Das Hochwasser hat ihnen alles genommen

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Eine einzige Seenlandschaft entstand rund um das Haus der Familie Klimke. © Sabine Schäfer

Den 21. Juli wird Familie Klimke aus Stumpfenbach nie mehr vergessen.

Den 21. Juli werden die Klimkes nicht mehr vergessen. An diesem Tag setzte Starkregen das Haus in der St.-Ulrich-Straße in Stumpfenbach unter Wasser. Die Folge: Ein Riesenschaden, und die Familie muss seit fast sechs Wochen zumeist getrennt leben.

Bei Regen denkt man normalerweise an nichts Schlimmes. Doch als der Niederschlag sich an diesem Sonntagabend steigerte, kam es in vielen Teilen der Gemeinde Altomünster zu katastrophalen Zuständen. So auch bei Familie Klimke in Stumpfenbach, die gerade von einem Besuch nach Hause gekommen war. Eigentlich wollte man den Abend gemütlich beim Grillen ausklingen lassen. „Die Garnelen lagen schon zum Abtropfen im Spülbecken“, berichtet Babette Klimke. Aber an Essen war gar nicht zu denken, denn mit dem plötzlich einsetzenden Starkregen stand das Wasser innerhalb von 30 Minuten im Haus. Zuerst sprudelte es aus den Straßengullis, danach standen auf einmal der Garten und die Terrasse unter Wasser. „Das war sauberes Wasser, das wir mit unseren zwei Pumpen versucht haben, in den Griff zu bekommen“, erinnert sich die 58-jährige Versicherungskauffrau. Verzweifelt versuchte sie sogar noch, das aus dem Garten eindringende Wasser mit Laken aufzusaugen, doch alle Bemühungen waren vergeblich.

Schutzelemente nutzen nichts

Nach dem Pfingsthochwasser in Altomünster, das weder ihn noch seinen Nachbarn Josef Lugmair betroffen hat (wir berichteten), hatte Peter Klimke sechs Hochwasser-Schutzelemente von der Gemeinde gekauft. Als er damit aus der Garage kam, stand das vom Kalvariengraben aufgestaute Wasser bereits etwa 20 Zentimeter hoch auf der Auffahrt, so dass die Elemente keinen Bodenkontakt bekamen und das Schmutzwasser innerhalb weniger Minuten auf fast 70 Zentimeter anstieg.  Babette Klimke reagierte indes geistesgegenwärtig, rief die Feuerwehr und sicherte die Stühle, Aktenordner und Bettwäsche. Das Schlafzimmer im Erdgeschoss: geflutet. „Das Bett ist schon geschwommen“, erinnert sich Babette Klimke mit Galgenhumor. 

Im leeren Haus: Babette, Paul, Alina und Peter Klimke.
Im leeren Haus: Babette, Paul, Alina und Peter Klimke. © Sabine Schäfer

Über die Fenster gelangten Peter Klimke und sein Sohn Paul (19) mit einer Leiter ins Haus, wo die Frau und auch Hündin Mona quasi gefangen waren. Als das Wasser abgeflossen war, wurde das Riesen-Desaster offenbar. Zwei Wochen waren Peter, Babette, Paul und Alina mit Unterstützung von Nachbarn mit dem Reinigen, Ausräumen und Katalogisieren beschäftigt. Die erst drei Monate alte Küche musste wieder herausgerissen werden, Trockenbauwände, mit denen die Klimkes das Haus, Baujahr 1953, ohne Keller, liebevoll und Raum für Raum saniert hatten, liegen nun im Vorgarten zusammen mit der Waschmaschine, dem Trockner und Containern voller Dinge, die zum Leben gehören: Bücher, Schuhe, Fernseher, Geschirr und das Lieblingskörbchen der eineinhalb Jahre alten Labradorhündin. Das Auto: natürlich Totalschaden, das Haus: unbewohnbar. Der Gutachter der Versicherung habe laut Klimke seine Betroffenheit nicht verbergen können und betont, dass er so einen Schaden in 37 Jahren Berufstätigkeit noch nicht gesehen habe.

Familie in mehreren Unterkünften untergebracht

Die Klimkes, die seit 1994 in Stumpfenbach wohnen, sind seither in verschiedenen Unterkünften untergebracht: Peter Klimke (63), Projektmanager, und seine Frau leben im Apart-Hotel von Altomünster, Sohn Paul, angehender Erzieher, bei einem Kumpel und Tochter Alina (28), ebenfalls Projektmanagerin, konnte eine Einliegerwohnung von Bekannten beziehen. „Das ist alles ziemlich belastend“, sagt Peter Klimke. „Man wurschtelt sich von Tag zu Tag durch.“ Abends kommt die Familie meist im Appartement in Altomünster zusammen. Dann wird auf dem Herd mit zwei Platten gekocht und am kleinen Esstisch gegessen. Ab 7. September ist eine Ferienwohnung für alle in Aussicht.

Drei Raumtrockner stehen seit Wochen im Erdgeschoss des Hauses verteilt. Es sei schwierig gewesen, überhaupt welche aufzutreiben, denn in Altomünster und Unterzeitlbach waren ja viele Häuser vom Hochwasser betroffen. Die Trockner hat Sohn Paul schließlich aus Augsburg geholt.

Verwüstet: Wasser, Dreck und kaputte Möbel.
Verwüstet: Wasser, Dreck und kaputte Möbel. © Sabine Schäfer

Familie ist Nachbarn unendlich dankbar

Tröstlich sind für die Familie zwei Umstände: Es gibt zum einen eine Elementar-Versicherung fürs Haus und eine Elementar-Hausrat-Versicherung, so dass sogar die Kosten für die Unterkünfte bezahlt werden. Zum anderen „wirklich tolle Nachbarn“, wie Babette Klimke ausdrücklich betont. „Sie haben mit uns Sachen aus dem Haus getragen, haben unsere Wäsche gewaschen, gekocht und waren und sind immer für uns da.“ Von der Gemeinde könne er das nicht sagen, so Peter Klimke. Keiner habe bisher vorbeigeschaut oder nachgefragt. 

Seiner Meinung nach hätten die riesigen Mengen an Niederschlägen zwar nicht durch Rückhaltebecken alleine gebändigt werden können. Das sei ihm klar, erklärt Peter Klimke. „Einen Unterschied hätte es aber schon gemacht, wenn der Abfluss des Kalvariengrabens besser ausgeführt worden wäre.“ So hätten die Wassermassen unter der Straße nicht ausreichend abfließen können und sich auf der Straße bis auf 70 Zentimeter aufgestaut. Dieses Wasser habe sich den Weg über die Straße in den Ort gesucht und die Häuser massiv überflutet. „Unsere Grundstücke haben unfreiwillig als Rückhaltebecken für die abwärts liegenden Grundstücke gedient.“ 

„Das Ausmaß der Zerstörung hätte im konkreten Fall mit einem Starkregenkonzept und -maßnahmen mit Sicherheit abgemildert, wenn auch nicht ganz verhindert werden können“, so Peter Klimke. Er findet, es bestehe dringender Handlungsbedarf für ein ganzheitliches Konzept, denn mit solchen Ereignissen werde in Zukunft vermehrt zu rechnen sein. 

Familie Klimke rechnet nicht damit, Weihnachten wieder im Haus in der St.-Ulrich-Straße verbringen zu können. Doch so oft es geht, trifft man sich dort nicht nur zum Arbeiten, sondern bei schönem Wetter auch zum Grillen, damit es nicht immer nur „schnelle Küche“ gibt.

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