„Ilse Aigner hat keiner bemerkt“ – Alte Garde der Crachia Hausham tritt nach 30 Jahren ab

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Abschiedsvorstellung: Die Alte Garde der Haushamer macht Schluss. © Ralf Poeplau

Die Alte Garde der Crachia Hausham verabschiedet sich nach drei Jahrzehnten von der Bühne.

Hausham – In den zurückliegenden 30 Jahren war es bei jeder einzelnen Elferratssitzung der Faschingsgesellschaft Crachia Hausham die Alte Garde, die das Publikum vor Begeisterung buchstäblich von den Sitzen riss. Die Gardistinnen waren der Garant für beste Laune. Aktuell absolvieren Ria Röpfl, Karin Luitpold, Claudia Spreider, Bärbel Hein, Nadja Berger und Christa Baumgartner ihre finale Saison. Am morgigen Samstag ist ihr letzter Auftritt. Aus diesem traurigen Anlass baten wir Ria Röpfl (59), zugleich Haushams Dritte Bürgermeisterin, zum Interview.

Frau Röpfl, bevor wir jetzt über das Ende der Alten Garde reden, lassen Sie uns doch über deren Anfänge sprechen. Wie sahen die aus?

Die Alte Garde gründete sich 1995 und bestand zu 90 Prozent aus Gardemädchen der 1980er-Jahre. Aber auch ehemalige Faschingsprinzessinnen und Garde-Trainerinnen waren darunter. Anfänglich waren es 15 bis 20 tanz- und faschingswütige Crachianerinnen, alle so in ihren 30ern. Heute sind wir noch zu sechst.

Bis zu welchem Alter kann man bei der Garde mitmachen?

Bei den Minimäusen sollten die Kinder mindestens sechs Jahre alt sein, wenn sie anfangen, und maximal acht Jahre. Bei den Gardemäusen zwischen neun und zwölf Jahre und mindestens 13 Jahre, wenn sie zu den Teenies wechseln. Zur Teenie-Garde gehört man bis circa 17 Jahre. Danach wechselt man in die Tanz- und Showgarde. Die meisten hören dort dann mit etwa 30 Jahren auf. Nicht etwa, dass man die Gardemädels vor die Tür setzen würde, aber das Training bis zu dreimal wöchentlich ist doch recht anstrengend und zeitraubend.

Und weil Sie als Ehemalige das Tanzen so vermisst haben, wollten sie es 1995 nochmal wissen?

Ja, wir haben das Tanzen vermisst, aber vor allem die regelmäßigen Treffen und den Austausch. Und es hat einfach Spaß gemacht, für die Elferratssitzungen wenigstens eine Nummer pro Jahr einzustudieren. Unser erstes Stück war „Sister Act“. Das war schon sehr lustig. Und dann haben wir uns jedes Jahr ein neues Thema gesucht, wie Schlümpfe, Strandbad, Cowboy oder 2014 zur WM das Thema Fußball mit dem Helene Fischer Song „Atemlos durch die Nacht“.

Was waren die Höhepunkte in den 30 Jahren?

2015, als wir eigentlich auf nur noch zehn Mitglieder in der Alten Garde geschrumpft waren, haben zum 20. Jubiläum alle Alt-Gardistinnen noch einmal unsere erste Nummer „Sister Act“ gegeben, das war richtig schön. 2012, bevor Jens Zangenfeind Bürgermeister geworden ist, haben wir ihn in einem Hexenkessel gekocht. Das war auch sehr lustig. Unvergesslich ist 2019. Da hat zum 60. der Crachia Ilse Aigner mit uns eine Flower-Power Nummer getanzt – und keiner hat’s gemerkt! Und selbst bei der Vorstellung, bei der auch ihre Bodyguards zugegen waren, hat sich keiner gewundert, warum wir plötzlich eine Person mehr waren. Das war wirklich, wirklich witzig.

Und jetzt zum Abschied haben Sie aus Ihren Lieblingsnummern ein letztes Best-Of-Programm gemacht.

Genau. Das ist ziemlich emotional für uns alle. Denn eigentlich wollten wir ja schon im vorherigen Jahr aufhören, weshalb wir dieses Jahr auch nur noch zu sechst sind. Die Siebte im Bunde, Michaela Hart, hat ihren Urlaub just im November gebucht. Jedenfalls hat der Vorstand uns zu einem bewussten Abschluss überredet. Das fällt nach 30 Jahren nicht leicht, aber ist doch in Ordnung. Irgendwann muss ja mal Schluss sein. Wir sind nun alle in unseren Fünfzigern und die Choreografien lassen sich nicht mehr ganz so leicht merken. Und auf den Fotos sind unsere Falten zu sehen. Aber auf jeden Fall ist es für uns eine große Ehre, und wir sind dankbar, nochmal mit der Crachia-Familie auf der Bühne zu stehen.

Woran lag es, dass das Publikum sie immer so sehr gefeiert hat?

Zum einen, weil wir das Publikum immer mitmachen haben lassen. Das hatte Tradition. Keiner durfte sitzenbleiben. Dann haben wir immer Hits gehabt, die jeder mitsingen und dazu auch tanzen konnte. Und schließlich musste die Alte Garde keine Perfektion wie die Tanz- und Showgarde an den Tag legen. Wir wollen selber eine Gaudi haben und glänzen mit Selbstironie. Das mag das Publikum.

Das Gespräch führte Alexandra Korimorth.

Abschiedsvorstellung: Ria Röpfl und ihre fünf verbliebenen Mitstreiterinnen tragen die Alte Garde zu Grabe.
Abschiedsvorstellung: Ria Röpfl und ihre fünf verbliebenen Mitstreiterinnen tragen die Alte Garde zu Grabe. © Ralf Poeplau