Blind durch den Straßenverkehr: Gefährliche Funktion in fast allen neuen Autos

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Neue Studien werfen ein kritisches Licht auf den Trend zu digitalen Bedienelementen im Auto. Ab 2026 gibt es deshalb neue Vorschriften, um Gefahren zu mindern.

Berlin – In den letzten Jahren haben Touchscreens in Autos einen regelrechten Siegeszug angetreten. Was mit dem Tesla Model S begann, ist heute in fast jedem Neuwagen Standard: große, futuristische Bildschirme, die von der Klimaanlage bis zur Navigationssoftware alles steuern. Doch während die Automobilindustrie auf den vermeintlichen Fortschritt setzt, häufen sich die Bedenken: Sind diese digitalen Bedienelemente tatsächlich sicher für den Straßenverkehr?

Blick ins Cockpit des Honda Civic
Ein Touchscreen-Monitor für Navi, Entertainment und diverse Apps ist mittlerweile gängig in den meisten Neuwagen wie hier im Honda Civic. © HOnda

Wie The Economist berichtet, zeichnen mehrere aktuelle Studien ein beunruhigendes Bild. Eine Untersuchung des schwedischen Automagazins Vi Bilagare aus dem Jahr 2022 verglich die Bedienung von Touchscreens mit herkömmlichen Knöpfen während der Fahrt. Das Ergebnis: Bei einer Geschwindigkeit von 110 km/h benötigten Fahrer in Autos mit Touchscreens deutlich länger für einfache Aufgaben wie das Wechseln des Radiosenders oder das Einstellen der Temperatur. In extremen Fällen legte das Fahrzeug dabei bis zu 1,4 Kilometer zurück – eine erhebliche Strecke, in der der Fahrer abgelenkt war. Touchscreens sind zudem für sehbehinderte Menschen ein großes Hindernis.

Neue Vorschriften ab 2026 nach alarmierenden Ergebnissen

Noch detaillierter untersuchte eine norwegische Studie der Forschungsorganisation SINTEF im Jahr 2024 die Ablenkung durch Touchscreens. Mithilfe von Blickverfolgungskameras wurde gemessen, wie lange Fahrer ihren Blick von der Straße abwenden mussten. Viele Autofahrer lehnen auch zunehmend Assistenzsysteme ab. Selbst für eine so simple Aufgabe wie das Ändern der Temperatur waren es durchschnittlich 3,5 Sekunden. Bei komplexeren Aufgaben wie der Eingabe einer neuen Adresse ins Navigationssystem stieg die Zeit sogar auf 16 Sekunden an. Auch der ADAC testete, wie stark die zunehmende Anzahl an Bedienelementen Autofahrer vom Straßenverkehr ablenken – mit alarmierenden Ergebnissen.

Das Europäische Neuwagenbewertungsprogramm Euro NCAP, bekannt für seine Crashtests und Sicherheitsbewertungen, hat auf diese Erkenntnisse reagiert. Ab Januar 2026 werden neue Richtlinien in Kraft treten: Für eine Fünf-Sterne-Bewertung müssen bestimmte kritische Funktionen wie Blinker oder Scheibenwischer weiterhin über physische Schalter bedienbar sein.

Auch einige Automobilhersteller reagieren bereits auf die Kritik. Volkswagen, Hyundai und Porsche gehören zu den Marken, die in ihren neuesten Modellen wieder vermehrt auf physische Tasten setzen. Während die Debatte um Touchscreens anhält, zeichnet sich bereits der nächste Trend ab: Sprachsteuerung. Viele Hersteller sehen darin eine mögliche Lösung, um sowohl den Komfort als auch die Sicherheit zu verbessern.

Für deutsche Autofahrer bedeutet dies vorerst: Vorsicht und Aufmerksamkeit bleiben oberstes Gebot, unabhängig von der Technologie im Fahrzeug. Auch im Alter müssen Autofahrer wegen vermindertem Hör- und Sehvermögen besonders achtsam sein und sollten sich sowie andere Verkehrsteilnehmer keinen Gefahren aussetzen. Der ADAC empfiehlt: Das sind die besten Autos für Senioren. (Quellen: economist.com, adac.de) (diase)

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/verbraucher/gefahr-im-strassenverkehr-tool-hat-jedes-neue-auto-hersteller-reagieren-93959694.html