Merz Renten-Pläne im Kreuzfeuer – „teures Steuergeschenk für gut situierte Boomer“

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Rentner sollen künftig bis zu 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen können. Doch die Aktivrente erntet scharfe Kritik von Experten. Die Kosten sind enorm.

München – Die geplante Aktivrente der schwarz-roten Koalition sorgt für kontroverse Diskussionen. Während CDU, CSU und SPD das Vorhaben als wichtigen Baustein gegen den Fachkräftemangel bewirbt, hagelt es scharfe Kritik von Sozialverbänden. Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, bezeichnete die Renten-Pläne der Merz-Regierung gegenüber Welt am Sonntag als „sehr teures Steuergeschenk für gut situierte Boomer“ und „unglaublich ungerecht“.

Mit der geplanten Aktivrente will die Merz-Regierung Rentner dazu bewegen, länger zu arbeiten. Aus Sicht der Caritas-Präsidentin ist das keine gute Idee. (Montage) © Wolfilser/dts Nachrichtenagentur/Imago

Nach den Plänen der Bundesregierung sollen Rentner ab dem 1. Januar 2026 bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei zu ihrer Rente hinzuverdienen können. Kanzler Friedrich Merz verkündete die Einigung zwischen Union und SPD Mitte September auf dem Maschinenbaugipfel des VDMA in Berlin, wie der unter anderem Spiegel berichtete. Das Vorhaben ist Teil des Koalitionsvertrags und soll einen Anreiz schaffen, damit Arbeitnehmer über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus arbeiten.

Aktivrente kommt 2026: Das sehen die Renten-Pläne von Merz vor

Das Kernstück der Aktivrente ist die großzügige Steuerbefreiung. Diese Regelung gilt also zusätzlich zur regulären Rente und stellt keine staatliche Zusatzzahlung dar, sondern eine steuerliche Entlastung auf das eigene Erwerbseinkommen. Ein Missverständnis hatte dahingehend zuvor für Verwirrung gesorgt. Abgezogen werden nur Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Die Aktivrente richtet sich ausschließlich an Personen, die bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben. Diese liegt derzeit bei 66 Jahren und zwei Monaten und steigt schrittweise auf 67 Jahre für die Jahrgänge 1963 und jünger an. Die Pläne der Merz-Regierung treffen auf eine Bevölkerung, die ohnehin schon aus Sorge vor Altersarmut plant, über den Ruhestand hinaus erwerbstätig zu bleiben. Laut einer Umfrage sind mehr als die Hälfte (54,3 Prozent) bereit, länger zu arbeiten.

Renten-Pläne bedeuten Steuerverlust von drei Milliarden Euro jährlich

Die finanziellen Auswirkungen der Aktivrente sind beträchtlich. Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa bezifferte die Kosten auf etwa drei Milliarden Euro jährlich. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt die Steuermindereinnahmen ähnlich hoch: „Durch die Aktivrente wird der deutsche Staat voraussichtlich auf Steuereinnahmen in Höhe von mindestens 2,8 Milliarden Euro jährlich verzichten müssten – die erhoffte positive Arbeitsmarktwirkung ist dagegen äußerst ungewiss.“

Weiter heißt es in dem IW-Bericht: „Viele ältere Menschen arbeiten vor allem, weil sie aktiv sein und soziale Kontakte bewahren wollen – und nicht aus finanziellen Gründen.“ Wenn sich daran in Zukunft nichts ändere, hätte die geplante Aktivrente lediglich einen teuren Maßnahmeneffekt. „Bundesregierung pokert bei der Aktivrente hoch“, schlussfolgern die IW-Experten.

Caritas-Präsidentin fordert, Renten-Debatte „nicht weiter anzuheizen“

Kritik kommt auch von Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD). Er sieht in der Aktivrente eine klare Diskriminierung Selbstständiger, die sowieso oft über die Regelaltersgrenze hinaus arbeiten würden. Am Ende profitieren nur Angestellte, die das Renteneintrittsalter erreicht haben – ebenso für Welskop-Deffaa ein Kritikpunkt: „Eine Pflegekraft hingegen, die mit drei Kindern ihre Stelle etwas aufstockt, wenn die Kinder in der Tagesbetreuung gut versorgt sind, muss jeden zusätzlichen Euro voll versteuern. Das kann nicht richtig sein.“

Die Caritas-Präsidentin mahnte die Merz-Regierung, die „sehr emotional geführte Debatte nicht weiter anzuheizen“. Der Sozialstaat sei zu wertvoll, um in der Diskussion unter die Räder zu kommen – „zumal die Opposition nur darauf lauert, Bruchstellen auszunutzen“. Die demografischen Kipppunkte rückten unübersehbar näher. Deswegen brauche man jetzt Antworten, die „nur im Miteinander der Generationen gelingen“ könnten. Als Politiker solle man daher „vorsichtig sein mit Ankündigungen und Beschimpfungen“. (Quellen: Institut der deutschen Wirtschaft, Spiegel, Welt am Sonntag) (cln)

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