Leser zur Mallorca-Wohnungsnot: "Ursache hoher Mieten und Kaufpreise ist Gier"

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt der Balearen steht seit Monaten im Fokus der öffentlichen Debatte. In unserer Community wird sie zur Projektionsfläche größerer gesellschaftlicher Konflikte. In der Kommentarspalte entzündet sich die Debatte nicht nur an steigenden Mieten und dem Massentourismus, sondern auch an Zuzug, sozialer Gerechtigkeit und politischer Verantwortung. Zwischen Schuldzuweisungen, Überforderung und grundsätzlicher Systemkritik zeigt sich, wie stark die Krise als Sinnbild für Entwicklungen in ganz Europa gelesen wird.

Kritik an Migration und Ausländerrollen

Ein Teil der Leser macht den Zuzug von Ausländern für die Wohnungsnot verantwortlich. Sie argumentieren, dass eine wachsende Bevölkerung bei begrenztem Wohnraum zwangsläufig Preise treibe. Teilweise richten sich die Beiträge gegen einzelne Gruppen oder stellen die Frage, ob Unterstützung begrenzt oder Rückkehr gefördert werden müsse. Dabei bleibt festzuhalten, dass Mallorca seit Jahren starken Zuzug erlebt – sowohl durch Arbeitsmigration als auch durch wohlhabende EU-Bürger. Gleichzeitig ist Wohnen rechtlich kein exklusives Gut für Einheimische. Die Kommentare spiegeln weniger konkrete Lösungsansätze als ein Gefühl von Überforderung und Konkurrenz um knappen Wohnraum.

"Nicht nur auf Mallorca gibt es eine Wohnungskrise, in nahezu allen westlichen EU-Ländern gibt es sie. Die Ursache sind nicht die Touristen. Die Ursache ist die völlig verfehlte EU-Migrationspolitik - Bevölkerungswachstum um jeden Preis, koste es, was es wolle. Dazu noch die EU-Weltklimarettungspolitik, die Bauen bzw. den Erwerb von Wohnungseigentum verteuert."  Zum Originalkommentar

Kritik an Tourismus und Ferienwohnungsmarkt

Viele Leser sehen den Massentourismus als zentralen Preistreiber. Sie verweisen auf die Umwandlung von Mietwohnungen in Ferienunterkünfte und auf Plattformen, die kurzfristige Vermietung lukrativer machen als langfristige Mietverträge. Gleichzeitig erkennen manche Kommentatoren die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus an. Die Einordnung zeigt: Der Tourismus ist Hauptwirtschaftszweig der Insel, bindet aber Wohnraum und treibt Preise. Politische Maßnahmen zur Begrenzung von Ferienvermietung existieren, greifen aus Sicht vieler jedoch zu spät oder zu zaghaft. Die Kommentare spiegeln den Zielkonflikt zwischen Einnahmen und sozialer Stabilität.

"Dann sollen sie halt weniger Wohnungen an Touristen vermieten. Da beuten doch die Mallorquiner die eigenen Landsleute aus, und die dazugekommenen."  Zum Originalkommentar

"Zum Massentourismus auf Mallorca und anderswo: die Götter, die ich rief. Eine logische Konsequenz auch aus den Billigfluglinien, denn wenn man für unter 100 € durch Europa fliegen kann, dann kommen eben mehr, als wenn der Flug 1000 € kosten würde."  Zum Originalkommentar

Kritik an Miet- und Immobilienmarkt

Ein weiteres Lager richtet den Fokus auf Eigentümer, Investoren und Marktmechanismen. Hohe Renditen, Spekulation und Leerstände gelten als zentrale Ursachen. Leser beschreiben eine Nachfrage, die das Angebot deutlich übersteigt, verstärkt durch ausländische Käufer mit hoher Kaufkraft. Tatsächlich ist die Insel flächenmäßig begrenzt, neuer Wohnraum entsteht nur langsam. Die Kommentare zeigen ein Spannungsfeld zwischen marktwirtschaftlicher Logik und sozialem Anspruch. Während einige Angebot und Nachfrage als entscheidend ansehen, fordern andere stärkere Eingriffe, um Wohnraum für Einheimische zu sichern.

"Die Ursache der hohen Mieten und Kaufpreise ist die Gier der Wohnungsbesitzer(innen). Nichts anderes."  Zum Originalkommentar

"Das Wohnungsproblem auf Mallorca ist multikausal. Der entscheidende Faktor ist jedoch der, dass die Nachfrage das Angebot astronomisch überschreitet und der Markt zusätzlich durch den Faktor Tourismus belastet wird. Eine normale Mietwohnung bringt dem Eigentümer halt viel weniger ein, als eine Ferienwohnung ..."  Zum Originalkommentar

"Zigtausende Wohnungen stehen leer, auf Mallorca und in ganz Spanien! An der Küstenlinie zum Mittelmeer gibt es Hunderttausende leerer Wohnungen, die meist nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden. Wohnraum ist in Hülle und Fülle vorhanden, nur hat man andere Prioritäten gesetzt ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Sozialer Ungleichheit und Verteilung

