Ein gutes Jahr für das Kraftpaket: Maisernte hat begonnen

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Holzkirchen

Kommentare

Letzte Ernte der Saison: Die Maisfelder im Landkreis-Norden sind reif. Bis Ende Oktober werden Häcksler und Ladewagen unterwegs sein. Das Bild entstand bei Lochham. © Thomas Plettenberg

Die ersten Felder sind abgeerntet, der „König des Ackers“ bereitet seinen Abgang vor: Die Maisernte im Landkreis-Norden hat begonnen. Bis Ende Oktober warten über 800 Hektar darauf, von mächtigen Häckslern umgelegt zu werden. Der Sommer war so, wie‘s der Mais gern hat. Experten rechnen mit guten Erträgen.

Holzkirchen – Grünland prägt den Landkreis Miesbach. Über 23 500 Hektar Wiesen, Weiden, Almen und Streuwiesen bewirtschaften die Landwirte. Ackerbau beschränkt sich weitgehend auf den Landkreisnorden, wo die Bodenstruktur dafür geeigneter ist. Auf knapp 2000 Hektar werden Feldfrüchte angebaut, mit über 800 Hektar ist der Mais hier deutlich die Nummer Eins.

„Heuer war ein gutes Jahr für den Mais im Landkreis“, sagt Florian Feuerreiter-Brindlinger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen, wo er im Sachgebiet Land- und Almwirtschaft als Fachberater und Lehrkraft tätig ist. Es gab keine großen Unwetter mit Hagel oder Starkregen und vor allem: Der Mais konnte ausgiebig Sonne tanken, ohne zu verdursten. „Wir rechnen mit guten Erträgen“, sagt Feuerreiter-Brindlinger.

Ganz ungetrübt ist die Bilanz aber nicht. Erdraupen, die sich später zu Eulenfaltern verpuppen, fressen gerne Maiswurzeln an. „Den Schädling haben leider auch auf Landkreis-Feldern“, sagt der AELF-Berater. Betroffen seien besonders spät bestellte Felder. „Den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat zu erwischen, ist nicht leicht“, erklärt der Fachmann. Ist man zu spät, drohen gefräßige Erdraupen. Ist man zu früh, könnten Spätfröste den kleinen Pflanzen zusetzen. „Mais ist sehr frostempfindlich“, erklärt Feuerreiter-Brindlinger.

So konnten die Felder zwar im Sommer die für eine gute Reife erforderliche „Temperatursumme“ tanken, die ersten kalten Herbstnächte jedoch läuteten die Erntephase ein. „Es gab bereits Fröste, jetzt vertrocknet der Mais schnell“, sagt der AELF-Berater. Die Mais-Wälder, die je nach Sorte auf bis zu drei Meter aufwuchsen, manche Straßen in „Tunnel“ verwandelten, aber auch Wildtieren willkommene Rückzugsorte boten, sie werden in den nächsten drei Wochen verschwinden.

Damit Häcksler und Ladewagen nicht in den Felder versinken, kann bei Regen nicht geerntet werden. „Es braucht trockene Böden“, sagt Feuerreiter-Brindlinger. Die Häcksler laufen auf Hochtouren, um die begrenzten Zeitfenster bedienen zu können. Deswegen könne es passieren, sagt der AELF-Berater, dass auch nachts und an Wochenenden gefahren wird.

Autofahrer müssen, besonders im Landkreis-Norden, mit Behinderungen auf den Straßen rechnen, wenn die Häcksler zum nächsten Feld rollen oder die Ladewagen das Häckselgut abtransportieren. „Der Mais wird unter Landwirten auch innerhalb des Landkreises vermarktet“, weiß Feuerreiter-Brindlinger. Denn verarbeitet wird das „Kraftpaket vom Acker“ vor allem zu Silomais für Milchvieh und Rinder. „Eine gute Ergänzung zum eiweißreichen Grünfutter“, erklärt der Fachmann. Zudem wird Silomais als Substrat für Biogas-Anlagen genutzt. Im Landkreis spiele diese Nutzung aber ein untergeordnete Rolle, sagt Feuerreiter-Brindlinger.

Der Anbau von Mais im Landkreis hat in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen. 2007 waren es nur 500 Hektar, im Jahr 2021 verzeichnete die AELF-Statistik bereits 830 Hektar. „Man kann mit Mail viel Energie vom Hektar holen“, sagt Feuerreiter-Brindlinger. Zudem komme die Pflanze mit den Folgen des Klimawandels (wärmer und feuchter) gut zurecht.

Zuletzt pendelte sich der Maisanbau auf etwa 815 Hektar ein. Viel mehr dürfte es nicht werden, da als Folge des Volksbegehrens „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen“ jede Umwandlung von Grünland in Acker vom AELF und der Naturschutzbehörde genehmigt werden muss. „Das passiert selten“, sagt der AELF-Experte.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Holzkirchen-Newsletter.)