Der Leiter der Erdinger Polizeiinspektion, Sebastian Pinta, spricht über Einsätze gegen Pöbler und Störenfriede - und über messbare Erfolge.
„Es kann nicht sein, dass man sich in Erding nicht sicher fühlt“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Erding, Sebastian Pinta. Er spricht damit verschiedene Vorkommnisse in der Stadt an, bei denen Bürgerinnen und Bürger im Aufgang der Altstadt-Tiefgarage in der Friedrich-Fischer-Straße und vor allem am Grünen Markt verbal zum Teil heftig angegangen und beleidigt wurden. Laut Pinta gehört das „nicht zu einer geordneten Stadtkultur“.
Mit sogenannten Konzepteinsätzen ist die Erdinger Polizei gegen diese Sicherheitsstörungen vorgegangen. Mit Erfolg, wie der Erdinger Polizeichef berichtet. In der Tiefgarage zum Beispiel hält sich niemand mehr auf, der keinen guten Grund habe. Ganz ruhig ist es in Erding trotzdem nicht.
Lärm, Plastikmüll und Urin in Wohnanlage
Vor allem die Anwohner eines Automatenladens in der Dorfener Straße nehmen die Sicherheitslage in Erding derzeit anders wahr. Rund um den Laden, der 24 Stunden lang zuckriges Zeug und diverse Kracherl in Kühlschränken anbietet, versammelt sich laut zwei Anwohnerinnen regelmäßig eine Schar lärmender Jugendlicher. „Bis in die frühen Morgenstunden wird da rumgeplärrt“, beklagt sich eine Mieterin, die sich auch schon bei der Hausverwaltung und dem Vermieter des Ladens beschwert habe.
Die Jugendlichen hinterließen einen Haufen Plastikmüll, einige hätten auch in die Abstellfläche für Mülltonnen und Fahrräder uriniert. „Wenn wir aus dem Fenster gerufen haben, wurden wir nur beleidigt“, berichtet die Anwohnerin, die mittlerweile nachts nicht mehr alleine nach Hause geht.
Für den Leiter der PI Erding ist diese Situation inakzeptabel. Allerdings sei die Dorfener Straße bisher kein Thema gewesen, in den letzten Monaten seien dort lediglich zwei Einsätze dokumentiert. Auch bei den täglichen Besprechungen über die Sicherheitslage in Erding wurde darüber nicht gesprochen. Pinta appelliert daher an die Bevölkerung, gerade in solchen Fällen immer die Polizei anzurufen – ob über die lokale Telefonnummer (0 81 22) 96 80 oder auch die 110. „Unsere Einsatzstreifen stehen der Bevölkerung rund um die Uhr zur Verfügung“, erklärt er, weist aber auch darauf hin, dass der Polizeiwagen nicht immer fünf Minuten nach dem Anruf vor der Tür stehe.
In der Polizeidienststelle würden die Fälle priorisiert, bei denen es um Gefahr für Leib und Leben geht, wie zum Beispiel bei Unfällen. Dass sich Bewohner der Dorfener Straße nachts nicht mehr auf die Straße trauen, veranlasse ihn jetzt aber dazu, diesen Bereich „in die Planung der Sicherheitsstreifen aufzunehmen.“
Kaum mehr Vorfälle am Grünen Markt
Die fahren auch noch regelmäßig zum Grünen Markt, auch wenn die Sicherheitsstörungen dort „deutlich reduziert“ seien. Spezielle Konzepteinsätze der Polizei hätten hier für Ruhe gesorgt. Dabei hätten mehrmals am Tag Beamte in Uniform und in Zivil Personen gezielt kontrolliert. „Nicht nach dem Gießkannenprinzip“, betont Pinta und erklärt: „Wir kennen die Leute und wissen, von wem Sicherheitsstörungen ausgehen.“
Um diese Störenfriede, die Passanten angepöbelt und belästigt hatten, auch ohne konkrete Gefahrensituation untersuchen zu dürfen, war der Grüne Markt nach dem Polizeiaufgabengesetz zeitweise als „gefährlicher Ort“ ausgewiesen. Zwischen Mai und November 2024 stellten die Beamten bei 517 Personen die Identität fest, 216 Mal wurde ein Platzverweis ausgesprochen. Mit dem Ergebnis, dass sich die Jugendbanden verzogen haben. „Eine Verlagerung fand nicht statt“, so Pinta. Und lobt: „Ich bin sehr dankbar für die professionelle und engagierte Arbeit der Einsatzkräfte.“
Wenn diese angegriffen und, wie dieses Jahr am Grünen Markt zweimal passiert, verletzt würden, „tut mir das weh“, so Pinta. Hier gelte eine Null-Toleranz-Regel: „Jeder verbale und körperliche Angriff auf einen Polizeibeamten wird konsequent angezeigt.“ Die Aufklärungsquote der Erdinger Polizei liegt mit knapp 70 Prozent über dem bayerischen Durchschnitt, die Straftaten seien von 3031 im Jahr 2023 auf 2759 im Jahr 2024 gesunken. Das Fazit des Polizeichefs: In Erding kann man sich sehr sicher fühlen.
Ermittlungsgruppe gegen Graffiti-Schmierereien
An der Schule, auf Stromverteilerkästen, an Informationsstelen: Überall hinterlassen Unbekannte derzeit gesprühte Schmierereien. Erdings Polizeichef Pinta missfällt das sehr: „Vor allem für die Schüler und Lehrkräfte empfinde ich das als Zumutung“, sagte er im Gespräch mit der Heimatzeitung. „Diese Graffiti-Serie tut mir persönlich weh.“
An der Aufklärung arbeitet in der Polizeidienststelle in Erding eine spezielle Ermittlungsgruppe, die sich „konzentriert und langdauernd“ mit einem Verfahren beschäftigen könne, so Pinta. Er könne zwar wegen der laufenden Ermittlungen keine Details preisgeben, bestätigte aber, dass die Delikte „schwerpunktmäßig behandelt“ werden.
Dass gegen unbekannt ermittelt werde, erschwere zwar die Arbeit, trotzdem dürfen sich die Täter nicht in Sicherheit wiegen. Die Polizei wisse, wo sie ansetzen muss. Und: „Wir gehen hier mit gleicher Sorgfalt heran wie bei jedem anderen Fall.“