwärter starten im Landkreis in ihr Referendariat. Schon im ersten Jahr übernehmen sie acht Stunden Unterricht, später 15 Stunden sogar mit Klassenleitung.
Harun Lehrer, Rektor der Mittelschule Pullach, ist erleichtert: „Nicht genug Wochenstunden zu bekommen, ist am Ferienende immer die größte Sorge. Wir sind zufrieden, weil wir den Pflichtunterricht abdecken können.“ Dankbar wäre er für zusätzliche pädagogische Kräfte: „Wir haben 40 Kinder aus der Ukraine, die schlecht Deutsch sprechen und dringend Förderstunden brauchen.“ Das sei eine Herausforderung. Mit dem Einsatz von Quereinsteigern hat er gute und schlechte Erfahrungen gemacht: „Entscheidend ist, dass man vor den Schülern bestehen kann und auch mal einen Ratschlag annimmt.“