Über 40 Prozent arbeiten Teilzeit: In diesen Branchen besonders häufig

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Die Quote hat im zweiten Quartal 2025 einen neuen Höchststand erreicht: Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt sie bei 40,1 Prozent.

Gegenüber dem Vorjahresquartal ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 1,3 Prozent gestiegen, während die Zahl der Vollzeitkräfte um 0,7 Prozent zurückging. „In den 90ern war Teilzeit noch die Ausnahme, heute ist sie mit 17 Millionen Beschäftigten Normalität. Erstmals überschreitet die Teilzeitquote die 40-Prozent-Marke“, erklärt Enzo Weber vom IAB.

Dass die Teilzeitquote, im Vergleich zu den 90er Jahren weiter ansteigt, liegt nicht zuletzt am gesetzlichen Rahmen. Seit 2001 sind Unternehmen verpflichtet zu prüfen, ob eine Arbeitszeitreduzierung möglich ist und müssen eine Ablehnung begründen. Dadurch ist Teilzeit als Arbeitsmodell gesellschaftlich wie rechtlich deutlich etablierter geworden. 

Teilzeitarbeit bleibt Frauensache

Einen wichtigen Anteil an der hohen Teilzeitquote haben ältere Beschäftigte. Ab 65 Jahren arbeitet ein Großteil von ihnen weniger als 40 Stunden pro Woche. Den größten Anteil stellen jedoch weiterhin die Frauen: Fast jede zweite erwerbstätige Frau (49 Prozent) ist in Teilzeit beschäftigt – bei den Männern sind es lediglich zwölf Prozent. Teilzeit bleibt damit vor allem ein weibliches Arbeitsmodell. 

Das Unternehmen Kununu, das Arbeitgeberbewertungen sammelt und auswertet, hat für FOCUS online seine Daten zu Voll- und Teilzeitbeschäftigung analysiert. Grundlage sind Tausende von Datensätzen, die einen umfassenden Überblick über unterschiedliche Branchen geben. Die folgende Tabelle zeigt, in welchen Bereichen besonders häufig und in welchen eher selten in Teilzeit gearbeitet wird.

Auffällig ist: Vor allem in „typischen Frauenberufen“, wie in der Pflege, im Bildungs- und Sozialwesen oder in der Textil- und Beautybranche, liegt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten besonders hoch. Am anderen Ende des Spektrums finden sich überwiegend „typische Männerbranchen“ wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau oder die verarbeitende Industrie, in denen Teilzeitarbeit vergleichsweise selten vorkommt. 

Dr. Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln bestätigt das: „Die Teilzeitquote bei Männern ist deutlich niedriger. Daher gibt es in Branchen wie der Industrie, in denen der Frauenanteil gering ist, auch insgesamt weniger Teilzeitbeschäftigte.“ Die Quote steigt zwar auch hier an, bleibt aber weit unter den Branchen, in denen mehr Frauen vertreten sind. Dazu kommt, dass viele männlich dominierte Tätigkeitsfelder durch Schichtarbeit und starre betriebliche Strukturen geprägt sind, die flexible Arbeitszeitmodelle erschweren. 

Warum vor allem Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, erklärt Hammermann so: „Der Hauptgrund bei Frauen ist vor allem die unentgeltliche Sorgearbeit – also die Pflege von Angehörigen und die Kinderbetreuung. Viele Mütter reduzieren ihre Erwerbsarbeit nach der Elternzeit und kehren häufig auch mit dem Heranwachsen der Kinder nicht in eine Vollzeitstelle zurück." 

Doch selbst wenn Arbeitgeber grundsätzlich Vollzeitoptionen ermöglicht, haben viele Frauen in der Praxis kaum eine Wahl. Zwar würden zahlreiche von ihnen gerne mehr Stunden arbeiten, stoßen dabei jedoch auf Hindernisse – etwa auf fehlende Kinderbetreuungsangebote oder auf starre Arbeitszeitmodelle, die keine flexible Gestaltung von Arbeitszeit und -lage zulassen. 

Männer hingegen entscheiden sich meist aus beruflichen Gründen für eine Teilzeitbeschäftigung, etwa um Weiterbildungen oder Qualifizierungen zu absolvieren.