- Der vollständige Artikel von Christoph Juhn, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Experte verrät die besten Steueroasen – und worauf Auswanderer achten müssen
Ein Artikel übers Auswandern und Steueroasen löst unter den Lesern eine kontroverse Debatte aus. Ein Teil der Kommentare bewertet den Wegzug als Konsequenz steigender Abgaben und politischer Fehlanreize, andere stellen den Nutzen einer Auswanderung grundsätzlich infrage. Viele verweisen auf steuerliche, soziale und berufliche Risiken im Ausland und relativieren die Attraktivität vermeintlich günstiger Zielländer. Insgesamt überwiegt weniger der Eindruck einer breiten Abwanderung als die Sorge um die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Skepsis gegenüber Auswanderungserfolg
Viele Leser widersprechen optimistischen Auswanderungsplänen skeptisch. Sie verweisen auf Sprachbarrieren, eingeschränkte Jobchancen, abweichende Sozial- und Gesundheitsstandards sowie steuerliche und bürokratische Risiken. Besonders für Rentner oder Selbstständige kann sich der Schritt finanziell als Nachteil erweisen. Zwar ist die deutsche Rente grundsätzlich im Ausland voll beziehbar, verliert dort jedoch oft an Kaufkraft durch Steuerpflichten, höhere Krankenversicherungskosten oder fehlende Sozialleistungen. Auch medizinische Versorgung und soziale Absicherung variieren stark je Zielland. Studien zeigen zudem, dass viele Auswanderer nach einigen Jahren zurückkehren – oft wegen beruflicher Enttäuschungen oder sozialer Isolation.
"Rentner sollten sich aber darüber klar sein, dass die Rente gekürzt werden kann, wenn man dauerhaft ins Ausland zieht. Also besser ganz genau durch hiesige und dortige Steuerberater nachrechnen lassen ..." Zum Originalkommentar
"(...) Sprachkenntnisse? Überbewertet! Medizinische Vorsorge, Steuerrechte, Anmeldeverfahren? Wird schon! Job? Finde ich schon! Nach kürzester Zeit sitzt man dann wieder im Flugzeug auf dem Weg nach Hause und stellt fest, dass Lebensqualität nicht an Sonnenstunden festgemacht werden kann ..." Zum Originalkommentar
Kritik an politischer Lage Deutschland
Rund ein Viertel der Kommentare macht politische Entscheidungen für Auswanderungsgedanken verantwortlich. Genannt werden steigende Sozialabgaben, Reformstau und eine wachsende Belastung von Arbeit und Unternehmertum. Diese Wahrnehmung trifft auf reale Entwicklungen: Der demografische Wandel erhöht den Druck auf Sozialversicherungen, während strukturelle Reformen nur langsam vorankommen. Die Leser sehen darin ein politisches Versäumnis und leiten daraus individuelle Konsequenzen ab. Gleichzeitig bleibt Deutschland ein stabiles Land mit hoher Rechtssicherheit und vergleichsweise niedriger Arbeitslosigkeit. Ob politische Unzufriedenheit tatsächlich in größerem Stil zu Wegzügen führt, ist statistisch bislang nicht eindeutig belegt
"Der Wunsch auszuwandern ist die Konsequenz aus politischem Totalversagen. Es dauert ja schon ein Vierteljahrhundert. Es wird sehr schwer, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen." Zum Originalkommentar
"Wenn der DIHK-Präsident Adrian schon sagt: „Wer morgens aufsteht und hart arbeitet, ist von unserem System nicht begünstigt“, muss man sich nicht wundern, wenn diejenigen, von denen das System partizipiert und das sie ausnutzt, verschwinden." Zum Originalkommentar
"Die Industrie macht sich reisefertig und unsere Politik schaut tatenlos zu." Zum Originalkommentar
Kritik an deutscher Steuerpolitik
Viele Kommentare richten sich gegen die Steuerpolitik, insbesondere gegen Komplexität und Wegzugsbesteuerung. Leser beklagen fehlende Planungssicherheit und sehen unternehmerisches Engagement erschwert. Tatsächlich existiert die Wegzugsbesteuerung seit Jahrzehnten und ist international üblich – sie betrifft vor allem größere Beteiligungen und soll Steuervermeidung verhindern. Ab 2025 wurde sie jedoch auf Investmentfonds ausgedehnt, was mehr Privatpersonen betrifft. Für Fachkräfte mit durchschnittlichen Einkommen spielt sie meist keine Rolle. Zudem zeigen Vergleiche: Niedrigere Steuern im Ausland gehen häufig mit höheren Lebenshaltungskosten oder geringerer sozialer Absicherung einher. Steuerersparnisse sind daher kein Selbstläufer.
