Nach 60 Jahren: Die Rückkehr der verschollenen Schützenscheibe

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Mit der 74 Jahre alten Schützenscheibe in den Händen: Martin Haut (links), Sohn des ehemaligen Scheibenspenders, und Franz Neumüller (rechts), Sohn des ehemaligen Scheibengewinners, konnten es kaum glauben, dass die Scheibe wieder aufgetaucht ist. © ost

Eine vor 60 Jahren in Wagenried verschwundene Schützenscheibe ist wieder aufgetaucht: bei einem Flohmarkthändler in Deggendorf. Nun hat sie einen Ehrenplatz.

Arnzell – Eine vor 60 Jahren verschwundene Schützenscheibe ist wie durch ein Wunder wieder aufgetaucht. Das geschah folgendermaßen:

Als vor 60 Jahren die damalige Gastwirtschaft Niedermeier in Wagenried für immer ihre Pforten geschlossen hatte, verlegte der Schützenverein Wagenried seine Herberge ins Gasthaus Wackerl nach Arnzell. Seitdem nennt sich der Verein „Schützenlust“ Wagenried-Arnzell. Die alten Schützenscheiben verblieben damals, bis auf weiteres, im Wagenrieder Wirtshaus.

Als man anfangs der 80er-Jahre anlässlich der Fahnenweihe 1984 diese geschichtsträchtigen Scheiben abholen wollte, stellte man mit Bedauern fest, dass keine dieser Scheiben mehr vorhanden war. Nun, nach über 40 Jahren, kam Brauereibesitzer Willi Wiedemann vom Kapplerbräu aus Altomünster, zu einem Flohmarkt in Pfaffenhofen/Ilm. Dort fielen ihm zufällig Namen auf einer Schützenscheibe von 1951 auf, die ihm bekannt vorkamen. „Gegeben von Vorstand Martin Haut - gewonnen von Franz Neumüller“ ist auf dieser Scheibe zu lesen.

Söhne des Scheibenspenders und -gewinners nehmen sie in Empfang

Beide sind längst verstorben. Wiedemann fotografierte die Scheibe und schickte das Foto, versehen mit einer Visitenkarte des Flohmarkthändlers aus Deggendorf, über die Arnzeller Gastwirtsfamilie Wackerl an Franz Neumüller. Schnell stellte sich heraus, dass dies die Väter des ehemaligen Viehhändlers Martin Haut aus Wagenried und des langjährigen Schützenmeisters Franz Neumüller aus Arnzell waren.

Es ist fast unglaublich, dass es auf solchen Umwegen gelang, nach so vielen Jahren, diese Schützenscheibe noch zu bekommen.

Neumüller nahm Kontakt mit dem Händler auf, und beim folgenden Flohmarkt in Pfaffenhofen konnte dieses Unikat wieder zurück den Weg in die Heimat finden. „Es ist fast unglaublich, dass es auf solchen Umwegen gelang, nach so vielen Jahren diese Scheibe noch zu bekommen“, sagte Franz Neumüller, der im Landkreis durch seine langjährige Tätigkeit als ehemaliger Gauschatzmeister im Schützengau Dachau sehr bekannt ist und sich für 25 Euro die Scheibe mit einem Keilerkopf drauf zurückgeholt hat.

Stationen der Scheibe nicht mehr nachvollziehbar

„Aber wer diese Scheibe einst verscheppert hat, lässt sich halt leider nicht mehr feststellen“, fährt Neumüller fort. Nicht mehr feststellen lässt sich auch, ob das geschichtsträchtige Stück anlässlich des Endschießens 1951 verliehen wurde oder ob es die Königsscheibe von Neumüllers Vater war. „Ich weiß nur, dass 1951 mein Vater auch Schützenkönig war“, so Franz Neumüller.

Die Scheibe hat auf jeden Fall nun wieder einen Ehrenplatz im Gasthaus Wackerl in Arnzell. Martin Haut, Sohn des damaligen Scheibenspenders, und Franz Neumüller, der Sohn des Scheibengewinners von 1951, freuten sich riesig, dieses historische Zeitzeugnis der Vereinsgeschichte wieder in den Händen halten zu können.
von JOSEF OSTERMAIR

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