Eigenen Strom erzeugen: Mehr Bürgerkraftwerke in Landsberg?

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landsberg

KommentareDrucken

Als noch alles in Ordnung war: Noch vor vier Jahren stand der Weiterbetrieb der Solaranlage des 1. Landsberger Bürgerkraftwerks auf dem Dach der Beruflichen Schulen nicht in Frage. © Robert Klinger

Die Beruflichen Schulen Landsberg werden saniert – ein alter Hut. Was vielen neu sein dürfte: Auf deren Dach befinden sich die Solarmodule des ersten Landsberger Bürgerkraftwerks: Vor 18 Jahren ging es dort an den Start. Ob und, wenn ja, wie es mit der Anlage weitergeht, ist ungewiss.

Landsberg – Dass der weitere Betrieb der Solaranlage überhaupt in Frage steht, liegt nicht an dessen Leistung. Obwohl durch die Sanierungsarbeiten an der Berufsschule ein Teil der Anlage in letzter Zeit keine Sonne abbekommen hat, liegt „der spezifische Jahresertrag 2023 noch bei 971 Kilowattstunden pro Kilowattpeak“, ist im Protokoll der Gesellschafterversammlung von Ende Juni zu lesen. Bei einer neuen Anlage wären es rund 1.000 kWh/kWp. Die Gesellschaft gründete sich 2005 mit Sitz in Unterdießen als „1. Bürgerkraftwerk Landsberger Land GbR“. Die Dachfläche pachtete sie vom Landkreis, der Betrieb der Anlage liegt komplett bei der GbR.

1. Landsberger Bürgerkraftwerk vor dem Aus: Einspeisevergütung zu niedrig

Nicht nur leistungsmäßig, auch sonst ist bei der Anlage alles in Schuss: Bisher habe man nur zwei der 15 Wechselrichter ersetzen müssen, informiert Geschäftsführer Gerald Duda-Seelos. Das Fazit der Gesellschafter: „Die gesamte Anlage ist also auch nach 18 Betriebsjahren technisch und betriebswirtschaftlich noch voll in Ordnung.“

Trotzdem wurde jetzt mit 17 gegen eine Stimme beschlossen, den Pachtvertrag mit dem Landkreis zu beenden und sich darum zu bemühen, dass der Landkreis die Anlage Ende 2026 übernimmt. Den Strom könne dann die Berufsschule zum Eigenbedarf nutzen, den Überschuss ins Netz einspeisen. Den Rückbau der Anlage will die GbR nach Möglichkeit verhindern. Auch Duda-Seelos findet den Weiterbetrieb der Anlage wichtig. Es wäre „pädagogisch und betriebswirtschaftlich sicherlich eine schöne Fortsetzung unserer Bemühungen zum ökologischen Umbau unserer Energieversorgung.“ Aber warum betreibt die GbR die Anlage dann nicht selbst weiter?

Der Grund dafür ist die gemäß EEG damals vertraglich vereinbarte Rückvergütung, die wegen der zuvor hohen, aber auf Ende 2026 befristeten Einspeisevergütung von satten 51 auf 8 Cent pro Kilo­wattstunde ab 2027 sinkt. Der Betrieb sei dadurch wegen des Verwaltungsaufwands nicht mehr wirtschaftlich, sind sich die Gesellschafter einig. Die Berufsschule (und damit der Landkreis) hätte hingegen nicht nur eigenen Strom vom Dach, sondern auch den pädagogischen Wert, wenn sie die Anlage weiterhin betreibt.

Mögliche Übernahme? Mit dem Landkreis reden

Ansonsten steht der Rückbau bevor, auch wenn die GbR diesen nicht wünscht – und auch dafür zahlen müsste. Laut Landratsamts-Sprecherin Anna Diem muss die Anlage für die Sanierung aber sowieso abgebaut werden. Man könne sie im Anschluss natürlich wieder aufmontieren. „Ob das passiert, ist aber noch offen.“ Generell seien auf dem Schuldach nach der Sanierung aber PV-Anlagen angedacht.

Was genau mit der Anlage geschieht, ist nicht sicher. Die GbR hat beschlossen, dass mit dem Landratsamt Gespräche zur Übernahme der „1. Bürgerkraftwerk Landsberger Land GbR“ geführt werden sollen. „Die Gespräche eilen nicht“, fügt Duda-Seelos an. „Aber wir werden uns zeitnah um einen ersten Gesprächstermin mit den verantwortlichen Repräsentanten der Schule und des Landratsamts bemühen.“

Mehr Bürgerkraftwerke in Landsberg möglich machen - aber wie?

GbR-Mitgesellschafter Jörg Roth aus Landsberg kritisiert nicht, dass die GbR die Anlage nicht weiterbetreiben will. Immerhin wurden laut Duda-Seelos damals zwar 350.000 Euro investiert, aber seither auch 620.000 Euro ausbezahlt. Roth stört vielmehr, dass es nicht mehr Möglichkeiten für Bürger gibt, sich an solchen Konstellationen zu beteiligen. Man solle sich das 1. Landsberger Bürgerkraftwerk als „Vorbild für den Bau ähnlicher Gemeinschaftsanlagen“ nehmen, für die es in der Stadt zahlreiche Möglichkeiten gäbe. Roth meint damit nicht, dass die Stadt den Bau von PV-Anlagen in der Altstadt angehen soll – aktuell immer noch ein Problem wegen des Ensemble-Denkmalschutzes. Vielmehr sollten die Anlagen dort aufmontiert werden, wo es möglich ist. Und zwar zu hundert Prozent von Bürgern finanziert. Roth ist auch nicht auf die Einspeisevergütung aus. Vielmehr wünscht er sich, dass die erzeugten Kilo­wattstunden vom jeweiligen Stromverbrauch der Gesellschafter abgezogen werden. „Ob der Strom auf dem eigenen Dach oder woanders entsteht, ist ja vollkommen gleichgültig.“

Grundsätzlich wäre das möglich, informiert Karin Weber, Presse­sprecherin der Stadtwerke Landsberg: Über „sleeved Power Purchase Agreements“ (PPAs) außerhalb des eigenen Standortes werde der Strom verkauft „und nicht über eine Einspeisevergütung pro kWh, sondern über eine Gutschrift auf den privaten Stromverbrauch angerechnet“. Dafür sei aber eine konkrete und direkte Anfrage an die Stadtwerke nötig. Zudem müssten rechtliche und technische Fragen mit dem Netzbetreiber geklärt werden.

Für kleinere Anlagen rechneten sich solche PPAs aber meistens nicht. Sinnvoller sei es, wenn der Erzeuger auch der Nutzer ist und der Strom vor Ort direkt verbraucht wird – wenn also der Landkreis die Anlage übernimmt.

Mit dem Kreisbote-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/landsberg-kreisbote/anlage-vor-dem-aus-mehr-buergerkraftwerke-in-landsberg-93165985.html