Treffen wegen Grönland: Was beim Trump-Showdown mit Dänemark jetzt auf dem Spiel steht

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Grönland, Dänemark und die USA kommen am Mittwoch in Washington zusammen, um über Trumps Ansprüche auf die Insel zu sprechen. Worüber wird gesprochen?

Washington, D. C. – „Die Menschen schlafen nicht, Kinder haben Angst, und im Moment ist es das alles beherrschende Thema. Und eigentlich können wir es nicht wirklich verstehen.“ Das sagte Grönlands Wirtschaftsministerin Naaja Nathanielsen am Dienstag (13. Januar) im britischen Parlament in London. Für Grönlands Bevölkerung steht viel auf dem Spiel. Donald Trump möchte die Insel besitzen und sie zum Teil der USA machen. Am Mittwoch (14. Januar) finden Gespräche darüber in Washington statt.

Bunte Häuser stehen in Grönland auf dem Schnee
Donald Trump will Grönland den USA einverleiben © IMAGO / Anadolu Agency

Dort treffen sich Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt und ihr dänischer Amtskollege Lars Løkke Rasmussen mit Donald Trumps Gesandten. Grönland ist dänisches Staatsgebiet, kann sich jedoch weitestgehend selbst regieren. Neben US-Außenminister Marco Rubio soll auch Trumps Vize JD. Vance kommen. Laut der Zeit sagte Marco Rubio, die USA wollten Grönland am ehesten kaufen. Es ist unklar, ob Trump auch in das Gebiet einmarschieren würde. Die Drohung schwebt jedoch wie eine dunkle Wolke über den Verhandlern.

Worum geht es bei den Gesprächen zwischen den USA und Grönland in Washington?

Die amerikanische Seite versucht, einen Deal mit Dänemark und Grönland auszuhandeln. Trump drohte dem grönländischen Regierungschef am Dienstag, dass es „ein großes Problem für ihn werden“ würde, wenn Grönland einer Annexion durch die USA nicht zustimmen würde. Was genau die US-Regierung Grönland am Mittwoch vorschlägt, ist unklar. Eine Option ist laut der Zeit ein „Freier Assoziierungspakt“ nach dem Vorbild Mikronesiens, der Marshallinseln und Palau. Dabei würden die USA die Hoheit über Grönlands Sicherheitspolitik übernehmen, Grönland bliebe jedoch formal unabhängig. Eine andere Option sind Zahlungen an die Bevölkerung. Laut Reuters überlegt die US‑Regierung, den Grönländern einmalig bis zu 100.000 Dollar pro Person zu zahlen. Im Gegenzug sollen die Grönländer für eine Abspaltung von Dänemark stimmen und sich den USA anschließen.

Beide Optionen haben Grönland und Dänemark bisher ausgeschlossen. Am Mittwoch wollen Motzfeld und Rasmussen den USA laut dpa klarmachen, dass die USA keinen Anspruch auf Grönland haben und die Insel nicht zum Verkauf steht. Außerdem könnten sie argumentieren, dass sich die strategischen Interessen Trumps auch anders befriedigen lassen könnten. Die USA haben bereits eine Militärpräsenz auf Grönland. Diese könnten die USA problemlos ausbauen. Seit dem Kalten Krieg gibt es ein Verteidigungsabkommen, das den USA weitreichende Rechte gibt: Sie dürfen Stützpunkte errichten, Personal stationieren und militärische Bewegungen auf der Insel kontrollieren. Einer stärkeren Militärpräsenz der USA steht Dänemark offen gegenüber.

Wenn Kaufen nicht klappt, hat die US-Regierung auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen. Trump hat laut BBC angekündigt, Grönland „auf die einfache Art“ oder „auf die harte Art“ zu übernehmen. Dieses bedrohliche Szenario würde die NATO auf eine Zerreißprobe stellen – schließlich sind sowohl Grönland als auch die USA Mitglieder. Falls die USA angreifen, könnte Grönland nicht den Bündnisfall ausrufen und um militärischen Beistand bitten. Denn dafür wäre eine Abstimmung notwendig, die die USA dann mit ihrer Stimme blockieren könnten. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte am Dienstag (6. Januar): „Ich sage es ganz direkt: Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann war’s das.“ Dass die USA zu den Waffen greifen, gilt vielen politischen Kommentatoren jedoch als unwahrscheinlich. Wie die dpa berichtet, setzt die USA dieses Szenario wohl nur als Drohung ein, um einen Deal zu forcieren. Allerdings zeigt der Angriff der USA auf Venezuelas Nicolás Maduro, dass Donald Trumps Regierung vor wenig zurückschreckt.

