Der Kreisfeuerwehrverband zieht seine Bilanz für das Jahr2023. Es gab deutlich mehr Einsätze wegen Sturmschäden.
Landkreis – Erfreuliche Tendenzen bei der Mitgliederentwicklung, aber auch deutlich höhere Einsatzzahlen prägen die Bilanz des Kreisfeuerwehrverbands Dachau für das vergangene Jahr. Die aktuellen Fakten präsentierte Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser bei der jüngsten Versammlung des Verbandes in Ried.
Zu der Veranstaltung im voll besetzen Saal des Gasthauses Doll waren knapp 200 Feuerwehrkameraden aus dem Landkreis erschienen. Zudem besuchten zahlreiche politische Vertreter der einzelnen Gemeinden sowie Repräsentanten von THW, Polizei, Integrierter Leitstelle, Landratsamt und Bundeswehr die Versammlung am Dienstagabend.
Strategische Vorbereitungen zu Stromausfällen
Kreisbrandrat und Verbandsvorsitzender Georg Reischl fasste die Entwicklung des vergangenen Jahres schon bei der Begrüßung der Gäste zusammen. Während in den Jahren zuvor die Unterstützung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie im Fokus stand, prägten 2023 vor allem die möglichen Folgen des Angriffskrieges auf die Ukraine die Feuerwehrarbeit in der Region.
So sei intensiv an der strategischen Vorbereitung zu lang anhaltenden großflächigen Stromausfällen gearbeitet worden. Zusammen mit den Gemeinden und dem Landratsamt habe man sich bis ins Frühjahr 2023 mit der „Härtung“ der kritischen Infrastruktur beschäftigt, Notstromeinspeisungen in Gerätehäusern geschaffen und SOS-Stützpunkte für die Notrufannahme bei einem Ausfall der Telekommunikation konzipiert.
Bis hin zu Notversorgungsmöglichkeiten mit Kraftstoffen und dem Einrichten von Notbetreuungsstellen hätten die Verantwortlichen Pläne erarbeitet und erprobt. „Glücklicherweise können wir heute im Rückblick feststellen, dass diese Konzepte akut nicht gebraucht wurden. Deshalb sind diese aber nicht für den Papierkorb geschaffen, sondern für die verschiedensten Krisen auch in der Zukunft wertvolle Arbeitsgrundlagen“, resümierte Reischl.
Errichtung von Notunterkünften
Die Flüchtlings-Thematik habe sich wegen des Kriegs verschärft. Bei der Unterbringung der Menschen seien die Feuerwehren auch massiv gefordert gewesen, beispielsweise die Errichtung einer Notunterkunft in einer Dachauer Turnhalle in Kooperation mit dem THW.
3575 Einsätzewegen Unwetter
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Dazu komme noch eine deutliche Zunahme der Zahlen bei regulären Feuerwehreinsätzen. Lag die Gesamtzahl im Jahr 2022 noch bei 2269, so ist sie im vergangenen Jahr sprunghaft auf 3575 angestiegen. Vor allem die vier extremen Unwetterereignisse seien hierfür die Ursache gewesen. „Hier zeigt uns die Macht der Natur unsere Grenzen auf“, stellte Kreisbrandrat Reischl fest. Und so ist auch die Zahl von 868 Einsätzen bei Sturmschäden bemerkenswert.
Zum Vergleich: Wegen Bränden mussten die Feuerwehren laut dem Jahresbericht nur 434 Mal ausrücken. Hierbei waren vor allem kleinere und mittlere Feuer zu bekämpfen. Die Zahl der Großeinsätze belief sich auf 32. Hierbei rief Kreisbrandinspektor Thomas Burgmair vor allem den Brand im Ortszentrum von Sulzemoos im vergangenen Oktober in Erinnerung. Dabei waren eine Lagerhalle, ein Wohnhaus und mehrere Fahrzeuge Raub der Flammen geworden. Rund 200 Einsatzkräfte waren mit den Löscharbeiten beschäftigt.
Die Zahl der Fehlalarme (441) ist im Vergleich zu 2022 (448) leicht gesunken. Grund hierfür seien vor allem, so Kreisbrandinspektor Reimoser am Rande der Veranstaltung, irrtümliche Meldungen über Brandmeldeanlagen. Diese würden über Zigarettenrauch, Staub bei Bauarbeiten oder Rauch beim Kochen ausgelöst.
Die Zahl der Falschmeldungen über automatisierte Notrufe für Fahrzeuge, so genannte eCalls, ist mit 42 eher gering, jedoch waren dies 19 Fälle mehr als noch 2022.
Positive Zahlenbeim Nachwuchs
Rekordzahlen konnte Reimoser bei der Vorstellung der Mitgliederentwicklung präsentieren. „Personell sind wir sehr, sehr gut aufgestellt“, freute sich der Kreisbrandinspektor. So leisteten derzeit 2675 aktive Mitglieder ihren freiwilligen Dienst bei den 67 Feuerwehren im Landkreis.
Positiv ist laut dem Bericht auch die Entwicklung der Zahlen beim Nachwuchs: Waren 2022 noch 375 Jugendliche bei den Feuerwehren aktiv, so lag die Zahl im Jahr 2023 bei 420. Die Kinderfeuerwehr zählte 2023 zwölf Mädchen und Buben mehr als im Jahr zuvor. Zudem durften sich die Feuerwehren im Landkreis über zwölf neue Einsatzfahrzeuge freuen.
Vor der Vorstellung der Bilanz hatte sich Landrat Stefan Löwl (CSU) in einem Grußwort für das Engagement der Kreisfeuerwehren bedankt. Unter anderem hob er dabei auch die rasche Errichtung einer Not-Zeltunterkunft für Geflüchtete hervor. Im Dezember 2023 hätten die Feuerwehren zudem bis spät in die Nacht hinein das Dach der Unterkunft von Schneemassen befreit.
Aufgrund der extremen Wetterlage habe man 2023 gleich dreimal die Kreiseinsatzzentrale im neuen Katastrophenschutzzentrum in Betrieb genommen. „Dies zeigt, wie wichtig und richtig es war, dieses Zentrum in Hebertshausen zu errichten“, bekräftigte Löwl.
Landrat kündigt Sparmaßnahmen an
Nachdenklich zeigte sich Löwl aufgrund der finanziellen Situation der Kommunen. „Auch 2024 werden wir uns darauf einstellen müssen, dass nicht mehr alle Angebote und Ausstattungswünsche – zumindest im bisher gewohnten Umfang – finanzierbar sind“, so der Landrat. Kreisbrandrat Reischl hatte zuvor in seiner Rede bei allem Verständnis für Sparmaßnahmen einen Appell an die Politik gerichtet: „Auch in finanziell schwierigen Zeiten ist es wichtig angesichts gestiegener Fallzahlen sinnvolle und notwendige Investitionen umzusetzen – gerade bei einer abnehmenden Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung.“
Für das laufende Jahr hat der Verband wieder einige Veranstaltungen geplant. So wird am 5. Mai in der Basilika am Petersberg der traditionelle Florianstag begangen. Am 21. Juli lädt die Feuerwehr wieder zum großen Aktionstag. Dieser wird heuer in der Gemeinde Röhrmoos auf die Beine gestellt.
Weitere Termine
sowie der Jahresbericht 2023 sind im Internet unter www.kbi-dachau.de einsehbar.
Markus Wittenzellner