„Schaltzentrale der Wirtschaft“: Portus Data Centers baut Rechenzentrum in Kirchheim aus

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Mit Helm und Spaten unterwegs (v.l.) stellvertretender Landrat Otto Bußjäger, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und zweite Bürgermeisterin Beate Neubauer. © URSULA BAUMGART

Spatenstich mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: Das Portus Data Centers baut sein Rechenzentrum in Kirchheim aus und verbessert die Leistung auf sieben Megawatt.

Wer von ChatGPT wissen möchte, an welchem Rechenzentrum es hängt, bekommt folgende Antwort: „Ich kann dir den exakten Standort des Rechenzentrums nicht nennen, in dem deine aktuelle Anfrage verarbeitet wird.“ Wenn es statt um Spielereien, um sensible Daten von Firmen geht, dann ist der Standort des Rechenzentrums allerdings wichtiger denn je. „Wir brauchen digitale Souveränität gegenüber den USA“, so Falk Weinreich. Er ist seit wenigen Tagen einer der Geschäftsführer des Portus Data Centers, dem Rechenzentrum im Kirchheim. Um mehr als das doppelte wird dieses Rechenzentrum jetzt erweitert und damit zu einem der größten Rechenzentren Bayerns. 2027 soll es eröffnen und kosten wird es einiges: „Im hohen zweistelligen Millionenbereich“. Zum offiziellen Spatenstich kam auch Hubert Aiwanger. „Das ist die Schaltzentrale der Wirtschaft von heute und morgen“, sagte Bayerns Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Hier werde über die Zukunft entschieden.

Rechenleistung ist wichtiger als Größe

2200 Quadratmeter, so groß soll der Anbau des Rechenzentrums werden, wobei die Fläche nicht das ausschlaggebende ist, sondern die Rechenleistung. Die soll um mehr als das doppelte vergrößert werden, von zwei Megawatt auf sieben. „Mit künstlicher Intelligenz stehen wir am Anfang eines Paradigmenwechsels und dafür braucht es digitale Infrastruktur“, sagte Marco Kain, ebenfalls Geschäftsführer des Portus Data Centers. Diese Infrastruktur wollen sie zur Verfügung stellen und das so nachhaltig wie möglich: „Das erweiterte Rechenzentrum wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben.“

Das erweiterte Rechenzentrum wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben.

Falk Weinreich findet, dass Rechenzentren gesamtgesellschaftlich zu negativ dargestellt werden: „Natürlich verbrauchen Rechenzentren viel Strom, aber der Bedarf war ja vorher schon da. Nur haben die Firmen alle einzeln ihre Zentren betrieben. Das verbraucht viel mehr Strom, ist ineffizient und nicht nachhaltig.“ Die viel diskutierte Kühlung der Rechenserver hätte sich stark verbessert: „Vor sechs Jahren hat die Kühlung noch 60 Prozent mehr Strom verbraucht, als der Server selbst. Mittlerweile sind wir bei 20 Prozent“, erklärte Weinreich. Außerdem könne die Abwärme in die lokale Infrastruktur eingespeist werden. Dafür sei aber die Kooperation mit den Kommunen notwendig.

Auf diese Zusammenarbeit setzt auch der stellvertretende Landrat Otto Bußjäger: „Mein Motto ist: Zusammen geht’s besser.“ Ein Wegweiser durch den Bürokratie-Dschungel wolle das Landratsamt sein, keine Verhinderungsbehörde. Das Rechenzentrum sei eine Bereicherung für den Landkreis, betonte er, „ein zukunftsweisender Stern“. Auch Beate Neubauer, zweite Bürgermeisterin von Kirchheim, begrüßte das Unternehmen: „Kirchheim ist stolz.“ Die deutsche Wirtschaft sei im Wandel, das sehe man am Gewerbegebiet. Gerade im Hinblick auf die geopolitische Lage sei das dringend notwendig: „Alte Freundschaften sind fragil geworden. Wir müssen unabhängiger werden.“

Kirchheim Heimstetten Portus Data Centers Spatenstich für neues 5,5-MW-Rechenzentrum
Einmal anstoßen auf das neue Zukunftsprojekt in Kirchheim, das 2027 eröffnen soll. Die Rechenleistung soll sich auf sieben Megawatt verbessern. © URSULA BAUMGART

Dass auch internationale Firmen nach Europa schauen, wenn auf die USA kein Verlass mehr ist, kann für Rechenzentren, wie das Portus Data Center ein Gewinn sein: „Viele globale Player legen Wert darauf, dass ihre Daten in Europa liegen“, erklärte Group Marketing Manager Stefan Kratzer. Für Falk Weinreich ist klar, dass Deutschland jetzt investieren muss: „Wir müssen Deutschland digital vorantreiben.“ Die Zeit drängt. Sonst werden die Entscheidungen der Zukunft woanders getroffen.

Antonia Krinninger

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