Überwiegend Menschen aus der Ukraine sollen bald in die ehemalige Öko-Akademie in Linden einziehen. Bei einem Ortstermin konnten Bürger einen Blick in die neue Asylunterkunft werfen.
Dietramszell - Im Inneren hat sich das ehemalige Tagungshaus in Linden kaum verändert. Bis vor zwei Jahren nächtigten hier Seminarteilnehmer der Ökologischen Akademie, die 2023 nach Lenggries umsiedelte.
In den vergangenen Monaten wurden die rund 50 Zimmer mit Rauchmeldern ausgestattet und Brandschutztüren installiert; außen kamen zwei Stahltreppen als Fluchtwege hinzu – die Räume atmen aber immer noch den Charme des vergangenen Jahrhunderts. Ende Februar sollen dort die ersten Flüchtlinge einziehen.
Flüchtlingsunterkunft in Dietramszell: Überwiegend Ukrainer sollen einziehen
Es werden überwiegend Menschen aus der Ukraine sein, versicherte Andreas Baumann, Sachgebietsleiter Asylwesen im Landratsamt, bei einem Besichtigungstermin am Mittwochnachmittag: „In den Turnhallen in Geretsried und Wolfratshausen haben wir im Moment nichts anderes.“
In den ehemaligen Gästezimmern – meist Einzel- oder Zweibettzimmer mit einem kleinen Bad – warten die Holzbetten und Schränke des vorigen Betreibers auf ihre neuen Bewohner. Hier und da hängen verblichene Trockenblumensträuße, auf dem Holzboden liegen Fleckerlteppiche.
„Ein paar Kleinigkeiten erschweren den sofortigen Einzug noch“, räumte Baumann ein. In der Gemeinschaftsküche, in der sich die Asylsuchenden selbst versorgen sollen, stehen weder Herde noch Kühlschränke, in einigen Zimmern fehlt noch Mobiliar. Auch die Anbindung ans Internet sei „schwieriger als gedacht“.
Im Dachgeschoss des Haupthauses sollen noch einige Mehrbettzimmer dazukommen. Dort sind die Umbauarbeiten noch in vollem Gange. Dieser Gebäudeteil werde erst in einem zweiten Schritt belegt, erklärte Baumann. Insgesamt sollen „um die 100“ Flüchtlinge in dem Anwesen wohnen.
Aus ehemaliger Öko-Akademie wird Asylunterkunft: Bürger machen sich ein Bild
Die mindestens ebenso vielen Bürgerinnen und Bürger, die einen Blick ins Innere der neuen Asylbewerberunterkunft werfen wollten, machten sich vor allem Sorgen wegen der abgeschiedenen Lage. „Die sind hier festgenagelt, da ist doch klar, dass es zu Dummheiten kommt“, sagte eine Frau. Zwar will der Bauhof der Gemeinde direkt vor der Tür eine zusätzliche Bushaltestelle errichten – der Bus fährt aber nur dreimal am Tag.
Meine news
Baumann verwies darauf, dass zunächst vorrangig Menschen mit Auto nach Linden verlegt würden: „Familien, Alleinerziehende, Männer und Frauen aus Europa, von denen hoffentlich viele arbeiten gehen“. Dass das auf Dauer so bleibe, könne er allerdings nicht versprechen. Der Mietvertrag des Landratsamts mit den Eigentümern läuft über zehn Jahre.
Neue Asylunterkunft in Dietramszell: Sicherheits- und Sozialdienst sind vor Ort
Auch Peter Frech, Chef des rund um die Uhr anwesenden Sicherheitsdienstes, beruhigte die Anwohner: „Wir betreuen 40 Unterkünfte. Und überall läuft's.“ Die spärliche Busverbindung sah er als „Luxusproblem“.
Ein- bis zweimal pro Woche soll zudem ein Sozialdienst vorbeikommen, der bei behördlichen Angelegenheiten, der Arztsuche und der Anmeldung zum Deutschkurs hilft. Margit Lätsch, Vorsitzende des Dietramszeller Vereins Miteinander-Füreinander, sagte ebenfalls Unterstützung zu.
Verhalten optimistisch zeigte sich Zweiter Bürgermeister Anton Huber beim Ortstermin. Die Gemeinde sei zwar „nicht glücklich“ mit der Lage der Asylunterkunft und sehe – wie die Bürgerinnen und Bürger – das Problem der Integration. Aber immerhin könnten so die Schulturnhalle und Sportlerheime freigehalten werden. Und, so der Vize-Rathauschef: „Andere Kommunen haben es auch geschafft.“ cw
Auch interessant
Kommentare
Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion