Die neue Generation des Mercedes CLA steht für Innovation und erntet Lorbeeren im Bereich Sicherheit. Jedoch trüben mehrere Rückrufe das Bild des Erfolgsmodells.
Stuttgart/München – Kaum ein Modell hat in jüngster Vergangenheit so hohe Erwartungen geweckt wie die dritte Generation des Mercedes CLA. Die stromlinienförmige Neuheit steht sinnbildlich für die Zukunftsstrategie des Traditionsherstellers: Reichweite, Digitalisierung und Design auf höchstem Niveau sollen dafür sorgen, dass das Premiumgefährt hohe Absatzzahlen erreicht.
Nicht zufällig wurde der CLA bereits mit dem „Goldenen Lenkrad“ ausgezeichnet und ist für Mercedes-Benz ein zentrales Zugpferd der Produktoffensive. Doch auf dem Weg zum Erfolg geraten auch Hightech-Modelle ins Straucheln: Aktuell muss sich der kriselnde Hersteller Mercedes mit einer Häufung von Rückrufen beschäftigen, die vor allem Fahrzeuge aus den ersten Produktionsmonaten betreffen. Die Probleme treffen auf hohe Standards im Bereich Sicherheit – der Hersteller erklärt, wie das zusammenpasst.
Mercedes CLA mit mehreren Rückrufen: „Kinderkrankheiten“ trüben das Bild
Mit dem 2025 erschienenen Mercedes CLA will der Konzern teils verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Die digitalen Kontrollsysteme ermöglichen es laut Hersteller, selbst kleinste Abweichungen frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Doch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) meldete jüngst mehrere Rückrufe für dieses Modell. Diese reichen von Brand- und Stromschlaggefahr über Probleme mit Gurten den Window-Airbags bis hin zu fehlerhaften Assistenzsystemen.
Zwar betrifft die Rückrufserie bislang nur einen kleinen Prozentsatz der bisher ausgelieferten Fahrzeuge – meist dreistellige Stückzahlen. Für die vom Rückruf betroffenen Kunden heißt es dennoch: Ab in die Werkstatt. Mercedes verspricht, die Unannehmlichkeiten möglichst gering zu halten und betont auf Nachfrage der Autobild das hohe Niveau der eigenen Qualitätskontrolle. Bislang seien laut KBA keine Sach- oder Personenschäden bekannt.
Sicherheit: Mercedes CLA als überragender Klassenprimus
Neben den Schlagzeilen zu Rückrufen gibt es für den Mercedes CLA aber auch positive Nachrichten: Im renommierten Euro-NCAP-Sicherheitstest erreichte das Kompaktmodell herausragende Ergebnisse und stellt damit die Konkurrenz in den Schatten. So wird der CLA klassenübergreifend als sicherstes Auto Deutschlands 2025 geführt und erhielt sowohl beim Schutz von Erwachsenen (94 Prozent) als auch von Kindern (89 Prozent) Spitzenbewertungen.
Auch bei den weiteren der insgesamt vier Kriterien konnte der Mercedes CLA überzeugen. So vergaben die Tester 93 Prozent beim Fußgängerschutz und 85 Prozent für die Assistenzsysteme – Werte, die kaum zu toppen sind. Die Tester unterstreichen derweil, dass alle Klassenbesten 2025 vollelektrisch angetrieben sind.
Euro-NCAP-Regelwerk: Sicherheitsergebnisse im Wandel
Ein wichtiger Hinweis betrifft die Bewertungsgrundlage der aktuellen Bestnoten: Ergebnisse aus dem Jahr 2025 sind grundsätzlich mit Vorsicht zu betrachten. Denn die Hersteller, darunter auch Mercedes-Benz, konnten ihre Traumnoten noch nach alten Regularien erzielen – ab 2026 gelten im Euro-NCAP-Test verschärfte Kriterien. Damit wird das Sicherheitsniveau neu definiert, auch im Hinblick auf Gefahren durch Ablenkung. Viele Autos, selbst Spitzenreiter wie der Mercedes CLA, würden nach dem heutigen Bewertungsmaßstab andere Noten erhalten – und zwar schlechtere.
Mercedes-Technik: Innovationsführer mit „fortschrittlicher Überwachung“
Technisch setzt der Mercedes CLA klare Akzente: Die neue Plattform erlaubt sowohl Elektro- als auch Mildhybridvarianten und ist auf höchste Effizienz im Stadt- und Langstreckenbetrieb ausgelegt. Modernste Assistenzsysteme, innovative Rekuperationskonzepte und ein digitalisiertes Cockpit mit KI-Unterstützung sind Indizien technischer Innovation.
Diese Vielzahl an Features birgt allerdings Risiken. „Durch die fortschrittliche digitale Überwachung können wir selbst kleinste Abweichungen früh erkennen und beheben“,” erklärt Mercedes weiter. Hightech allein schützt eben nicht vor Rückrufproblemen, sondern forciert diese umso mehr. Gerade im Wettbewerb um das „Auto der Zukunft” wird der hochgelobte CLA zu einem Prüfstein für die Innovationsfähigkeit deutscher Automobilkunst.
Mercedes CLA mit Problemen: Qualitätskontrolle als Markenzeichen
Mercedes gibt sich bei der Behebung der Probleme betont handlungsfähig: Die Rückruf-Aktionen erfolgen transparent und frühzeitig. Betroffene Kunden werden individuell informiert, lange Werkstattaufenthalte sollen die Ausnahme bleiben. Die Stuttgarter betonen, wie wichtig ihnen Qualität und Kundenzufriedenheit sind. „Wir halten uns an die höchsten Standards – unabhängig davon, ob ein Rückruf ein Fahrzeug oder viele Fahrzeuge betrifft,” so der Sprecher.
Dennoch bleibt der Imageschaden nicht ganz aus. Wer viel Technik bietet, riskiert mehr Fehlerquellen und Reparaturbedarf. Für Mercedes-Benz bedeutet das: Jedes Problem am CLA ist auch ein Weckruf, Prozesse weiter zu verbessern und die Position als einer der Technologieführer glaubhaft zu sichern. (Quellen: Autobild, Mercedes-Benz, Euro-NCAP)