Das Konzept war neu, der Standort Holzkirchen umkämpft: Vor zehn Jahren ging das Grüne Zentrum in Betrieb. Unter einem Dach ballen sich Verbände und Behörden aus der Land- und Forstwirtschaft, allen voran das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Das Konzept ist aufgegangen. Am Samstag wird gefeiert.
Holzkirchen – Lange nachdenken muss Christian Webert nicht. Die Antwort kommt schnell und klingt fast selbstverständlich. Das Grüne Zentrum in Holzkirchen sei „ganz sicher eine Erfolgsgeschichte“, betont der Amtsleiter des AELF.
Tag der offenen Tür
Was macht das Grüne Zentrum? Warum entstand es in Holzkirchen (Rudolf-Diesel-Ring 1) und was macht den Bau so besonders? Antworten gibt es am Samstag, 11. Oktober, von 10 bis 16 Uhr bei einem Tag der offenen Tür anlässlich des zehnjährigen Bestehens . Bei einem Festakt um 10 Uhr wird an das politische Vorspiel, die Planungs- und Bauphase erinnert. Danach sind alle Bürger eingeladen, sich an Ständen und bei Vorträgen über die Netzwerkpartner aus Landwirtschaft, Naturschutz oder Jagd zu informieren. Förster Franz Jäger will mit Kindern eine Holzkuh basteln, es warten eine Hüpfburg und ein Glücksrad. Es gibt regionale Produkte zur Verkostung.
Was bei der Eröffnung 2015 noch eine Hoffnung war, hätten die Erfahrungen der ersten zehn Jahre bestätigt, sagt Webert. Unter dem Dach eines mehrstöckigen Holzbaus, entstanden am Rande des Gewerbegebiets-Ost (Rudolf-Diesel-Ring), habe sich eine gedeihliche Partnerschaft für den ländlichen Raum entwickelt. „Das Konzept hat sich bewährt“, sagt Webert, „die kurzen Drähte sind wertvoll.“
Das AELF mit seinen rund 90 Mitarbeitern bildet den Kern des Hauses. Neben dem behördlichen Teil – finanziert vom Freistaat – stärkt der Schulbetrieb (Landwirtschaft, Hauswirtschaft) das ländliche Leben in der Region. „Die Nachfrage ist unglaublich“, erklärt Webert. Dank des Internats (22 Plätze) könne man die Ausbildung als kompaktes Vollzeit-Modell anbieten. Sachaufwandsträger des Schulbetriebs sind die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen.
Das AELF ist jedoch nur Mieter. Gebaut wurde das Haus von 2013 bis 2015 vom Bayerischen Bauernverband (BBV), der im Gebäude mit einer Geschäftsstelle und der Steuerberatung Treukontax vertreten ist. Etwa zehn Millionen Euro investierte der BBV, dazu kamen drei Millionen Euro für das Grundstück (1,2 Hektar). Weitere Mieter sind der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern, die Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen sowie die Handwerkskammer. Die Kreishandwerkerschaft gab ihr Büro vor einiger Zeit auf.
„Die Zusammenarbeit hier im Grünen Zentrum funktioniert wunderbar“, betont Webert, „wir sind eine gute Wohngemeinschaft.“ Deswegen wolle man das am Samstag auch gemeinsam feiern.
Der Entscheidung, das Grüne Zentrum in Holzkirchen anzusiedeln, war ein politisches Tauziehen vorangegangen. Auch Bad Tölz und Wolfratshausen hatten Interesse signalisiert. Die Gemeinde Dietramszell brachte den Standort Baiernrain ins Spiel. Johannes Hütz, der damalige AELF-Leiter, warb nicht nur leidenschaftlich für das Konzept eines Grünen Zentrums, sondern moderierte auch den Standort-Wettkampf und schob an, wenn der Karren politisch feststeckte.
„Holzkirchen hat sich als Standort bewährt“, glaubt Webert. Der Ort liege zwar am Rand des Dienstgebiets, sei verkehrstechnisch aber gut zu erreichen. „Ein besserer Ort für diese Einrichtung ist kaum vorstellbar“, schwärmte der damalige Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) beim Richtfest 2014. Auch der damals wie heute amtierende Landrat des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier (FW), fand sich mit der Entscheidung ab. In Wolfratshausen schwinge Wehmut mit, sagte er 2014, da man die Landwirtschaftsschule verliere. „Der Standort Holzkirchen war eine Vernunftsentscheidung“, räumte er ein.
Architektonisch ist der Gebäudekomplex (5000 Quadratmeter Nutzfläche) eine Besonderheit: Die drei Stockwerke sind komplett aus Holz konstruiert. Architekt Gerhard Simson ist beim Tag der offenen Tür dabei und erläutert das Konzept.
Ein weiterer Höhepunkt, speziell für Kinder, dürfte die Aktion Holzkuh werden. Nach dem Vorbild des Holzhirsches, der vor dem Grünen Zentrum röhrt, soll eine Holzkuh zusammengenagelt werden. Förster und Holzbildhauer Franz Jäger wird die Kinder anleiten. „Der Hirsch steht für Wald und Forst, jetzt wird es Zeit für die Kuh“, sagt Webert.
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