„Viele warten darauf“: Start für Mobilitätswende - doch Ausschuss bremst bei Tempo 30

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Gerade mal ein halbes Jahr stand von Oktober 2020 bis April 2021 das Tempo-30-Schild an der Seeshaupter Straße. Nun wird die Wiedereinführung eines Tempolimits an Hauptverkehrsstraßen vor sozialen Einrichtungen wie Schulen und Altenheim geprüft. © Wolfgang Schörner

Die Stadt Penzberg strebt an Karlstraße und Seeshaupter Straße vor Schulen und Altenheim eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer an. Die Umsetzung soll nun geprüft werden. Das hat der Bau- und Mobilitätsausschuss beschlossen. An vielen anderen Straßen lehnte eine Mehrheit Tempo 30 jedoch ab.

Der Bau- und Mobilitätsausschuss hat entschieden, erste Punkte aus dem Mobilitätskonzept umzusetzen. Vor vier Wochen war die Diskussion noch vertagt worden (wir berichteten). Das Stadtbauamt hatte dazu mehrere Vorschläge aus dem Katalog ausgewählt, der insgesamt 169 Maßnahmen umfasst. Stadtbaumeister Justus Klement bat, zu möglichst vielen Punkten Ja zu sagen, um die Maßnahmen schnell auf die Straße zu bringen. Ähnlich formulierte es eingangs Sebastian Fügener (Grüne). Er sprach vom Startschuss für die Mobilitätswende. „Viele Mitbürger warten darauf.“ Er bat, Mut zu beweisen.

Die Hauptdiskussion in der Sitzung drehte sich um Tempo 30. Der Ausschuss beschloss einstimmig, es auf Staatsstraßen vor sozialen Einrichtungen wie Schulen und Altenheim, an Schulwegen mit erheblicher Frequenz, vor „schutzbedürftigen Orten“ und deren Lücken bis zu 500 Meter Straßenlänge anzustreben. Dabei geht es vor allem um Karlstraße und Seeshaupter Straße. Die Realisierbarkeit soll bei einer Verkehrsschau mit Polizei, Staatlichem Bauamt und Landratsamt geprüft werden. Jack Eberl (parteilos) und Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) stellten allerdings ein Tempolimit vor dem Alten- und Pflegeheim „Steigenberger Hof“ infrage, weil von dort, wie es hieß, kaum jemand über die Straße geht.

Mehr Raum nahm die Frage ein, an welchen Strecken abseits der Staatsstraßen Tempo 30 eingeführt werden soll. Bürgermeister Korpan sagte, dass in Penzberg schon in 85 Prozent der Fälle Tempo 30 gelte oder verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen seien. Die Beschlüsse im Ausschuss zeigten: Viel wird nicht hinzukommen.

Das Stadtbauamt hatte dem Ausschuss rund 20 Straßen und Streckenabschnitte zur Tempo-30-Entscheidung vorgelegt. Zum Teil meldete es selbst Bedenken an – meist, weil es sich dabei um Busstrecken handelt, in einigen Fällen aber auch, weil der Verkehr in andere Straßen gedrängt werden könnte.

Kein Tempo 30 an Friedrich-Ebert-Straße

Am Ende verständigte sich der Ausschuss auf vier Streckenabschnitte abseits der Staatsstraßen, auf denen eine Tempo-30-Einführung rechtlich geprüft wird. Dabei handelt es sich um die Ludwig-März-Straße und die Sonnenstraße sowie um den Bereich von Philippstraße und Sigmundstraße nahe dem Pfarrhaus. Die Entscheidungen waren unstrittig.

Gegen den Vorschlag des Stadtbauamts votierte eine Mehrheit bei Friedrich-Ebert- und Bürgermeister-Rummer-Straße. Das Bauamt hatte dort Tempo 30 empfohlen, weil die Strecke ohnehin zur „unechten Fahrradstraße“ werden soll, eines von fünf Impulsprojekten aus dem Mobilitätskonzept. Jack Eberl warnte jedoch, dies sei die Route, auf der Feuerwehrleute bei Einsätzen zum Feuerwehrhaus fahren. Martin Janner (PM) vermutete, dass dies auch das Aus für die „unechte Fahrradstraße“ bedeutet, was Stadtbaumeister und Bürgermeister verneinten.

Abgelehnt wurde Tempo 30 auch an der Antdorfer Straße, der südlichen Philippstraße, der Henlestraße und der langen Geraden der Straße „An der Freiheit“, ebenso an der Bichler Straße, der „Grube“, der Fischhaber- und Wankstraße, der Nonnenwaldstraße, der Straße „Nonnenwald“ sowie der Dr.-Gotthilf-Näher-Straße. Die Entscheidungen fielen oft gegen die Stimmen von Martin Janner und Sebastian Fügener, zum Teil wie fürs Industrie- und Gewerbegebiet Nonnenwald auch einstimmig. Separat geprüft werden soll eine Querung an der Nonnenwaldstraße beim Stadion, ebenso, ob Maßnahmen an der Fischhaberstraße bei der Einmündung der Ahlener Straße und beim etwas abschüssigen ersten Teil der Wölfl㈠straße nötig sind.

Piktogramme und Haifischzähne

Bei der ersten Runde zur Umsetzung des Mobilitätskonzepts in Penzberg fällte der Bau- und Mobilitätsausschuss noch weitere Entscheidungen. Einige Vorschläge wurden abgelehnt.

Die Markierung einer Radfurt bei der Einmündung der Stegfilzstraße in die Bichler Straße wurde einstimmig beschlossen.

Gekennzeichnet mit Piktogrammen wird der Radwegübergang auf die Fahrbahn der Dr.-Gotthilf-Näher-Straße auf Höhe des Druckzentrums im Gewerbe- und Industriegebiet Nonnenwald.

Piktogramme auf der Straße Wölfl zur Verdeutlichung des Radverkehrs wurden aus Kostengründen mehrheitlich abgelehnt. Die Kosten wurden auf circa 3500 Euro pro Kilometer geschätzt.

Die Entscheidung über einen Winterdienst auf Radwegen wurde auf Frühjahr 2026 verschoben, wenn grundsätzlich über den Winterdienst diskutiert wird.

Geprüft wird eine Markierung mit „Haifischzähnen“ zur Verdeutlichung der Vorfahrtsregel zum Beispiel an den Einmündungen Alpenstraße/Matthias-Flurl-Straße und Ludwig-März-Straße/Südstraße.

Abgelehnt wurden weitere Gehwege und Querungshilfen im Gewerbegebiet Grube.

Umgesetzt werden sollen der Radweg am alten Bahnbogen und ein Lückenschluss für den Radweg von Maxkron in Richtung Beuerberg – aber nur, wenn Geld da ist. Die Neugestaltung des Bahnhofsareals soll an anderer Stelle besprochen werden.