"Die Empfehlungen der Steuerexperten sollten unbedingt beherzigt werden. Wer in Deutschland unternehmerisch, also selbständig arbeitet oder Solches plant, muss sich dringend über den steuerlichen Dschungel klar werden, mit dem er es hier inzwischen zu tun hat ..." Zum Originalkommentar
"Herr Prof. Juhn ist wirklich gut im Steuerrecht. Was man allerdings halt auch wissen sollte, im Ausland kann man eventuell Steuern sparen, bspw. in der Schweiz im richtigen Kanton. Aber das wissen die Leute vor Ort auch, da zahlt man dann halt das x-fache an Miete ..." Zum Originalkommentar
Zustimmung zu Auswanderungsüberlegungen
Ein Teil der Leser unterstützt Auswanderungspläne ausdrücklich. Sie verweisen auf eigene Erfahrungen, höhere Einkommen oder bessere berufliche Perspektiven im Ausland. In bestimmten Branchen, etwa IT oder Ingenieurwesen, lassen sich diese Erwartungen belegen. Viele Staaten werben gezielt um qualifizierte Fachkräfte. Zugleich zeigen Migrationsdaten, dass erfolgreiche Auswanderung meist sorgfältige Planung, gefragte Qualifikationen und Anpassungsfähigkeit voraussetzt. Die Zustimmung ist daher weniger emotional als strategisch motiviert.
"Jedenfalls habe ich meinen Neffen geraten, sich das Weggehen ernsthaft durch den Kopf gehen zu lassen." Zum Originalkommentar
"Auch ich arbeite ebenfalls im außer-europäischen Ausland und verdiene jetzt knapp 4x so viel wie bei meiner letzten Stelle in Deutschland. Ich glaube nicht, dass ich da was falsch gemacht habe ..." Zum Originalkommentar
"Ich selbst kann zwar erst ab 1. September 2036 mit meinem Unternehmen auswandern, und es muss zugunsten meiner Frau und einer höheren Lebensqualität ein tropisches Land sein, aber ich habe es schon einmal auf die Umgebung von Kuala Lumpur, Singapur, Batam oder auch noch die Umgebung von Panama City ausgewählt ..." Zum Originalkommentar
Kritik an internationalen Zielstaaten
Mehrere Leser relativieren die Attraktivität beliebter Zielländer. Sie verweisen auf politische Unsicherheiten, hohe Mieten, soziale Spannungen oder institutionelle Unterschiede, etwa in den USA oder der Schweiz. Internationale Vergleiche stützen diese Einwände: Wirtschaftsdynamik geht dort häufig mit geringerer sozialer Absicherung einher. Hohe Gesundheitskosten oder Wohnpreise relativieren finanzielle Vorteile. Die Kommentare machen deutlich, dass Auswanderung bekannte Probleme nicht auflöst, sondern durch neue ersetzt. Standortentscheidungen erfordern daher eine differenzierte Abwägung von Einkommen, Kosten, Sicherheit und Lebensqualität.
"(...) Für Unternehmer dürften die USA eine gute Wahl sein. Trumps Politik ist sehr erfolgreich für die USA. Geringeres Handelsdefizit, geringeres Haushaltsdefizit und zuletzt ein hohes Wirtschaftswachstum, von dem hier nur geträumt wird ..." Zum Originalkommentar
"Die USA dynamisch zu nennen, ist sehr beschönigend. Das Land geht unter Trump gerade den Bach runter. Hohe Inflation, Zollchaos und Trumps Bereicherung und sein Umgang mit Kritikern sprechen Bände. Es herrscht Willkür und auf nichts ist Verlass ..." Zum Originalkommentar
"(...) In der Schweiz braucht es für alles eine Mehrheit, nicht ein Urteil. Die Schweizer ersetzen Verfassungsrichter, nicht Gesetzgeber. Wir haben jetzt 500'000 Deutsche im Land, die sind immer noch der anderen Meinung und verhalten sich auch so." Zum Originalkommentar
Sonstiges
Das kleinste Lager äußert sich ohne klare Position. Die Leser erinnern an Stabilität und Wohlstand, die Deutschland vielen ermöglicht haben, verbinden dies aber mit persönlicher Unsicherheit oder Resignation.
"Deutschland ist immer noch eins der besten Länder der Welt. Wer will, soll gerne gehen…" Zum Originalkommentar
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ich komme leider zu spät." Zum Originalkommentar
Was denken Sie – ist Auswanderung ein sinnvoller Weg oder gibt es bessere Lösungen vor Ort? Diskutieren Sie mit, schildern Sie Ihre Sicht und tauschen Sie sich mit anderen Lesern aus!