Viele Bewerbende hören im Prozess, sie seien „überqualifiziert“ – oft eine verklausulierte Absage. Gemeint ist, dass Profil, Erfahrung oder Abschlüsse deutlich über den Anforderungen liegen, etwa weil jemand die Branche wechseln, Stress reduzieren oder eine Übergangsrolle annehmen will. Karrierecoach und Executive-Resume-Writer Jessica Hernandez erklärt gegenüber „CNBC“, dass diese Einschätzung nicht offen begründet wird.
Warum Firmen „überqualifizierte“ Kandidaten meiden
Unternehmen fürchten, solche Mitarbeitenden könnten schnell wieder kündigen, mehr Gehalt verlangen oder unzufrieden mit einer weniger erfahrenen Führungskraft sein. Hernandez beobachtet laut „CNBC“, dass vor allem Kandidaten über 50 so eingeordnet werden. Viele Ältere suchen bewusst Positionen unter ihrem formalen Level, weil Sinn, Vereinbarkeit oder persönliche Erfüllung wichtiger geworden sind.
Um nicht vorschnell aussortiert zu werden, empfiehlt Hernandez eine gezielte Anpassung der Unterlagen. Lebensläufe sollten die aktuellsten, relevanten Stationen nach vorne stellen. Höhere Abschlüsse, die für die Zielrolle nicht nötig sind, dürfen nach unten rutschen.
Ältere Bewerbende können zudem Signale wie das Abschlussjahr entfernen, damit Fähigkeiten und Nutzen im Vordergrund stehen statt des Alters.
So reagieren „überqualifizierte“ Bewerber im Jobinterview
Im Gespräch hilft eine klare Erklärung der Motivation. Ein möglicher Einstieg: „Sie fragen sich vielleicht, warum jemand mit 20 Jahren Erfahrung diese Rolle anstrebt. Für mich ist sie jetzt wichtig, weil …“ – etwa, weil man von einer VP-Position wieder in eine Expertenrolle wechseln möchte. Wer seine Geschichte selbstbewusst erzählt und zeigt, welchen Mehrwert er liefert, erhöht laut Hernandez die Chance auf ein Angebot deutlich.
Fakten zum Bewerbungsgespräch
- Häufigste Form: Das Vorstellungsgespräch ist der wichtigste Schritt im Bewerbungsprozess. In Deutschland finden ca. 80–90 Prozent aller Einstellungen nach einem persönlichen Gespräch statt; virtuelle Interviews (via Teams/Zoom) machen 2025 über 50 Prozent aus.
- Dauer und Struktur: Ein typisches Gespräch dauert 45–90 Minuten. Übliche Phasen: Small Talk/Einstieg (5–10 Min.), Selbstvorstellung des Bewerbers, Fragen des Arbeitgebers, Fragen des Bewerbers und Abschluss mit nächsten Schritten.
- Häufigste Fragen: „Erzählen Sie von sich“, „Warum wollen Sie bei uns arbeiten?“, „Stärken und Schwächen?“, „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ und verhaltensbasierte Fragen (z. B. „Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie ein Problem gelöst haben“ – STAR-Methode empfohlen).
- Körpersprache und Auftreten: Nonverbale Signale machen ca. 55–70 Prozent der Wirkung aus (nach Mehrabian-Regel). Wichtig: fester Händedruck (bei Präsenz), Blickkontakt, aufrechte Haltung, angemessene Kleidung (branchenabhängig: Business Casual bis Anzug).