Eine Umgestaltung soll mehr Grünflächen und eine neue Straßenführung in die Reichersbeurer Dorfmitte bringen. Diskussionen gab es um das Kriegerdenkmal.
Reichersbeuern – Fast alle Sitze im Saal des „Altwirt“ waren besetzt. Die Punkte auf der Tagesordnung der außerordentlichen Bürgerversammlung schienen reges Interesse bei den Reichersbeurern geweckt zu haben. Es ging um die Dorfgestaltung in der Ortsmitte sowie die Neugestaltung und Sanierung des „Altwirt“.
Antrag auf Dorferneuerung bereits vor 10 Jahren gestellt
Bereits 2015 war ein Antrag auf Dorferneuerung gestellt worden, sagt Bürgermeister Ernst Dieckmann. Neunmal war Entwicklungsplanerin Franziska Burlefinger vor Ort – sie begleitet das Projekt der Dorferneuerung seit Januar 2024. Man sei weit gekommen, stellte sie fest. Dennoch sei nichts „in Stein gemeißelt“.
Der Stand in Sachen „Altwirt“
Erneuert werden soll in Reichersbeuern nicht nur der Ortskern, sondern auch der „Altwirt“, der ab Ende Oktober ohne Wirt dasteht (wir berichteten). Ein Nachfolger sei noch nicht in Sicht, erklärte Bürgermeister Ernst Dieckmann in der Bürgerversammlung. Man suche aber weiter. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb wolle man die Sanierung angehen. Architekt Uwe Mertens berichtete von den ersten Gestaltungsplänen. Ziel sei es, so viel wie möglich zu erhalten. Etwa die Böden, die man abschleifen und neu einlassen wolle. Auch die Kronleuchter sollen bleiben, aber zukünftig an vier Kassettendecken hängen. Man wolle die Möglichkeit von Klapptischen prüfen, auch stapelbare Stühle wären gut, um das Mobiliar besser verstauen zu können. Auch eine Scherenbühne wäre sinnvoll, die vom Keller bis zum Saal über die Bühne zum Speicher führt. Mit Trennwänden im Saal könne man den Raum je nach Bedarf aufteilen. Dazu müssten zwei extra Türen angebracht werden. Gemütlich und offen könnte der Außenbereich mit einem Wintergarten gestaltet werden. „Das wäre sicherlich eine tolle Aufwertung“, sagte Mertens. Die Frage aus dem Publikum, wie hoch die Kosten seien, konnte Dieckmann noch nicht beantworten. Man müsse auch die Förderanträge abwarten. Im Saal zeigte man sich angetan von den Plänen.
Das Ziel sei gewesen, die Ortsmitte offener zu gestalten und eine „Platzsituation zu schaffen, die mehr Aufenthaltsqualität bringt“. Dies wolle man erreichen, indem man die Sachsenkamer Straße „weg vom Wirt schwenkt“. Rund um den „Altwirt“ entstehe so ein „rundes Biergartenplateau“ mit barrierefreier Rampe, mit Grünbereichen samt Spielmöglichkeiten für Kinder. Es werde ein durchgängiger Gehweg mit zwei Metern auf der Nordseite entstehen. Auch ein beidseitiger Gehweg unterhalb der Kirche und der Schule sei geplant, „um den Zugang zur Schule zu verbessern“.
Noch keine neuen Pächter für „Altwirt“ gefunden
Die Sachsenkamer Straße soll eine Breite von 5,50 statt, wie bisher geplant, fünf Metern erhalten. Auch Querungshilfen soll es geben. Einen Fahrbahnteiler vorm Dorfplatz könne man aus Platzgründen nicht realisieren. Man habe versucht, einen Kompromiss zu finden, um damit auch Landwirte mit ihren Geräten zu berücksichtigen, so Burlefinger.
Die Straße am Dorfplatz bleibt, anders als gewünscht, asphaltiert. Eine Sitzstufenanlage, eventuell eine Jugendbank, sowie eine Hängematte und ein Spiel für Jung und Alt laden zum Zusammenkommen ein. Einen für Burlefinger „zunächst ungewöhnlichen Wunsch“, wolle man ebenfalls erfüllen. Nämlich die bestehenden Reichersbeurer Sitzbänke nicht auszutauschen, sondern zu sanieren und wieder aufzustellen. Die Geländer sollen in einem Bronzeton statt in Anthrazit die Ästhetik abrunden.
Diskussion um Kriegerdenkmal
Auch am Kriegerdenkmal habe man fast „nichts verändert“. Flächendeckend bleibe es beinahe erhalten, nur der Zaun werde nach hinten verschoben. „Ich glaube, dass der Kompromiss ein guter ist“, so Burlefinger. Zwei Zuhörer taten kund, dass sie das anders sehen. Vor allem störten sie die Parkplätze vor dem Denkmal auf den Plänen. „Das haben wir vorher nicht gesehen“, hieß es. „Ein Kriegerdenkmal rührt man nicht an.“ Fünf Parkplätze vor dieses „Ehrenmal“ zu stellen, sei eine Schande. Die „Alten“ würden sich „im Grab umdrehen“. Man solle lieber an Bäumen sparen und an deren Stelle Parkplätze bauen. Dafür gab es teilweise Beifall, ein Zuhörer rief „Respekt“. Dieckmann erwiderte, dass die Bürger immer informiert worden seien. Es habe keine Sitzung gegeben, in der man gesagt habe, die Parkplätze sollen dort nicht entstehen. Man habe sich äußerste Mühe gegeben, Rücksicht zu nehmen und dem Denkmal in seiner Bedeutung und Wirkung nichts zu nehmen. Er glaube sogar, dass ein offener Platz, wie er hier entstehen soll, das Gedenken an die Krieger und Soldaten noch mehr in den Fokus rücke und das Denkmal so hinzugewinnen würde. Bis auf die vereinzelten Kritiker applaudierte der gesamte Saal. Der Applaus wurde noch lauter nach der Wortmeldung der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Barbara Landler. Gedenken solle im „Kopf und Herz“ passieren und nicht an Materiellem festgemacht werden.
(Übrigens: Alles aus der Region gibt's jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.)
Ob die Förderung nach Planung oder nach Umsetzung erfolge, fragte ein anderer. Im Bereich der Dorfmitte sei es tatsächlich so, dass zuerst der Freistaat Bayern alle Kosten übernehme und dann den Anteil von der Gemeinde verlange, erwiderte Dieckmann. Auf die Frage, ob es sich beim Baustart verhalte wie bei der Nordspange, betonte der Bürgermeister, man wolle „keine Nordspange“, sondern bis 2027 fertig sein. Ein Zuhörer warf das Thema Bürgerentscheid in den Raum. „Sie können ja gar nicht wissen, was die Mehrheit möchte“, hieß es. Weder Dieckmann noch der Zweite Bürgermeister Andreas Melf zeigte dafür Verständnis. Das Projekt sei von Anfang an „bürgerbeteiligt“, man habe immer wieder dazu aufgerufen, sich an den Arbeitsgruppen zu beteiligen. Man habe alle Planungsfortschritte transparent kommuniziert. „Wir haben Zeit und Hirnschmalz investiert“, so Melf. Immer habe man alle Argumente gehört und versucht, Kompromisse zu machen. „Ich bin der Meinung, dass es gut wird.“ Auch hier gab‘s Applaus.