Biber, Bankräuber und Bürokratie: Habacher Faschingszug bot viele Themen

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Partyhochburg: Dicht gedrängt verfolgten tausende Zuschauer den närrischen Zug durch Habach. © Antonia Reindl

Zum närrischen Endspurt erwischte die Gemeinde Habach für ihren Umzug ein Traumwetter. Nach fünf Jahren war es wieder soweit. Tausende Zuschauer feierten mit.

Habach – Überrascht vom Traumwetter wirkte Thomas Promberger, einer der Köpfe des Organisationsteams, nicht. Bisher, seit 2010, habe man immer Glück gehabt, freute er sich. So auch bei der diesjährigen Ausgabe mit etwa 500 Teilnehmenden, rund 15 Wagen, einigen Fußgruppen und ein paar tausend Zuschauern.

Am Faschingsdienstag lockte der Habacher Faschingszug tausende von Zuschauern an

In die Handtasche schauen oder prüfend auf die Gesäßtasche klopfen. Ist das Portmonee noch da? Dazu hätte man am vergangenen Dienstag in Habach nicht nur einmal verleitet werden können. Denn so einige Verbrecher waren unterwegs, mit Maske im Gesicht und Brecheisen in den Händen. Doch um seine Geldbörse musste man sich eigentlich keine Sorgen machen: Die Kriminellen haben es ja auf den Geldautomaten abgesehen. Der Einbruch samt Diebstahl, der sich einen Monat zuvor im Habacher Rathausgebäude ereignet hatte, bot Steilvorlagen für den Faschingszug. Gleich mehrere Gruppen ließen Verbrecherbanden, darunter die Panzerknacker, auflaufen. „Wuist beim Trödler wos zum Trinken bstoin, muast bei erm mit Bargeld zoin. Bargeld is in Habach jedoch rar, der Geldautomat war auf’m Verbrecherradar“, hieß es auf einem Schild.

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Anfang Februar ist ins Habacher Rathaus ein- und ein Geldautomat aufgebrochen worden. Der Fall wurde beim Faschingszug mehrfach aufgegriffen. © Antonia Reindl

Bürokratie und Behörden im närrischen Visier

An Kritik wurde auch nicht gespart, so ging es Bürokratie und Behörden an den Kragen. Hier verwandelte sich das Landratsamt kurzerhand in ein Narrratsamt, dort wurde im Kampf gegen das viele Papier ein gigantischer Aktenvernichter angeschmissen, sodass die Papierschnipsel – Sägespäne – nur so durch die Gegend und auf die Köpfe der Zuschauenden flogen. „Mit dene Vorschriften gibt’s nix mehr zum Lachen, jeder Maschkera muas jetzt an Roafn bewachen“, stand an einem Wagen. Gefolgt von der Erkenntnis, dass es dank dem Glasflaschenverbot auf den Faschingswagen eben noch schneller an die Bar geht.

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Vorschriften sind Vorschriften. Keine Glasflaschen auf dem Faschingswagen. Wer sich des potentiellen Wurfgeschosses entledigen musste, fand diese rollende Entsorgungsstation. © Antonia Reindl

Venedig und Dubai

Dazwischen mangelte es nicht an Gewusel, mal sorgten die „Maschkera von Hawanezia“ für ein buntes Farbspiel mit venezianischem Flair, mal machten goldglänzende Damen tanzend Werbung für die brandneuen Dubai-Krapfen im Dorfladen. Dazwischen wanderte eine Biberburg durch Habach, gefolgt von Tierschützern, die den Nager vor dem Abschuss bewahren wollen. Ach ja, für Habachs Hochwasserproblematik hatten ein paar Narren auch noch eine Lösung parat. „S’Wasser steigt, d’Kass is leer, drum muss für’s Hochwasserschutz a Floßfahrt her!“

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Kommt ein Fischgeflogen: Den singenden Gallier auf dem „Bauwogn Oaling“ beziehungsweise aus „Gallien 2.0“ erwartet für seine Darbietung eine Klatsche ins Gesicht. © Antonia Reindl

Rund 5.000 Besucher

Gemächlich schlängelte sich der Zug durch Habachs Dorfmitte. Kurz vor Beginn um 14.14 Uhr war Thomas Promberger vom Orga-Team die Strecke mehrmals mit dem Mofa und in Retro-Polizeiuniform auf und ab gefahren. Durch die Lautsprecheranlage war derweil die Sonne gehuldigt worden: „Liabe Leit, was is des heit für a geiles Wetter!“ Wie viele Menschen hatte Promberger nicht abzuschätzen gewagt. In den vergangenen Ausgaben habe man immer von rund 5.000 Besuchern gesprochen. Vermutlich auch für heuer keine ganz verkehrte Schätzung. Einige der vielen Besucher und Besucherinnen zog es nach dem rund zweistündigen Umzug zum Feuerwehrhaus, wo Biberfreunde, Bankräuber und Bürokratiekritiker gemeinsam weiterfeiern konnten.

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