Warum will Donald Trump Grönland?

Grönland liegt zu einem Großteil innerhalb des Polarkreises und ist zu großen Teilen mit Eis bedeckt. Unter diesem Eis liegen wertvolle Rohstoffe wie die „seltenen Erden“, die für die Herstellung moderner Technik unerlässlich sind. Durch den Klimawandel schmilzt das Eis in der Arktis und legt diese Rohstoffe für den Abbau frei. Außerdem öffnen sich dadurch neue Schiffsrouten. Wer dann Zugang zu diesen Rohstoffen und Schiffsrouten hat, ist weltwirtschaftlich und weltpolitisch relevant. Nicht nur die USA, auch China und Russland strecken ihre Fühler nach Grönland aus. China schickt beispielsweise immer mehr Forschungsschiffe dorthin, die laut dpa wahrscheinlich auch militärische Untersuchungen durchführen. Aktuell sind die USA für diese Rohstoffe abhängig von China. Donald Trump und seine Regierung haben das nicht so deutlich gesagt, aber das könnte ein Grund für Trumps Obsession mit Grönland sein.

Trump betonte wiederholt, dass die USA Grönland beschützen wollten. Grönland und Dänemark hätten nicht die Fähigkeiten, sich gegen Russland und China zu verteidigen. „Wir werden nicht zulassen, dass Russland oder China Grönland besetzen, und genau das wird passieren, wenn wir es nicht tun“, sagte er am Samstag, 10. Januar, bei einer Pressekonferenz auf Nachfrage der BBC. Die BBC-Reporterin fragte Trump auch, warum es so wichtig sei, Grönland zu besitzen, wenn die USA bereits eine Militärpräsenz auf der Insel haben. Trump antwortete: „Wenn wir es besitzen, verteidigen wir es. [...] Sie verteidigen Eigentum, Sie verteidigen keine Miete.“

Was ist die Position Grönlands, Dänemarks und der NATO?

Grönlands Position ist klar. Am Freitag, 09. Januar, gaben die Vorsitzenden von fünf politischen Parteien im grönländischen Parlament eine gemeinsame Erklärung ab. „Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein“, erklärte die Gruppe. Auch der Ministerpräsident der Insel, Jens-Frederik Nielsen, unterstützte die Erklärung. „Die Zukunft Grönlands muss von den Grönländern entschieden werden.“ Am Dienstag konkretisierte Nielsen seinen Standpunkt bei einer Pressekonferenz mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. „Wenn wir uns hier und jetzt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark entscheiden müssen, entscheiden wir uns für Dänemark“, so Nielsen laut Deutscher Welle. „Wir entscheiden uns für die NATO, das Königreich Dänemark und die EU.“

Auch Dänemarks Staatschefin wies die Ansprüche der USA zurück. Frederiksen betonte am Dienstag, es sei nicht einfach, sich gegen inakzeptablen Druck durch einen engen Verbündeten zur Wehr zu setzen. Es gebe viele Hinweise darauf, dass die härteste Phase in dem Konflikt noch bevorstehe. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte am Montag (12. Januar), das Verteidigungsbündnis arbeite an „nächsten Schritten” zum Schutz der Sicherheit in der Arktis. Ein NATO-Plan zum Schutz Grönlands könnte eine Alternative zu Trumps Sicherheitsbedenken für die Arktis darstellen. Auch ein solcher Plan könnte am Mittwoch bei den Gesprächen in Washington zur Sprache kommen (Quellen: Deutsche Welle, dpa, Zeit, Guardian, Tagesschau, BBC, Reuters, eigene Recherche) (cdz)

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