Zunächst sah alles nach einem normalen Unfall aus. Doch die beiden Insassen waren nach dem Frontalcrash mit einem Baum geflüchtet. Den Grund klärte die Polizei dank eines Zeugenhinweises schnell auf.
Holzkirchen/Baiernrain – Ein verlassenes Wrack im Wald. Beide Airbags nach einem Frontalzusammenstoß mit einem Baum geplatzt. Doch von den Insassen fehlt jede Spur. Diese fast schon gruselige Szenerie hat am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr ein Spaziergänger in einem Waldstück nördlich von Baiernrain (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) vorgefunden. Der Mann tat das einzig Richtige und setzte sofort einen Notruf ab. Und damit nahm eine filmreife Geschichte ihren Anfang.
Insassen nicht am Unfallort
Wie die Polizeiinspektion Holzkirchen berichtet, rückten die Einsatzkräfte zunächst an den Unfallort aus. Als sie dort den beschriebenen VW Touran mit einem Totalschaden vorfanden, setzten sie umgehend eine großangelegte Suchaktion in Gang. Spürhunde und Feuerwehrleute durchkämmten das Unterholz. Schließlich sei zu diesem Zeitpunkt nicht auszuschließen gewesen, dass die Insassen des Wagens nach dem offenbar heftigen Aufprall verletzt oder hilflos im Wald umherirren, schildert die Polizei. Aus den Spuren vor Ort folgerten die Beamten, dass zwei Personen im Auto gesessen hatten.
Dann aber nahm der Rettungseinsatz eine ungeahnte Wende. Auf Basis von Zeugenhinweisen stellte sich heraus, dass Fahrer und Beifahrer – ein 16-jähriger Weyarner und ein 14-jähriger Münchner – bereits in einer Wohnung Zuflucht gefunden hatten – oder besser gesagt ein vermeintlich sicheres Versteck. Denn wie sich in den Ermittlungen der Polizei herausstellte, hatte der 16-Jährige den VW Touran am Abend zuvor in Holzkirchen gestohlen. Der Halter, ein 31-jähriger Valleyer, hatte den Wagen da vor einer Tanzschule geparkt und den Schlüssel in der Umkleidekabine zurückgelassen. Da schlug der bereits einschlägig polizeibekannte Jugendliche zu und klaute das Auto.
An Tankstelle Sprit geklaut
Das blieb nicht die einzige Straftat, wie sich bei der Befragung herausstellte. So gab einer der beiden Jugendlichen zu, dass die illegale Spritztour von deutlich größerem Umfang war als zunächst angenommen. Dabei hatten die beiden Ausreißer, die bereits am Dienstag von zwei unterschiedlichen Jugendheimen als abgängig gemeldet worden waren, an einer Tankstelle in Neuhaus am Schliersee für rund 50 Euro getankt und waren dann ohne zu bezahlen davongefahren.
Selbst die Polizisten waren überrascht, dass die beiden Burschen trotz des Frontalcrash gegen den Baum bei Baiernrain mit Prellungen und Abschürfungen und damit ohne schwerere Verletzungen davongekommen waren. So konnten sie nach einer Untersuchung wieder aus der ärztlichen Obhut entlassen werden. Dafür kamen sie umgehend zurück in die Obhut der Jugendheime. Zumindest der 16-Jährige darf sich aber auf mehrere Strafanzeigen einstellen, unter anderem wegen Autodiebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Die Beteiligung des 14-jährigen, aber ebenfalls bereits strafmündigen Beifahrers ist laut Polizei noch in weiteren Ermittlungen zu klären.
Totalschaden von rund 6000 Euro
Der geschädigte Valleyer hat laut des Berichts gleich doppelt Pech. Da sein VW aufgrund des Alters nicht mehr vollkaskoversichert war, wird der 31-Jährige wohl auf dem Sachschaden in Höhe von rund 6000 Euro sitzenbleiben.