Bei Familie Nußrainer in Katterloh hat Hightech Einzug in den Kuhstall gehalten
Auf dem Hof von Familie Nußrainer hat jede Kuh nicht nur einen Namen und eine Ohrmarke, sondern auch eine ganz besondere Halskette. Darin steckt jede Menge Technik, denn mithilfe der daran befestigten Transponder können die Kühe eigenständig zum Melken gehen. Und das ist nicht das einzige elektronische Helferlein im Kuhstall.
Aber Hightech und Kuhstall – passt das denn überhaupt zusammen? „Sehr gut sogar“, meint Hubert Nußrainer (44), der mit seiner Frau Maria (42) vor 15 Jahren die Landwirtschaft in Katterloh, einem kleinen Weiler in der Gemeinde Pastetten, von seinen Eltern übernommen hat. Zur Familie gehören auch die Kinder Magdalena (19), Anton (16) und Andreas (15). Die Vollerwerbslandwirte betreiben Ackerbau und bewirtschaften Grünland auf 55 Hektar. Angebaut werden Gerste, Weizen und Mais als Futter für die rund 80 Milchkühe mit Nachzucht.
Der Ventilator ist wärmegesteuert
15 bis 20 Kälber sind es in der Regel, das jüngste Kälbchen ist beim Besuch der Heimatzeitung gerade einen Tag alt. Maria Nußrainer, gelernte Metzgereiverkäuferin, kümmert sich vor allem um den tierischen Nachwuchs – sie ist die „Kälbermanagerin“, wie ihr Ehemann liebevoll sagt.
2015 haben die Nußrainer einen neuen Laufstall gebaut – mit mehr Luft, Licht und Platz. Mit dem neuen Laufstall ist auch die Technik auf dem Hof eingezogen – Melkroboter. „Die Kühe sind alle sechs Stunden melkberechtigt“, erklärt Maria Nußrainer. Sie können zu jeder Tages- und Nachtzeit, an 365 Tagen im Jahr selbstständig zum Melken gehen.
Nachfolger steht in den Startlöchern
Vor einem Tor stehen die Tiere an – „das ist unser Wartezimmer“, meint die 42-Jährige lachend. Je nachdem, ob die Kuh melkberechtigt ist oder nicht, gibt das Tor via Transponder den Weg frei in den Melkstand oder zu den Liegeplätzen. Die meisten Kühe gehen dreimal am Tag zum Melken. „Weil der Druck im Euter dadurch geringer ist, ist das auch sehr gut für die Gesundheit“, erklärt Landwirtschaftsmeister Hubert Nußrainer, der jede seiner Kühe mit Namen kennt.
Überwachen kann er alles Smartphone oder Computer, sie sind zu festen Bestandteilen der Arbeit geworden. Dank moderner Sensorik lässt sich außerdem feststellen, ob den Kühen etwas fehlt oder wie viel sie sich bewegt haben. Um deren Gesundheit noch besser zu überwachen, setzen die Nußrainers seit einigen Jahren zudem auf ein besonderes Monitoring – und zwar von innen.
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Ein sogenannter Bolus, ein etwa zehn Zentimeter langes Gerät, liefert Daten direkt aus dem Kuhmagen, wo er bis zur Schlachtung verbleibt. Gemessen werden Temperatur, Bewegungs- und Wiederkauaktivität sowie Wasseraufnahme. Damit bekommt der Bauer Informationen nicht nur zum Gesundheitszustand, sondern auch zu Trinkverhalten, Brunst- und Abkalbezeitpunkt.
Besteht Handlungsbedarf, gibt's eine Push-Nachricht aufs Handy. „So erkennen wir sehr früh, wenn eine Kuh zum Beispiel eine Entzündung hat, und können viel schneller reagieren“, sagt Hubert Nußrainer. „Die Technik ist eine große Unterstützung und Entlastung.“
Und für noch mehr Komfort im Kuhstall sorgt seit rund einem Jahr ein riesiger Ventilator. Klettert die Temperatur auf 19 Grad, springt er automatisch an. „Der Ventilator ist wärmegesteuert und steigert sich je nach Temperatur“, erklärt Hubert Nußrainer: Die Luft kann besser zirkulieren.
Wir sind Bauern, keine Büroangestellten.
Unterstützung bekommt das Ehepaar bei der Arbeit auch von seinen drei Kindern. So sind sogar Urlaube möglich, denn der Nachwuchs schmeißt den Laden inzwischen schon mal allein. „Sie helfen alle sehr fleißig mit“, sagt die stolze Mama, die sich freut, dass mit Sohn Anton die nächste Generation in den Startlöchern steht. Der 16-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zum Maurer, will danach auf die Landwirtschaftsschule gehen und dann seinen Meister machen.
Dass er mal Bauer wird, steht seit Kindesbeinen fest: „Schon mit neun Monaten wollte er auf dem Bulldog mitfahren“, erzählt seine Mama. Und die große Schwester Magdalena ergänzt: „Es war schon immer klar, dass Anton den Betrieb mal übernimmt.“ Die 19-Jährige selbst hat sich für den Beruf der Kinderpflegerin entschieden, und der 15-jährige Andreas startet im September erst einmal in sein Abschlussjahr an der Mittelschule Forstern.
Regelmäßig lädt die Familie auch Gäste auf ihren Bauernhof ein: Eine Gruppe der Betreuungseinrichtung Lichtblick Hasenbergl, Ferienprogrammkinder aus Oberding, Kindergartenkinder aus Klettham, Grundschüler aus Pastetten – sie alle durften schon hinter die Kulissen des Bauernhofs blicken. „Auch die Eltern haben dann eine Hofführung bekommen und waren begeistert. Gerade der Melkroboter, sowas ist auch für die Erwachsenen spannend“, erzählt Magdalena Nußrainer.
Wunsch nach mehr Anerkennung
Die Familie findet es gut, wenn insbesondere Kindergruppen einen Bauernhof besuchen. „Wir zeigen ihnen, dass die Kühe nicht lila sind“, meint Maria Nußrainer mit einem Augenzwinkern, aber durchaus ernstem Hintergrund. Denn viele Menschen hätten den Bezug dazu verloren, wo ihre Lebensmittel herkommen – nicht aus dem Supermarkt, sondern von Höfen, die Landwirte 365 Tage im Jahr bewirtschaften.
Die 42-Jährige würde sich von den Verbrauchern allgemein mehr Anerkennung und Verständnis für ihre Berufsstand wünschen, „und dass wir Landwirte nicht immer die Buhmänner für alles sind, was schiefläuft“.
Anstelle auf regionale und saisonale Lebensmittel zu setzen, kaufen viele auch im Winter Erdbeeren und Spargel, die um die halbe Welt geflogen wurden. „Da spricht keiner über die CO2-Bilanz, aber wenn ein Bauer fünf Kühe mehr hat, wird geschimpft.“
Und gibt es auch Wünsche an die Politik? „Weniger Bürokratie. Viel weniger Bürokratie“, sagt Maria Nußrainer. „Die Büroarbeit nimmt überhand, alles muss dokumentiert werden. Wir sind Bauern, keine Büroangestellten“, ergänzt ihr Mann.
Landwirtschaft im Wandel
In unserer Serie stellen wir Landwirte und deren Höfe vor und lassen sie berichten, wie sie ihre Existenz sichern, sei es mit einem zweiten Standbein, einer Umstellung oder Modernisierung.