Trotz der Sorge um sein kleines Zwillings-Baby organisiert der Holzkirchner Christian Pfab auch heuer wieder eine Christbaum-Rückholaktion. Der Erlös geht diesmal an eine Einrichtung, die der Familie hilft, die schwere Zeit in der Herzklinik zu überstehen.
Holzkirchen – Bange Wochen liegen hinter der Familie Pfab, und komplett überstanden ist die Situation noch nicht: Ihre Tochter Leni, die mit ihrer Zwillingsschwester Lilli am 8. Oktober – knapp fünf Wochen vor dem errechneten Termin – geboren wurde, befindet sich noch in stationärer Behandlung im Deutschen Herzzentrum in München. Die bald drei Monate alte Holzkirchnerin wurde mit einem Herzfehler geboren – ein herber Schlag für Christian Pfab und seine Frau Laura (33), die sich unbändig auf die Ankunft ihrer Mädchen gefreut hatten, nachdem sie mit Sohn Leo (2) bereits einen fröhlichen Buben haben.
Operation am Herzen
Nun überschattet die Sorge über Lenis Gesundheit das Familienglück. Noch im Krankenhaus Harlaching stellte sich kurz nach der Geburt heraus, dass Lenis Sauerstoffsättigung nicht in Ordnung war. Wie Untersuchungen zeigten, war eine Lungenvenenfehlmündung die Ursache. Obendrein hatte das Mädchen ein Loch im Herzen. „Das war für uns schwer zu verdauen“, erzählt Christian Pfab. „Im Gegensatz zu einem Beinbruch, wo man weiß, dass man nach sechs Wochen im Gips wieder gehen wird, war bei Leni nicht klar, welches Ausmaß das haben wird.“
Auch Lilli war nicht gesund: Weil ihre Lunge nicht funktionierte, musste sie intubiert und drei Wochen auf der Intensivstation behandelt werden. Lilli kämpfte – und schaffte es schließlich, selbstständig zu atmen. Sie hat die Klinik inzwischen verlassen, wiegt vier Kilo und ist außer Gefahr. „Wir sind sehr dankbar darüber“, sagt Christian Pfab.
Voller Hoffnung ist der Inhaber des Holzkirchner Bauunternehmens „Pfabelhaft“ mit Blick auf Leni. Auch sie scheint eine Kämpferin zu sein. War ihr Geburtsgewicht von 1650 Gramm zunächst zu gering für eine Operation am Herzen, schaffte sie es mit medizinischer Hilfe, 2300 Gramm zu erreichen. Das war nicht so viel, wie sich die Fachärzte am Deutschen Herzzentrum für den Eingriff erhofft hatten, aber ausreichend, um das Wagnis am 17. November anzugehen. „Leni hat das gut gemeistert, ich bin sehr froh, dass sie das geschafft hat“, sagt Christian Pfab.
Zwei Mal wurde das Mädchen inzwischen operiert. „Nach der zweiten Operation hieß es, dass der Herzfehler behoben ist“, erzählt der 33-Jährige. Die Sorge um Leni ist ihm anzumerken, er drückt sich vorsichtig aus, als ob er es noch nicht wagen würde, der Erleichterung die Tür ganz zu öffnen.
Tatsächlich ist an ein Heimkommen der tapferen kleinen Holzkirchnerin noch nicht zu denken: „Das wird noch einige Wochen dauern“, sagt der dreifache Papa. „Zuerst muss Leni lernen, zu trinken, damit sie keine Magensonde mehr braucht.“ Auch mit Sauerstoff muss das Mädchen noch versorgt werden.
Damit die ganze Familie bei Leni sein kann, sind die Pfabs für die Dauer der stationären Behandlung ins Ronald McDonald-Haus der McDonald‘s Kinderhilfe Stiftung am Deutschen Herzzentrum gezogen. Das 24 Apartments zählende Haus am Deutschen Herzzentrum bietet Familien schwer kranker Kinder ein Zuhause auf Zeit. So können die Pfabs Leni jederzeit besuchen beziehungsweise ohne Aufwand wiederkommen, wenn die Intensivstation für Besucher gerade nicht zugänglich ist. Das kommt immer wieder vor, schließlich ist Leni nicht die einzige Herzpatientin auf der Station. Auch Leo kann sein Schwesterchen sehen. „Er ist ein sehr fürsorglicher und liebevoller großer Bruder“, erzählt Papa Christian Pfab.
Das Ronald McDonald-Haus ermöglicht Betroffenen aber nicht nur Nähe zum kranken Kind. „Wir haben dort weitere Familien kennengelernt, die die gleichen Sorgen haben“, sagt Pfab. „Der Austausch tut uns gut.“ Jede Familie hat zwar ihr eigenes Zimmer mit Bad, aber in der großen Gemeinschaftsküche und dem Wohnzimmer sind Begegnungen möglich. „Man hilft sich gegenseitig.“
Seine Dankbarkeit gegenüber dieser Einrichtung ist so groß, dass er sie bei seiner diesjährigen Christbaumrückholaktion begünstigen will, die er 2023 ins Leben gerufen hatte. „Ich durfte selbst erleben, wie wichtig dieses Haus für betroffene Familien mit schwerkranken Kindern ist“, sagt Pfab.
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Wie berichtet, hatte Pfab die Christbaumrückholaktion initiiert, um soziale Zwecke in der Region zu unterstützen. So haben bereits der Verein „Holzkirchen hilft“ sowie das Kinderdorf Irschenberg davon profitiert.
Rückholaktion für Christbäume
Wer die Aktion unterstützen will, kauft eine Wertmarke in Höhe von mindestens fünf Euro. Wie in den Vorjahren haben sich die Parfümerie Wiedemann und die Aral-Tankstelle in Holzkirchen als Verkaufsstellen zur Verfügung gestellt. Auf der Wertmarke gibt es einen QR-Code, über den man den Christbaum zur Entsorgung anmelden kann. Voraussichtlich am 9. Januar kommen dann Mitarbeiter von Pfabs Firma mit entsprechendem Gerät und holen den Baum ab. Er muss dafür ungeschmückt vor der Haustür platziert werden. Die Weihnachtsbäume werden später im Biergarten des Sappl Bräu verbrannt.
Pfabs Mitarbeiter, zu denen auch sein Vater Bernhard gehört, unterstützen nicht nur seine Christbaumrückholaktion mit persönlichem Einsatz. „Sie hatten in den vergangenen Wochen das gleiche Arbeitspensum wie immer zu stemmen, aber mit einem Mann weniger. Ich bin dankbar, dass ich mich auf sie verlassen kann.“