Ein Teil der Diskussion weitet den Blick über Mallorca hinaus. Kommentatoren warnen vor wachsender Ungleichheit, Verdrängung der Mittelschicht und einem Wohnungsmarkt, der Grundbedürfnisse nicht mehr abdeckt. Die Wohnungsnot gilt als Symptom einer breiteren Entwicklung, in der Vermögen sich konzentriert und soziale Mobilität sinkt. Es zeigt sich: Steigende Mieten treffen besonders Beschäftigte im Tourismus und Dienstleistungssektor. Die Kommentare verbinden die Lage auf Mallorca mit ähnlichen Entwicklungen in anderen europäischen Regionen.

"Die Mittelschicht schwindet, in ganz West- und Südeuropa besonders gut zu erkennen. Manche besitzen 5 Häuser, andere nicht mal ein Zimmer. Die Sozialsysteme sind nicht mehr finanzierbar, Wohnungsbau ist zu teuer. Die Gesundheitssysteme für Kassenpatienten werden immer schlechter, wer kann, schickt sein Kind auf die Privatschule. Eine immer größere Armutswelle rollt auf uns zu ..."  Zum Originalkommentar

"Hier in Deutschland bezahlt man für Altbauwohnungen, welche seit 30 Jahren nur teil- oder gar nicht renoviert wurden und in irgendwelchen Randgebieten liegen, ebenfalls unerträglich hohe Mieten, sodass der Mittelstand mit Familie in immer kleinere Wohnungen ziehen muss, der Traum vom Eigenheim unerfüllbar bleibt ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Wohnungspolitik Mallorca

Mehrere Kommentatoren sehen politisches Versagen als Kernproblem. Sie werfen Lokal- und Regionalpolitik vor, zu wenig sozialen Wohnungsbau zu fördern und touristische Projekte zu bevorzugen. Tatsächlich ist der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen gering, während der Ferienwohnungsmarkt lange liberal blieb. Die Leser fordern klarere Regeln, mehr Bauland für dauerhaften Wohnraum und wirksamere Kontrolle. Die Kommentare machen deutlich, dass viele die Krise weniger als Naturgesetz denn als Folge politischer Entscheidungen verstehen.

"Hier sind aber nicht die Touristen die "Bösewichte", sondern die Lokalpolitiker. Diese könnten, wenn sie denn wollten, genug Bauland für "normale" Wohnungen ausweisen ..."  Zum Originalkommentar

"Das Problem in Spaniens Touristenzentren ist überall das gleiche und vom gobierno, also der Regierung bzw. Provinzregierungen, verschuldet. Es gibt de facto keinen sozialen Wohnungsbau in Spanien. Man kauft Wohnungen und mietet nicht ..."  Zum Originalkommentar

"Ursache ist die zum Nachteil der spanischen Bevölkerung betriebene städtische Wohnungspolitik (LAU) seit 1994, besonders nach dem 26. Mai 2023 durch die sozialistische Minderheitsregierung."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Ein erheblicher Teil der Wortmeldungen lässt sich keiner klaren Linie zuordnen. Diese Beiträge arbeiten mit Ironie, Vergleichen oder bewusster Zuspitzung. Häufig ziehen Kommentatoren Parallelen zu Deutschland oder verweisen auf EU-Freizügigkeit und Sozialleistungen. Manche stellen einfache Lösungen in den Raum, etwa den Umzug ins Inselinnere oder aufs Festland. Andere kritisieren, dass auch Deutsche auf Mallorca selbst Ausländer sind. Diese Stimmen verdeutlichen, wie emotional aufgeladen das Thema ist. Sachliche Argumente treten hier oft hinter pointierten Bemerkungen zurück, die eher Stimmungen als belastbare Analysen transportieren.

"Die Deutschen sind Ausländer auf Mallorca."  Zum Originalkommentar

"Ziehen mit ihrem Geld nach Malle, machen dort den Leuten das Leben schwer - denn es sind keine Touristen, die dann täglich richtig Geld im Restaurant oder für anderes liegen lassen - machen Yoga mit ähnlich gelangweilten Leuten und wählen uns dann per Briefwahl hier in Deutschland die Linken hin."  Zum Originalkommentar

"Da war doch was mit der EU, oder? Dieser berühmte "Segen" der Freizügigkeit. Klappt auch nicht so ganz, wie die meisten Hirngespinste vom Reißbrett aus Brüssel. Normative Kraft des Faktischen nennt man das wohl."  Zum Originalkommentar

Was braucht es für eine gerechte Wohnungsmarkt-Politik?

Diskutieren Sie mit: Viele Kommentierende werfen der Politik, dem Markt oder der Gesellschaft Fehler vor – andere sehen Migration oder Tourismus als Grund. Was meinen Sie: Wer trägt die Hauptverantwortung – und wie sollte Mallorca auf die Krise reagieren? Schreiben Sie Ihre Sicht in die Kommentare!
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