Mehr Zeit für Phips: Familie startet Spendenaufruf

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Zeit zu zweit: Der achtjährige Philip ist an Krebs erkrankt. Ihre Familie will die alleinerziehende Mutter Claudia finanziell unterstützen. © Privat

Damit sie mehr Zeit mit ihrem schwer kranken Sohn verbringen kann, sammelt Claudia Hemgersbergs Familie Spenden für die alleinerziehende Mutter. Ihr Sohn ist an Krebs erkrankt.

Hausham – Seltene Erkrankungen betreffen in dreiviertel aller Fälle Kinder. Viele dieser Krankheiten sind noch nicht oder sehr wenig erforscht. Darauf macht der Weltkindertag am heutigen Freitag aufmerksam, der jedes Jahr die Rechte von Kindern in den Vordergrund stellt. Zu diesen Rechten zählt auch der Schutz von Gesundheit und Leben. Der achtjährige Philip aus Hausham leidet an einer seltenen Krankheit, die häufig Kinder betrifft. Im Mai bekam er die Diagnose: Philip ist am Ewing-Sarkom erkrankt, einem seltenen bösartigen Tumor, der meist Knochen befällt.

Diagnose Knochenkrebs kam überraschend

Die Diagnose kam überraschend, in der Familie gibt es keine Vorgeschichte mit der Krankheit. Weil der Bub über lange Zeit humpelte, ließ seine Mutter ein MRT machen. Darauf entdeckte der Arzt einen elf Zentimeter großen Tumor an seinem Beckenknochen. Noch im Frühjahr begann der Achtjährige die Chemotherapie in der Kinder-Onkologie der Haunerschen Kinderklinik in München. Insgesamt 14 Therapie-Blöcke muss der Bub hinter sich bringen, fast die Hälfte hat er bereits geschafft.

„Mal hat er sechs Tage Chemo, mal drei, dann ist er wieder zu Hause“, erzählt seine Patentante Andrea Hemgesberg. In letzter Zeit ist Phips, wie ihn seine Familie nennt, auch wegen der Nebenwirkungen wieder öfter im Krankenhaus. Dann ist seine Mutter Claudia Hemgesberg die ganze Zeit bei ihm. „Ich schlafe auch dort“, erzählt die 45-Jährige. Auf der Kinder-Onkologie zu sein, ist auch für sie anstrengend. „Ich schlafe nachts nicht durch, weil alles pfeift.“

Mutter will mehr Zeit mit ihrem Sohn verbringen

Da Philip nicht unter Menschen darf, wird er zu Hause oder in der Kinderklinik unterrichtet. Die Grundschule Hausham hat ihm einen „Schul-Avatar“ besorgt. Durch ihn kann Philip über seinen Computer am Unterricht teilnehmen und sich auch melden. „Die Kinder können den Avatar sogar mit nach Hause nehmen“, erzählt Andrea Hemgesberg. Die Chemotherapie schwächt den sportlichen Buben, er hat viele Haare verloren. „Es gibt seitdem kein Bild mehr, das ihn von vorne zeigt“, erzählt seine Patentante. Diese Entscheidung hat der Achtjährige selbst getroffen.

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Ihre Familie unterstützt die alleinerziehende Mutter, so gut es geht. „Wenn Claudia arbeitet, ist immer jemand von uns bei Phips“, erzählt die ältere Schwester Andrea. Beide arbeiten als Krankenschwestern im Klinikum Agatharied. „Wenn Philip im Krankenhaus ist, bin ich Kind-krankgeschrieben“, erklärt Philips Mutter. Zwar verbringe sie im Krankenhaus viel Zeit mit ihrem Sohn, „das ist aber keine qualitativ schöne Zeit“. Doch wenn sie auch außerhalb mehr Zeit mit Philip verbringen will, kann sie nicht mehr Vollzeit arbeiten – und muss mit finanziellen Einbußen rechnen.

Familie startet online Spendenaufruf

Andrea Hemgesberg hat deshalb einen Spendenaufruf gestartet, um ihre Schwester zu unterstützen. „Wir versuchen auf diesem Wege, ihr Zeit zu verschaffen, dass sie weniger arbeiten muss und mehr Zeit mit Phips hat“, erklärt sie im Spendenaufruf. Sie will die alleinerziehende Mutter finanziell so unterstützen, dass sie sich mehr auf Philips Therapie konzentrieren kann. Die 45-Jährige hatte erst Bedenken. „Ich frage nicht gern um Hilfe.“ Doch sie merkte, wie wichtig ihr und ihrem Sohn die Zeit zu zweit ist – außerhalb des Krankenhauses.

Innerhalb einer Woche kamen für Philips Mutter auf der Plattform gofundme schon über 40 000 Euro zusammen. Über 850 Menschen haben bereits gespendet. „Das hat mich überwältigt. Mir standen Tränen in den Augen“, erzählt die Krankenschwester. Ganz zu Hause bleiben wolle Claudia Hemgesberg aber nicht. „Sie braucht das für den Kopf“, weiß ihre Schwester.

Bis Mai 2025 befindet sich Philip voraussichtlich noch in Therapie. Seine Heilungschancen liegen bei rund 70 Prozent. Doch bevor sein normales Leben mit Fußballspielen und Schulalltag wieder weitergehen kann, muss der Achtjährige erst noch eine Reha machen. (sf)

Unterstützung möglich

Wer finanziell helfen möchte, kann das auf der Plattform www.gofundme.com/f/zeit-mit-phips tun. Wahlweise sind Spenden an Andrea Hemgesberg, Verwendungszweck: Für Phips, DE 11 711 525 70 0012 57 5353 möglich.

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