Magnetische Blicke auf der Wiesn: Oberbayerischer Bergbahnchef erzählt seine Liebesgeschichte

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Glückliches Paar: Zum Valentinstag erzählen Nicole und Hannes Zintel, wie sie sich vor gut acht Jahren kennengelernt haben. © Arndt Pröhl

Hannes Zintel, Chef der Blombergbahn bei Bad Tölz, traf seine große Liebe auf dem Oktoberfest. Sie wollte auf Weltreise gehen, er folgte ihr nach Asien.

Wackersberg/Bad Tölz – Verliebte Blicke, kleine, zärtliche Gesten und bei beiden ein Strahlen im Gesicht: Nicole und Hannes Zintel ist anzusehen, dass sie auch nach gut acht Jahren Beziehung und sieben Jahren Ehe weiter Schmetterlinge im Bauch haben. Mit der Anfrage unserer Zeitung, zum Valentinstag ihre Liebesgeschichte zu teilen, haben der Chef der Blombergbahn und seine Frau daher auch kein Problem. Alles begann mit einem Moment fast magnetischer Anziehung mitten auf der Münchner Wiesn.

Hochzeit auf dem Blomberg: Nicole und Hannes Zintel begaben sich ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung mit der Seilbahn auf den Weg zu ihrer Trauung.
Hochzeit auf dem Blomberg: Nicole und Hannes Zintel begaben sich ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung mit der Seilbahn auf den Weg zu ihrer Trauung. © privat

Magnetische Blicke auf der Wiesn

Hannes Zintel erinnert sich sehr lebhaft an jenen schicksalhaften 18. September 2017. „Ich war auf dem Oktoberfest, und als zu später Stunde die Zelte schlossen, bin ich die Wirtsbudenstraße entlang in Richtung Bahnhof gelaufen“, erzählt er. In der Menge tausender Menschen habe er auf einmal aus weiter Entfernung ein Augenpaar wahrgenommen, das ihn in Bann zog. Es war der Blick von Nicole. Auch sie sagt, dass für sie auf irgendeine Art die Augen von Hannes aus der Ferne herausgestochen hätten. Hannes Zintel ging auf die Augen zu, stand nun vor einer jungen Verkäuferin an einem Souvenirstand. Sie begrüßte ihn mit den Worten: „Hey, Du schaust aus, als brauchats du an Huat!“

„Ich habe ihn aus dem Bauch heraus auf Bairisch angesprochen“, sagt Nicole Zintel. Und anders als anderen Wiesn-Besuchern stellte sie sich ihm nicht als „Anna“ vor, sondern nannte ihren echten Vornamen. Außerdem sagte sie ihm, dass sie aus Bad Tölz kommt. Gerade einmal zwei Kilometer vom Blomberg entfernt war sie also aufgewachsen. Hannes Zintel aber war sie weder jemals begegnet, noch wusste sie, wer er war. Sie sei ein echter „Bergfex“, sagt Nicole Zintel. „Aber ich war immer eher im Karwendel unterwegs, den Blomberg habe ich gemieden – zu sanft.“

Erstmal gibt‘s einen Dämpfer

Man war sich sympathisch, ratschte „angeregt und tief“, wie Hannes Zintel sagt. Doch auf die Frage, ob man nicht mal zusammen einen Kaffee trinken wolle, bekam er einen Dämpfer verpasst. Er brauche sich nichts einzubilden. Denn wenige Tage nach der Wiesn würde Nicole auf unbestimmte Zeit auf Weltreise gehen. Der Flug nach Nepal war gebucht, das Auto verkauft, die Wohnung und der Job in einem Tölzer Autohaus gekündigt. „Ich wollte vogelfrei sein und schauen, wo es mich hintreibt“, sagt Nicole. Und vorher nahm sie noch die Erfahrung mit, täglich nach Feierabend auf dem Oktoberfest zu jobben.

„Macht nichts, dann komme ich halt auf einen Kaffee nach Indien“, sagte Hannes Zintel noch. Zunächst aber trennten sich die Wege, ohne dass beide auch nur Telefonnummern getauscht hätten. Als der Blombergbahnchef am nächsten Morgen auf Facebook den Namen Nicole suchte – den Nachnamen kannte er nicht –, wurde ihm zuoberst das Profil seiner Wiesn-Bekanntschaft angezeigt. Ob es nun ein guter Algorithmus war oder Fügung: Hannes schrieb Nicole an. Er wisse ja, wo sie zu finden ist, antwortete sie.

Er habe sie nicht stalken wollen, sagt Hannes Zintel. Doch natürlich zog es ihn bei den folgenden Oktoberfestbesuchen immer wieder an den Souvenirstand zurück. Zwischen dem Ende der Wiesn und Nicoles Abreise drei Tage später machte sie ihm schließlich ein zweistündiges Zeitfenster für eine Verabredung frei: eine gemeinsame Wanderung auf die Sunntratn. „Sie ist wie eine Gazelle raufgesprungen und ich etwas schwerfällig hinterher“, sagt Hannes Zintel.

Dates auf Sunntraten und in Myanmar

Von ihren großen Reiseplänen konnte und wollte er Nicole aber nicht abhalten. Zusammen mit ihrem Bruder brach sie auf, um in Nepal den berühmten Annapurna Circuit zu beschreiten, mit der Überquerung des Thorong La Passes, des höchsten Passes der Welt auf über 5000 Metern als Höhepunkt. Nacht für Nacht aber telefonierte sie mit Hannes, stundenlang.

Beide fassten ein zweites Date ins Auge, das statt an der Sunntraten diesmal in Myanmar stattfinden sollte. Drei Wochen reisten Nicole und Hannes zusammen durch das südostasiatische Land. Die Gefühle wurden tiefer und erforderten eine Entscheidung. Ihre Reise hatte sie angetreten, „weil ich mit Ende 20 wissen wollte, was das Leben noch für mich bereit hält“, sagt Nicole Zintel. „Jetzt hatte ich die Antwort. Wozu sollte ich also weiter reisen?“ Weihnachten verbrachte sie noch wie geplant mit ihrem Bruder im indischen Goa. Am 31. Dezember 2017 flog sie zurück in die Heimat. Und feierte Silvester mit Hannes am Blomberg.

Dort heiratete das Paar auch, auf den Tag ein Jahr nach der ersten Begegnung. Wieder ein Jahr später wurde Sohn Laurin geboren – Hannes Zintel hatte aus einer früheren Beziehung bereits ein Kind, die heute zehnjährige Anna. 2022 kam die kleine Sophie dazu. Den Hochzeitstag und die Geburtstage von Hannes und Laurin feiert die Familie immer auf der Wiesn.