Das Grundstück ist kein Schnäppchen. 573 000 Euro für 520 Quadratmeter – zum Festpreis verkauft die Gemeinde Weyarn eine Parzelle am Mangfallweg. Gute Lage, aber viel Geld, zumal Altbestand abzureißen ist. Bei der Vergabe hat der Gemeinderat freie Hand, will sich aber an Richtlinien des Einheimischen-Modells orientieren. Es gibt einige Bewerber.
Weyarn – Alt ist das Haus, gebaut in den 60er Jahren. Seit einem halben Jahr ist das Gebäude am Mangfallweg, südlich des Klosterbergs gelegen, nicht mehr bewohnt. „Ein längeres Pachtverhältnis ging zu Ende“, sagt Bürgermeister Leonhard Wöhr auf Anfrage. Das Hanggrundstück gehört der Gemeinde, der Altbestand sei aber „so heruntergekommen, dass eine Sanierung nicht lohnt“.
Der Gemeinderat beschloss, das Grundstück freihand zu verkaufen. Bei der Vergabe will das Gremium aber berücksichtigen, wie lange die Bewerber in der Gemeinde wohnen, wie viele Kinder sie haben, wie viel sie verdienen oder ob sie ein Ehrenamt ausüben. „Wir sind frei in unserer Entscheidung, weil wir ohne Subventionierung zum Marktpreis verkaufen“, sagt Wöhr. Bei mehreren Bewerbungen, so beschloss der Gemeinderat, orientiere man sich aber am Punktesystem des Einheimischen-Modells („Richtlinien für die Vergabe von preisvergünstigtem Wohnbauland für einkommensschwächere und weniger begüterte Personen der örtlichen Bevölkerung“).
Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen. „Ob sich bei dem Preis wer meldet – da war ich mir nicht sicher“, gesteht Wöhr. Tatsächlich gingen etwa zehn Bewerbungen ein, es fanden Besichtigungen statt. Der Finanzausschuss wird wohl im November eine Zuschlags-Empfehlung für den Gemeinderat erarbeiten.
Ganz neu ist diese Mischform bei Grundstücksverkäufen nicht, betont Wöhr. Schon unter Bürgermeister Michael Pelzer habe man dieses Verfahren angewandt. Während der Klosteranger-Bebauung habe sich die Gemeinde aber zurückgehalten, da dort bis 2020 Einheimische bevorzugt Wohnraum erwerben konnten.
Am Mangfallweg werde man wieder aktiv, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde könne es sich nicht leisten, den Altbau weiter verkommen und das Grundstück ungenutzt liegenzulassen. „Da musste was passieren.“ Zudem sei es geboten, bestehenden Baugrund zu nutzen. „Das wünschen wir uns von den Bürgern und gehen hier mit gutem Beispiel voran.“
Bei der Preisfindung musste sich die Gemeinde, um frei vergeben zu können, am Marktpreis orientieren. Alternativ wäre möglich gewesen, die Parzelle meistbietend zu versteigern. „Das wäre gut für unseren Haushalt gewesen“, sagt Wöhr, „wir wollten aber eine soziale und regionale Komponente dabei haben.“
Auch ohne Wettbieten: Schon der Marktpreis ist nichts für schmale Budgets. 1100 sind am Mangfallweg für den Quadratmeter fällig; dazu sind die Abbruchkosten zu tragen, nur die Bestandsgarage könnte stehen bleiben. Die Grundstücksgröße spricht für ein Einfamilienhaus.
Fast 600 000 Euro für eine Bauparzelle in Weyarn – die Explosion der Grundstückspreise bereitet Wöhr große Sorgen. „Der Bodenrichtwert in allen Gemeindeteilen hat sich innerhalb weniger Jahre verfünffacht“, sagt der Rathauschef. Ein Einfamilienhaus in Weyarn sei unter 1,8 Millionen Euro nicht mehr zu bekommen.
Eine Entwicklung, denen die Einheimischen-Modelle der Gemeinden nicht mehr gewachsen sind. Denn selbst „subventionierten“ Baugrund dürfe man nicht zu weit unter Marktpreis abgeben, betont Wöhr. „Andererseits müssen wir bei der Vergabe auch Einkommensgrenzen einziehen.“ Mit solchen Einkommen können sich Familien, die man fördern wolle, selbst vergünstigte Grundstückspreise aber gar nicht leisten. „Das passt nicht mehr, der Freistaat muss das neu regeln“, fordert Wöhr. Eine Lösung könne sein, Einheimischen nicht mehr vergünstigten Baugrund, sondern bezahlbaren Wohnraum im Geschosswohnungsbau über Bauherren-Modelle zu verschaffen.
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