Diese Greifvogelart ist im Landkreis zwar inzwischen häufiger anzutreffen als früher, sie gilt aber in Bayern als „stark gefährdet“.
Mal fällt er auf, weil er am Himmel seine Kreise zieht, mal wegen seines gedehnten Schreis: der Rotmilan, ein Greifvogel, dessen Art in Bayern als „stark gefährdet“ gilt. Im Landkreis Weilheim-Schongau ist er allerdings inzwischen häufiger anzutreffen als früher, wie bei der Gruppe Garmisch-Partenkirchen/Weilheim-Schongau des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) zu erfahren ist. „Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gab es vor circa 15 Jahren gar keine Brutpaare und nur seltene Sichtungen“, so Birgit Wegmann vom LBV auf Anfrage. „Seit einigen Jahren gibt es sogar Reviere im Talkessel von Garmisch-Partenkirchen.“
Infolge von Klimawandel und steigenden Temperaturen kam der Rotmilan laut Wegmann von Norden und Nordosten her in die beiden Landkreise, für die die Regionalgruppe zuständig ist. „Auch die vielen Grünlandflächen bei uns mit dem inzwischen häufigen Mähen sind für den Rotmilan gut“, erklärt die LBV-Vertreterin. „Hier kann er gut nach Mäusen jagen.“
Der weltweite Bestand des Rotmilans wird dem Landesbund zufolge auf etwa 21 000 bis 25 500 Paare geschätzt. Davon leben ungefähr 10 500 bis 13 000 Paare in Deutschland, vor allem in den neuen Bundesländern. Weil etwa die Hälfte des kompletten Rotmilan-Bestands in Deutschland vorkommt, bedeutet das nach Wegmanns Worten: „Wir haben eine große Verantwortung für diesen Greifvogel.“
Wo lebt der Rotmilan am liebsten?
Mancherorts, etwa im östlichen Teil von Weilheim, ist der Anblick von kreisenden Rotmilanen durchaus ein vertrauter. Während die Greifvögel große geschlossene Waldgebiete meiden, mögen sie laut LBV-Onlineauftritt abwechslungsreiche, stark strukturierte Landschaften, oft in hügeligem oder bergigem Gelände. Ihr Jagdgebiet umfasse freie, landwirtschaftlich genutzte Flächen und fischreiche Gewässer, aber auch Ortschaften mit Mülldeponien sowie Landstraßen. Besonders ergiebig hinsichtlich der Beute seien aber – wie von Wegmann erwähnt – bewirtschaftete Wiesen, vor allem nach der Mahd.
Lesen Sie auch: Ihre Sender verraten es: Vier heuer geschlüpfte Störche sind schon auf anderem Kontinent
Auch wenn der Greifvogel in der Region häufiger zu sehen ist als früher: Unter anderem eine „lebensfeindliche Intensivlandwirtschaft“, aber auch Strommasten und Windräder als tödliche Fallen lösten dem LBV zufolge insgesamt einen bedrohlichen Abwärtstrend beim Rotmilan-Bestand in Deutschland aus. Seit den 1990er Jahren wurde ein Rückgang von über 30 Prozent verzeichnet.
Der Rotmilan
Mit einer Körpergröße bis zu 70 Zentimetern und einer Spannweite bis zu 1,65 Meter ist der Rotmilan nach See- und Steinadler der größte heimische Greifvogel. „Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Arten ist sein tief gegabelter Schwanz“, so der LBV. Die Grundfarbe des Rotmilans ist Rostbraun, kennzeichnend für den Vogel sind zudem ein großes weißes Feld auf der Unterseite der Flügel und ein weißlicher bis grauer Kopf. Der Schwanz des Tieres ist oben rostfarben und unten hellgrau bis hellbraun. Eine Unterscheidung von Männchen und Weibchen anhand des Gefieders ist laut LBV nicht möglich; Jungvögel haben einen etwas dunkleren Kopf. Mitteleuropäische Rotmilane sind meist Zugvögel.