Neue Wendung in den Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana. Trotz aller Beteuerungen wollte das Betreiber-Paar offenbar das Land per Flugzeug verlassen.
Crans-Montana – Die Ermittlungen zur verheerenden Brandkatastrophe in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana nehmen eine nächste Wendung. Wie aus einem Schreiben der Nebenklage-Anwältin Nina Fournier an die Staatsanwaltschaft des Wallis hervorgehen soll, soll „einer der Eheleute Moretti möglicherweise ein privates Luftfahrtunternehmen kontaktiert“ haben, um die Flucht in einem Charter-Jet zu planen. Darüber berichtet Bild. Sie bitte demnach die leitende Staatsanwältin, Ermittlungen einzuleiten, mit welcher Fluglinie in Sitten oder Genf das Ehepaar Kontakt hatte.
Am Dienstag (20. Januar) dürfte sich der mittlerweile inhaftierte Barbesitzer Jacques Moretti bei seiner dritten Vernehmung schwierigen Vorwürfen stellen müssen. Die mutmaßliche Fluchtabsicht verstärkte die bereits bestehenden Bedenken der Staatsanwaltschaft bezüglich einer Fluchtgefahr. Am 9. Januar wurde Jacques Moretti in Untersuchungshaft genommen – eine Maßnahme, die zunächst unter anderem mit der möglichen Fluchtgefahr des französischen Staatsbürgers begründet worden war.
Brand in Crans-Montana: Immer neue Vorwürfe gegen Barbetreiber-Paar
In dem dritten Verhör geht es Berichten zufolge auch darum, ob der Barbesitzer gegen 200.000 Schweizer Franken (rund 215.000 Euro) Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen werden kann. Die neuen Erkenntnisse dürften seine Chancen nicht erhöhen. Seine Ehefrau, die Französin Jessica Moretti ist weiter gegen Kaution auf freiem Fuß, darf die Schweiz nicht verlassen, muss ihren Pass und Ausweispapiere hinterlegen und sich täglich bei einer Polizeidienststelle melden, wie das Zwangsmaßnahmengericht in Sitten (Sion) mitteilt.
In den vergangenen Tagen wurden neue, schlimme Vorwürfe aus der Bar bekannt. Einem Dokument der Polizei zufolge haben Forensiker in der Bar „Le Constellation“ einen gefährlichen Fund gemacht, der die Betreiber schwer belastet. Laut Verhörprotokollen soll Jessica Moretti die fatale Champagner-Show selbst angeordnet haben. Sie habe dabei hinter der Kellnerin Cyane gestanden, die den Brand vermutlich auslöste und selbst ums Leben kam.
40 Tote bei Brand auf Silvesterparty – vor allem junge Menschen darunter
Das verheerende Feuer brach am 1. Januar um 1:26 Uhr in der beliebten Bar des Schweizer Luxus-Skiortes aus. 40 Menschen verloren ihr Leben, 116 weitere wurden verletzt, viele davon schwer. Die Ermittlungen ergaben, dass ein Großteil der Todesopfer an der verengten Treppe gefunden wurde – dem einzigen regulären Ausgang aus dem Keller der Bar. Besonders tragisch: Der Notausgang war von innen verriegelt, wie Betreiber Moretti selbst eingestanden hat.
Als Brandursache gilt eine Wunderkerze, die von einer Kellnerin zu nahe an die Schaumstoff-Deckenverkleidung gehalten wurde. Augenzeugen berichteten, wie die Angestellte auf die Schultern eines Kollegen gestiegen war und dabei die Pyrotechnik an die brennbare Decke brachte.
Die Wunderkerzen wurden seit Jahren in der Bar ohne Probleme verwendet. Die letzte Brandschutzkontrolle der Bar hatte jedoch bereits 2019 stattgefunden – vorgeschrieben wären jährliche Prüfungen gewesen. (Quellen: Bild.de, Deutsche Presse-Agentur) (mke)
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