„High Five! Vielfalt statt Ausgrenzung“ hieß es am Samstag beim mittlerweile fünften Christopher Street Day (CSD) in Schongau. Und wie schon in den Jahren zuvor ging es auch heuer in der Altstadt laut und bunt, aber auch einträchtig zu.
Der fünfte CSD in Schongau bot einen schönen Anlass zum Feiern. Treffpunkt war wie in den Vorjahren auf dem Marienplatz. Veranstaltungsleiter Herbert Haseitl vom Kreisjugendring Weilheim-Schongau hatte beim Demozug – neben der Absicherung des Marsches durch die Polizei – mehrere Ordner eingesetzt. Auch der Peitinger Bürgermeister Peter Ostenrieder hatte sich dazu bereiterklärt. Mit dem Banner mit dem Veranstaltungsmotto vornweg ging es für die Menschenschlange zunächst vom Marienplatz am Rathaus vorbei, an dem die Regenbogenfahne wehte, zur Christophstraße zum Maxtor. Dort ging es hinaus aus der Altstadt zur Bahnhofstraße und kurz danach durch das Münztor zurück zum Marienplatz. Nur wenige nutzten das Angebot, auf Höhe des Landratsamts die kürzere Route ohne Steigungen entlang der Bauerngasse zu gehen, um sich beim Münztor dem Zug wieder anzuschließen.
Im Vergleich zu den Vorjahren war die Beteiligung mit rund 220 Teilnehmern aber um einiges geringer als die letzten beiden Male. Da waren es noch jeweils knapp 300 Teilnehmer.
Band und Redebeiträge auf dem Marienplatz
Auf dem Marienplatz waren anschließend erstmalig alle beisammen. Dort ging es mit Musik der vierköpfigen Band „Pigeons in disguise“, die sich laut Haseitl „extra für den CSD gegründet hat“ und mehreren Redebeiträgen weiter. Den Anfang machte Haseitl selbst. Er erinnerte an den Schongauer CSD 2020. „Seit diesem ersten CSD haben junge queere Menschen im Landkreis begonnen, sich zu zeigen, sich zu vernetzen und sich zu engagieren“, sagte er. Der CSD sei zum Startpunkt für queere Sichtbarkeit „nicht nur hier auf dem Platz, sondern in den Strukturen der Jugendarbeit im ganzen Landkreis“ geworden.
Sichtbar zu sein, heiße aber auch, verletzlich zu sein. Eine Studie zeige, dass fast alle queeren Jugendlichen in Bayern, sei es in der Schule, im Netz oder auf der Straße, Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt erleben, auch in der eigenen Familie. Ganze 68 Prozent hätten ein niedriges psychisches Wohlbefinden und viele würden viel zu oft ohne Unterstützung mit Angst, Depressionen und Suizidgedanken kämpfen. Man dürfe nicht zulassen, dass junge Menschen krank werden, nur weil sie sie selbst sind. Sichtbarkeit wie hier in Schongau, Angebote in Jugendzentren, Gespräche, sichere Räume, sie machten den Unterschied. Der CSD sei kein Festival, er sei „ein Versprechen“ dafür, dass wir „als Gesellschaft wachsen statt auszugrenzen.“
Myki, die E-Gitarristin der Band, wandte sich an die Teilnehmer. Gerne würde sie allen sagen, „dass wir bald all unsere Forderungen erreicht haben“ und niemand aufgrund der eigenen Sexualität, Geschlechtsidentität oder einfach wegen der eigenen Existenz benachteiligt, ausgegrenzt oder bedroht wird, leider sei das aber noch nicht so.
„In der Mitte der Gesellschaft“
Bürgermeister Falk Sluyterman fand es großartig, seinen Peitinger Amtskollegen Peter Ostenrieder begrüßen zu können. Es erfülle ihn mit Stolz, „dass wir heuer zum fünften Male diesen Tag in Schongau ausrichten dürfen.“ In Zeiten wie diesen sei es besonders wichtig, dass man ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung, Intoleranz und Anfeindungen setzt. Das nicht „im stillen Kämmerlein“, sondern „hier in der Mitte unserer historischen Altstadt“. Er sah es als selbstverständlich, dass man an diesem Tag die Regenbogenfahne am Rathaus hisst. Den regenbogenfarbenen Schirm, den er bei einem CSD bekommen habe, bezeichnete er als seinen „Toleranzschirm“.
Für Peter Ostenrieder geht es beim CSD darum, dass die gesetzlich verankerte Gleichberechtigung auch „in den Herzen der Leute ankommen“ müsse. Das sei noch nicht passiert. Er bezeichnete sich „als wandelnde Regenbogenflagge im Rathaus von Peiting“. Weiter sagte er: „Wenn wir schon demonstrieren dafür, dass wir in der Mitte der Gesellschaft sind, dann muss diese Party auch in der Mitte der Stadt Schongau stattfinden, hier am Marienplatz.“ Auch die im Kreistag und Weilheimer Stadtrat wirkende Brigitte Gronau ergriff das Wort. In Bayern sei man eigentlich „Vorreiter in puncto Leben und Leben lassen“. Sie dankte den Verantwortlichen, „dass es möglich war, den CSD in die Mitte der Stadt zu bringen.“
Saphira und Julia von „Quer im Oberland e. V.“ aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen nutzten die Gelegenheit, für den am kommenden Samstag in Murnau stattfindenden ersten CSD im Nachbarlandkreis zu werben.