Dirigenten-Wechsel nach 36 Jahren: Toni Loderer übernimmt Männerchor-Leitung

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

Kommentare

Nach 36 Jahren hat Walter Wölfle den Dirigentenstab an Toni Loderer übergeben. © Christine Wölfle

Seit 112 Jahren gibt es den Männerchor der „Schloßbergler“. Fast ein Drittel der Zeit war Walter Wölfle der Chorleiter. Jetzt übernimmt sein Neffe Toni Loderer.

Schongau - Musik war und ist eine große Leidenschaft von Walter Wölfle. Nicht nur das Singen, sondern auch das Musizieren. Im Jahr 1976 fing er beim Männerchor an, damals unter der Leitung von Matthäus Haseitl. Gleichzeitig war er zu dieser Zeit fester Bestandteil der Stadtkapelle Schongau: An der Klarinette, am Saxophon, als Sänger und Moderator und nicht zuletzt als zweiter Dirigent. „Da war ich quasi vorbelastet“, sagt er und lacht.

Lange musste er also nicht überlegen, als die Bitte des Trachtenvereins „Schloßbergler“ Schongau, das Amt des Männerchor-Dirigenten zu übernehmen, an ihn herangetragen wurde. Zumal er schon sechs Jahre lang Haseitls Stellvertreter war. Im Gepäck hatte er damals: Einen abgeschlossenen Dirigentenkurs, ein feines musikalisches Gehör und das nötige Fachwissen, wie man die Noten passend für einen vierstimmigen Chor umschreibt und arrangiert.

Ein Gruppenfoto aus der Anfangszeit der Dirigentschaft von Walter Wölfle
Ein Foto aus der Anfangszeit der Dirigentschaft von Walter Wölfle (stehend ganz rechts). Vier Sängerkameraden sind bis heute dabei: Michael Bader (links neben Wölfle), Markus Wühr und Ralf Fahnenschmidt (sitzend 4. und 5. v.re.), Eduard Fahnenschmidt (mittlere Reihe 5.v.li.), und bis vor Kurzem auch Hermann Wölfle (mittlere Reihe 3.v.li.). © Christine Wölfle

Feines Näschen bei der Liedauswahl

Ein feines Näschen hatte er auch immer bei der Auswahl der Lieder: Bayerisches, deutsches und Jagd-Liedgut wurde ebenso einstudiert, wie Konzertstücke, Lieder aktueller Mundartinterpreten und Gassenhauer aus Oper und Operette. Aus diesem reichen Repertoire schöpft der Chor bis heute. Und macht ihn zu einem beliebten Partner für Konzerte. Strahlende Augen bekommt Wölfle noch heute, wenn er an die Gemeinschaftskonzerte zusammen mit der Stadtkapelle denkt. Vor allem an das große Jubiläumskonzert zum 100-Jährigen 2013, an dem, neben der Stadtkapelle unter der Leitung von Marcus Graf, auch befreundete Chöre mitgewirkt haben.

Und auch die Ausflüge mit seinen Sängerkameraden bleiben ihm in guter Erinnerung, denn eines ist ihm ganz wichtig: die Kameradschaft. „Wir waren und sind immer eine super Truppe, die toll zusammenpasst.“ Dennoch ist für ihn jetzt Schluss. Zumindest in der ersten Reihe. Denn auch wenn er nicht mehr als Dirigent vor dem Chor steht, so bleibt er ihm dennoch erhalten – im Register des zweiten Tenors. „Es ist wirklich ein großes Glück, dass ein Sängerkamerad aus den eigenen Reihen meinen Posten übernimmt“, freut er sich über seinen Nachfolger.

Toni Loderer seit 20 Jahren im Chor

Dieser ist kein Unbekannter: Seit 20 Jahren singt Toni Loderer bereits im Chor, war einige Jahre zweiter Chorleiter, und hat in dieser Funktion in den letzten Jahren das Einsingen vor jeder Probe übernommen. Denn Stimmbänder wollen vor dem Singen genauso aufgewärmt werden, wie der Körper vor dem Sport. Seine Vita ist eine ähnliche, wie die seines Onkels: Aktiv bei der Stadtkapelle Schongau als Trompeter und Flügelhornist, hat er dort schon einige Auftritte der kleinen Besetzung geleitet und hin und wieder die Jugendkapelle dirigiert.

Hat er ein bisschen Bammel davor, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten? „Eigentlich nicht“, sagt er selbstbewusst und lacht. Denn er kennt die aktuell 27-köpfige Truppe, hat bereits einige Erfahrung in anderen Chören gesammelt, und kann zu Hause auf professionelle Unterstützung zählen. Seine Frau Anna-Lena ist eine studierte Ensemble- und Chorleiterin. „Zusammen haben wir uns schon in Noten-Schreibprogramme reingefuchst. Und das arrangieren von Stücken habe ich mir von Marcus Graf abgeschaut“, verrät der 37-Jährige. Doch das Wichtigste für ihn ist, dass das Singen seinen Kameraden weiterhin Spaß macht. „Ich finde es total cool, wie sich die Sänger auf meine Proben einlassen und meine neuen Ideen gleich umsetzen. Das hat meine Erwartungen ehrlich gesagt übertroffen.“

Von uralt bis Schlager

Dabei will er das Rad nicht neu erfinden, nur hin und wieder neue Akzente setzen. Auch das Repertoire des Liedguts soll so bleiben, wie es ist. Von uralt bis Schlager, am liebsten in bayerischer Sprache. „Lieder von Ed Sheeran wird es von uns auch in Zukunft nicht geben“, meint er mit einem Augenzwinkern. Dafür aber ein ganz neues Stück, passend zum Starkbierfest des Trachtenvereins am 5. April, das er mit „seinen“ 27 Sängern derzeit einstudiert.

Wer beim Männerchor der „Schloßbergler“ einmal unverbindlich reinschnuppern möchte, kann das jeden Dienstag um 20 Uhr bei der Singprobe im Trachtenheim auf dem Helgoland.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/schongau/schongau-ort29421/schongau-dirigent-maennerchor-schlossbergler-wechsel-93577178.html