Stang-Projekt kommt wieder ein Stück voran

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Auf dem Gelände der Bauschutt-Sortieranlage nahe der Kreuzstraße an der B 472 will die Firma Stang einen weiteren Standort errichten. © Thomas Plettenberg

Die Moosrainer Firma Stang plant nahe der Kreuzstraße einen weiteren Standort – ein Mammut-Vorhaben, das wegen eines Genehmigungs-Marathons nur langsam vorankommt.

Jetzt befasste sich der Gmunder Gemeinderat wieder einmal mit der nötigen Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des Bebauungsplans.

Harry Stang, der mit weiteren Führenden des Familienunternehmens die Debatte im Gmunder Gemeinderat verfolgt hatte, versucht in Ruhe die richtigen Worte zu finden, wenn er über das berichtet, was zuletzt von seinem Unternehmen gefordert wurde, um das Vorhaben an der B  472 neben der Abfüllanlage des Tegernseer Brauhauses genehmigungsreif zu bekommen. Ein weiterer Firmenstandort soll auf dem 4,6 Hektar großen Gelände entstehen – mit sechs Hallen, Pellet-Silos, Lkw-Stellplätzen, Büros und Mitarbeiter-Appartements.

Vor einem Jahr hatte die Gemeinde zuletzt die Stellungnahmen beackert, die im Rahmen der im Sommer 2022 erfolgten frühzeitigen Beteiligungen für die dritte Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nummer 45 „Sondergebiet Kreuzstraße – BSA-Gelände“ eingegangen waren. Zur aktuellen Sitzung lagen nun die entsprechend ausgearbeiteten Entwürfe vor.

„Das hat so lange gedauert, weil vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen zur Umsiedlung der Haselmaus durchgeführt und auf ihre Wirksamkeit geprüft werden mussten“, erklärte Bauamtsleiterin Christine Wild. Auch mussten weitere Ausgleichsmaßnahmen gefunden und festgelegt werden.

Grünen kritisieren Flächenverbrauch

Was den Flächennutzungsplan betrifft, so sei dieser im Bereich der Grünordnung sowie der Pflanzgebote rund um den Geltungsbereich des Gebiets angepasst, berichtete Wild. An mehreren Stellen seien Grünflächen erweitert und im Plan entsprechend festgehalten.

Auch der Bebauungsplan wurde angepasst und um Grünordnung ergänzt, zudem wurden Ausgleichsflächen aufgenommen und ergänzt. Der Hinweis, dass es sich bei den Mitarbeiter-Appartements nur um temporäre Wohnungen handeln dürfe, wurde ebenso aufgenommen wie Hinweise des Landratsamts zur Behandlung von Oberflächenwasser sowie Hinweise bezüglich land- und forstwirtschaftlicher Emissionen.

Flächennutzungsplan sowie Bebauungsplan werden nun öffentlich ausgelegt und die Träger öffentlicher Belange am Verfahren beteiligt. Im Herbst, so kündigte die Bauamtsleiterin an, könne erneut abgewogen werden.

Einzig die Grünen-Fraktion blieb ihrer bisherigen Haltung treu und stimmte gegen das weitere Vorgehen und damit gegen das Vorhaben der Firma Stang. Andrea Schack begründete die Ablehnung. Einerseits falle die Entscheidung schwer, so Schack, weil man die Firma Stang sehr schätze. „Aber andererseits sehen wir den extremen Flächenverbrauch und den Verkehr, unter dem die Attraktivität der Gemeinde Gmund leiden wird“, sagte Schack, die das Ziel der Bayerischen Staatsregierung in Erinnerung rief, den Flächenverbrauch auf fünf Hektar pro Tag zu senken. „Angesichts von 12,2 Hektar pro Tag in Bayern sind wir meilenweit von diesem Ziel entfernt.“ Die Grünen wollen zwar Gewerbe im Ort, so Schack, „aber angesichts anderer geplanter Vorhaben wie Kita oder ‚Wohnen im Alter‘, für die ebenfalls Wiesen verbraucht werden, gehen wir da nicht mehr mit.“

Besel verweist auf Gewerbesteuer

Bürgermeister Alfons Besel (FWG) konterte. Er respektiere eine ganzheitliche Betrachtung, „doch wir müssen auch für eine ausgewogene Wirtschaft sorgen. Alle ökologischen und sozialen Vorhaben müssen auch finanziert werden, dafür braucht es Gewerbesteuer. Zudem brauchen wir Arbeitsplätze.“ Für dieses Statement erntete Besel Beifall am Tisch.

Auf Nachfrage unserer Zeitung, wie zügig die Firma Stang nun ihr Vorhaben weiter vorantreiben wolle, sagt Harry Stang: „Schrittweise.“ Er verweist auf „politischen Nebel“, der Wirtschaftsunternehmen das Investieren erschwere, auf die Verantwortung für 130 Mitarbeiter in der 1935 gegründeten Firma. Alles müsse gut überlegt sein, so Stang, der mit der Firma nun seit etwa acht Jahren das Vorhaben plant. Bezüglich der Haltung der Grünen verweist er darauf, dass es sich bei dem Gelände, das dem Unternehmen gehöre und als Bauschutt-Sortieranlage (BSA) genutzt werde, seit gut 50 Jahren nicht mehr um eine Wiese handle.

Was den Naturschutz betrifft, so habe man ein Büro für Umweltplanungen engagiert, damit das Vorhaben nicht den Zielen des Landschaftsschutzes entgegenstehe. „Wir haben bereits rund 400 000 Euro eingesetzt nur für Ausgleichsflächen und die Umsiedlung der Haselmaus“, berichtet Stang und geht ins Detail.

Ohne zu wissen, wie groß die Haselmaus-Population auf dem BSA-Gelände sei, habe man im nördlichen Bereich mit Anpflanzungen spezielle Nahrungsangebote geschaffen, damit die Haselmaus dorthin auswandern könne. „Ob sie tatsächlich dorthin wandern, wissen wir nicht“, sagt Stang. Was die Ausgleichsflächen von 30 000 bis 35 000 Quadratmeter betrifft, so liegen diese nun auch auf einem Streifen südlich der Bundesstraße. Fest steht: Mit der jüngsten Sitzung wurde wieder ein Stück Weg geebnet.

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