Gespenstisch lustig: Der Theaterverein Inning begeistert mit „Der Geisterbräu“

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Auf Tuchfühlung mit der Trauergemeinde sind die rund 300 Zuschauer bei der Theateraufführung auf der Inninger Alm. © Raffael Scherer

Die dritten Festspiele auf der Inninger Alm sind wieder ein Publikumserfolg.

Inning – Die Beerdigung wird untermalt von Chopins „Funeral March“. Richtig schön schief hallen die Klänge des Doihama JagaBlechs über das Gelände der Inninger Alm. Die Trauergemeinde steht auf dem Friedhof, um den Wirt des Unterbräus in dem oberbayerischen Städtchen Burgerberg zu begraben. Hautnah stehen die Darsteller bei der Premiere des Freilichttheaters „Der Geisterbräu“ am 300-köpfigen Publikum. So nah, dass bei den Gebeten des Pfarrers (Georg Rosenberger) sogar der eine oder andere Zuschauer mitspricht und sich bekreuzigt.

Diesmal – mit den Kulissen von Friedhof, Wirtshaus und Metzgerei – handelte es sich bereits um die dritten Almfestspiele des Theatervereins Inning am Holz. In Zusammenarbeit mit der Schützengesellschaft Waldperle werden diese alle drei Jahre inszeniert.

Zu der fast realistischen Beerdigung entsteht beinahe schon eine paradoxe Stimmung, als mit ein wenig Abstand Sebastian Kräutler als Kaufmann, Helmut Körbl als Schuster, Norbert Gruber als Kupferschmied und Petra Unterreitmeier als Metzgermeisterin belustigend über den Verstorbenen herziehen.

Geister: Eifrig am umhergeistern auf dem Dachboden: Claudia Knipf und Kurt Unterreitmeier.
Eifrig am Spuken: Claudia Knipf und Kurt Unterreitmeier. © Raffael Scherer

Spätestens als Robert Fenk als stotternder Trauerredner für den Schützenverein auch noch statt des Kranzes seinen Zylinder in das Grab wirft, hat das Theaterensemble das Publikum komplett auf seiner Seite. Kaum sind die Hornklänge verstummt, wechselt die Trauergesellschaft ins Wirtshaus zum Leichenschmaus.

Scharlatane und geldgierige Verehrer

Dort wird schnell klar, dass der Verstorbene ein ordentlicher Weiberheld war und der Witwe, gespielt von Christina Zehetner, mehr Schmach als Vermögen hinterlassen hat. Doch kaum hat die Wirtin ihren Trauerhut abgelegt, schwirren auch schon geldgierige Verehrer um sie herum.

Das langjährige Mitglied Robert Blattenberger spielt gewitzt den Braumeister Sebastian Schöllerer, der es als einziger mit der Liebe zur Wirtin ehrlich meint und das Geschehen kritisch schweigend beobachtet. Um die scheinheiligen Verehrer loszuwerden, schmiedet er mit der Schäferin (Claudia Knipf) einen Plan: Sie soll als Geist des Verstorbenen auf dem Dachboden des Wirtshauses umherspuken und die Scharlatane vergraulen.

Bereits ins Geistergewand gehüllt, hat Knipf die Rechnung jedoch ohne den Totengräber Geistbeck gemacht. Der will sich durchs Umhergeistern ein paar Freibier ergaunern. Als sich die beiden Gruselgestalten überrascht auf dem Dachboden treffen, beschließen sie, gemeinsame Sache zu machen.

Urgestein Kurt Unterreitmeier ext dabei als Totengräber souverän einen Masskrug nach dem anderen und sorgt durch seine bucklige, übertriebene Darstellungsweise in Kombination mit humorvollen Quietschern und fiesem Kichern für ordentlich Erheiterung. „Ich spiele hier schon seit 35 Jahren mit, aber einen Geist hab ich noch nie gespielt“, kommentiert er schelmisch.

Aus Dortmund auf die Inninger Bühne

Zum ersten Mal dabei ist hingegen Darsteller Gerrit Henschke. Der 63-Jährige wollte eigentlich lieber in den Urlaub fahren, als auf der Bühne zu stehen. Doch Regisseur Stefan Voglhuber wollte für die Rolle des verehrenden Gymnasiallehrers unbedingt jemanden, welcher der norddeutschen Sprache mächtig war.

Dafür war der bei Dortmund Geborene eben perfekt geeignet. Also ließ Voglhuber nicht locker: „Und beim zweiten Telefongespräch hat er dann gesagt: Theaterspielen ist wie Urlaub, nur viel, viel schöner“, erinnert sich Henschke lachend. Das überzeugte ihn, sodass er nach dem Auflegen seiner Frau sagte: „Ich bin gerade Schauspieler geworden.“ Seine Bühnenpremiere lieferte der Neuzugang mit Bravour ab und heimste sich durch seine schwülstigen Zitate aus Homers Odyssee so manchen Lacher ein.

Bei bestem Wetter zeigte sich das Darstellerensemble in Topform. Voglhuber hat auch diesmal als Regie eine ordentliche Arbeit geleistet und seine Truppe zu Höchstform auffahren lassen. Das Publikum dankte es dem Verein sprichwörtlich begeistert mit mehrmaligem Szenenapplaus.

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