Ein neues Strafrecht in einem beliebtem Urlaubsland könnte auch Besuchern zum Verhängnis werden – außerehelicher Sex kann nun bis zu einem Jahr Haft bedeuten.
Jakarta – Zärtlichkeiten am Strand oder eine gemeinsame Übernachtung im Hotel gehören für Millionen von Urlaubspaaren zum normalen Reiseerlebnis. Doch in einem gefragten Reiseziel können solche Handlungen unter Umständen zu einer Gefängnisstrafe führen. Das beliebte Urlaubsland hat ein kontrovers diskutiertes Strafgesetzbuch eingeführt, das Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr ahndet. Eine strenge Regel hat ein anderes Urlaubsland eingeführt: Unter Umständen wird Aufstehen im Flugzeug bestraft.
Indonesien hat strenge Vorschriften erlassen: Das Regelwerk betrifft nicht nur die einheimische Bevölkerung, sondern explizit auch die zahlreichen Touristen aus dem Ausland, wie unter anderem die Zeit meldet. Paaren ohne Trauschein, die zusammenwohnen, drohen sogar sechs Monate Gefängnis. Die Regierung Indonesiens beschwichtigt jedoch.
Strafgesetzbuch in Indonesien verabschiedet: Sex-Verbot gilt auch für Touristen
Touristen und Touristinnen bräuchten nicht zu fürchten, während ihres Indonesien-Aufenthalts beispielsweise wegen intimer Beziehungen oder unverheirateten Zusammenlebens verfolgt zu werden, erläuterte Sprecher Albert Aries laut Detiknews bereits 2022. Die Bestimmung könne nur dann zur Anwendung kommen, wenn Familienangehörige wie Eheleute, Eltern oder Kinder eine Anzeige erstatteten. Indonesien ist ein beliebtes Urlaubsland, doch genau deswegen gibt es viele Probleme auf Bali.
Ungeachtet dieser beruhigenden Worte zeigen sich Kritiker alarmiert. Usman Hamid von Amnesty International Indonesien bezeichnete das Strafrecht als einen „erheblichen Rückschlag“ für die Bürgerrechte, wie die Zeit informiert. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt ebenfalls vor „Eingriffen in die intimsten Entscheidungen von Individuen und Familien“. Hohe Strafen drohen auch bei Verkehrsverstößen in einem beliebten Urlaubsland.
Aus Sicht der indonesischen Regierung stellt das neue Strafrecht einen bedeutsamen Fortschritt dar. „Wir sind stolz darauf, ein Strafgesetzbuch zu haben, das im Einklang mit den indonesischen Werten steht“, unterstrich Vizejustizminister Edward Omar Sharif Hiariej im Gespräch mit Reuters.. Nach Angaben von Detiknews ging das bisherige Strafrecht noch auf die niederländische Kolonialzeit zurück. Es galt als überholt. Das mehrheitlich muslimische Indonesien erlangte 1945 die Unabhängigkeit von den Niederlanden.
Die Bestimmungen gehen weit über das Verbot außerehelicher Beziehungen hinaus. Wer den Staatspräsidenten beleidigt, riskiert bis zu drei Jahre Gefängnis. Blasphemie kann sogar fünf Jahre Haft nach sich ziehen. Für LGBTQ-Angehörige gibt es allerdings eine erfreuliche Entwicklung: Gleichgeschlechtlicher Sex bleibt legal, da ein entsprechender Paragraf nach Protesten entfernt wurde. Das neue Strafrecht wurde bereits 2022 beschlossen und ist nach einer Übergangszeit zum Jahreswechsel in Kraft getreten, so die Zeit. (Quellen: Zeit, Detiknews, Human Rights Watch, Reuters) (resa)
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