Neben das KZ-Todesmarsch-Mahnmal in Karlsfeld soll eine Infotafel aufgestellt werden. Da war sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag schnell einig. Dennoch kam der CSU-Antrag
nicht bei jedem gut an.
Karlsfeld – Tagelang mussten sich tausende Dachauer KZ-Häftlinge im Frühjahr 1945 auf einen grausamen Leidensweg machen, den viele nicht überlebten. Der Todesmarsch führte auch durch Karlsfeld. An das schreckliche Ereignis erinnert heute ein Mahnmal des Bildhauers Hubertus von Pilgrim. Es steht seit 20 Jahren an der Allacher Straße an der Einmündung zur Münchhausenstraße. Es wirkt unscheinbar. Die Inschrift befindet sich auf der Rückseite der Stele und ist somit nur von der abgewandten Seite der Allacher Straße zu lesen. Ein anderer Standort kommt allerdings in Absprache mit dem Künstler nicht infrage. „Das Mahnmal fristet trotz aller Bemühungen ein Schattendasein“, stellte CSU-Gemeinderat Stefan Handl in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag fest.
Wir haben als Gemeinde im Landkreis Dachau eine besondere Verantwortung, uns mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen.
Die CSU hatte daher einen Antrag zur Förderung der Erinnerungskultur eingereicht. Konkret soll eine Hinweistafel neben das Todesmarsch-Mahnmal aufgestellt werden. „Wir haben als Gemeinde im Landkreis Dachau eine besondere Verantwortung, uns mit der NS-Zeit auseinanderzusetzen“, erklärte Handl. Besonders würde es ihn daher freuen, wie er sagte, wenn die Gemeinde die Info-Tafel bereits bei der Gedenkfeier am 26. April, dem 80. Jahrestag des Todesmarsches, präsentieren könnte.
Todesmärsche
Mit dem Vorrücken der alliierten Truppen 1945 gab die SS den Befehl zur Evakuierung des KZ Dachau und seiner Außenlager. Mindestens 25 000 Häftlinge wurden abtransportiert oder zu Fußmärschen gezwungen. Auf diesen Todesmärschen starben tausend Gefangene an Schwäche, Unterernährung und Krankheiten. Diejenigen, die nicht die Kraft hatten weiterzugehen, ermordete die SS. Seit 1989 haben die Gemeinden entlang der Routen der Todesmärsche 22 identische „Todesmarsch-Mahnmale“ des Bildhauers Hubertus von Pilgrim aufgestellt.
Zustimmung aus den Fraktionen
Zuspruch bekam der CSU-Antrag vom Bündnis für Karlsfeld und der SPD. Wie wichtig der Antrag sei, machte SPD-Fraktionsvorsitzender Franz Trinkl deutlich: „Wir erleben, dass der Holocaust relativiert wird. Man kann nicht oft genug daran erinnern, was passiert ist.“
Auch Adrian Heim sagte, dass das Bündnis den Antrag unterstützen werde. Allerdings schlug er vor, an dem Info-Text-Vorschlag der CSU noch zu feilen. Und diesen von einem Profi aus der KZ-Gedenkstätte gegenlesen zu lassen. Außerdem regte er an, die Gelegenheit zu nutzen und mit dem Künstler, solange dieser noch am Leben ist, Gespräche zu führen. Vielleicht sei dieser ja doch mit einem anderen Standort einverstanden? Zum Beispiel auf der anderen Straßenseite, in Laufrichtung der damaligen KZ-Häftlinge.
Grünen-Gemeinderätin sauer auf CSU
Cornelia Haberstumpf-Göres von den Grünen befürwortete die Sache ebenfalls, wenn auch angesäuert. Sie sei „irritiert“ von dem CSU-Antrag, sagte sie, schließlich habe sie bereits vor drei Jahren eine E-Mail an den Bürgermeister mit genau jenen Vorschlägen zur Verschönerung des Mahnmals geschrieben, die die CSU nun in einem eigenen Antrag formulierte.
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Der Gemeinderat nahm den Antrag des CSU ohne Gegenstimme an.