13 Millionen für Andechs‘ Straßen

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Zwölf Kameras auf einem Gerüst: Aus drei Metern Höhe hat die Firma Eagleeyes die Straßen der Gemeinde Andechs untersucht und analysiert. © eagleeye

Die Straßen der Gemeinde Andechs befinden sich in einem mittelguten Zustand, der Gesamtinvestitionsbedarf beträgt 13 Millionen Euro. Das haben eine Befahrung mit Kameras und eine anschließende Analyse ergeben.

Andechs – „Dieses Ergebnis macht uns nicht so große Freude“ – mit diesen Worten leitete Andechs‘ Bürgermeister Georg Scheitz in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend das Thema Straßendatenerfassung ein. 100 000 Euro jährlich hat die Gemeinde im Haushalt eigentlich für Sanierung und Erhalt des Straßennetzes eingestellt. Hält sie daran fest, wird sich der Wert der Straßen von jetzt 2,8, das heißt mittlerer Zustand, bis 2033 auf 3,8 und damit einen schlechten Zustand entwickeln. Das hat eine Straßenbefahrung durch die Firma Eagleeye ergeben. Scheitz nutzte dies auch für Kritik an der „großen Politik“.

Abenteuerlich sehen sie aus, die Fahrzeuge der Firma Eagleeye mit ihrem Gerüst auf dem Dach und den insgesamt zwölf Kameras, die aus drei Meter Höhe im fließenden Verkehr die Straßen aufnehmen. Schon im Mai 2023 waren sie im ganzen Gemeindebereich unterwegs, fuhren jede Straße in jede Richtung und damit doppelt ab. Kim Gebauer von Eagleeye war extra aus Bochum angereist, um den Gemeinderäten die Arbeitsweise und vor allem die Erkenntnisse zu den insgesamt 42 Kilometern Straßenlänge zu erläutern. Die Ergebnisse der Befahrungen werden am Computer analysiert und auch im geografischen Informationssystem (GIS) abgebildet. Ob Asphalt, Beton, Betonstein- oder Natursteinpflaster oder aber wassergebunden, alles ist dort nun vermerkt.

Insgesamt erfassten die Kameras 834 befestigte Flächen mit einer Gesamtgröße von mehr als 220 000 Quadratmetern. Davon entfallen fast 170 000 Quadratmeter auf Fahrbahnflächen mit Asphalt. Die Flächen werden in insgesamt acht Zustandsklassen eingeteilt. Neue Straßen schaffen es in Klasse 1, bis 3 ist der Zustand gut, in 4 und 5 sind mittelfristig Maßnahmen zu planen, bei 6 und 7 ist eine intensive Beobachtung erforderlich, ab 8 der Schwellenwert überschritten, Maßnahmen sind überfällig. Bewertet wird dies nach den Empfehlungen für das Erhaltungsmanagement von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. Dafür werden allgemeine Unebenheiten, Risse, Flickstellen, die Tiefe der Spurrinnen oder Oberflächenschäden erfasst. Die Gemeinde Andechs landete mit ihrem Gesamtwert von 2,7 in der Zustandsklasse 4.

Würde Andechs nichts tun, wären Sperrungen unumgänglich

Gebauer erklärte auch, dass Straßen altern. Bei einer Nutzungsdauer von 40 bis 50 Jahren mehren sich Risse, Flickstellen und Oberflächenschäden, aber auch Spurrinnen und allgemeine Unebenheiten. Gerade Risse gelten als Indiz für eine Überbeanspruchung des Oberbaus, viel Verkehr und Temperaturbelastungen. Aufwölbungen und Setzungen können bedingt sein durch unzureichende Verfestigung des Ober- oder Unterbaus, eindringendes Wasser unterspült die ungebundenen Schichten und gibt der Straße den Rest.

Wenn die Gemeinde nun bis 2033 gar nichts machen würde an ihren Straßen, würde der durchschnittliche Straßenwert 3,9 erreichen, also Zustandsklasse 6. „Über drei Viertel der befestigten Flächen hätten einen kritischen Zustand erreicht“, so Gebauer. Konsequenz: „Verkehrsbeschränkungen bis hin zu Straßensperrungen.“ Ein Beispiel dafür hatte Gebauer parat: Die Sperrung der Autobahnbrücke an der A45 bei Lüdenscheid. „Das ist eine Katastrophe für die Menschen dort, seit sechs Jahren.“

Würde die Gemeinde Andechs über ein unbegrenztes Budget verfügen, müsste sie im ersten Jahr vier Millionen Euro in die Hand nehmen, insgesamt über die nächsten zehn Jahre 13 Millionen Euro. Die Straßen würden dann mit 1,9 bewertet, das wäre Zustandsklasse 2.

100 000 Euro im Jahr reichen nicht

Die Gemeinde hat aber nun 100 000 Euro jährlich im Haushalt eingestellt. „Die Summe reicht nicht aus, um das derzeitige Niveau zu halten“, sagte Gebauer. Insgesamt würde das Straßennetz nicht entsprechend seines Gebrauchsalters erhalten. Im Vergleich zur Strategie „nichts tun“ würde sich der Zustandswert mit den 100 000 Euro nur geringfügig verbessern.

„Ich bin der Überbringer schlechter Nachrichten“, schloss Gebauer. „Wir sehen, dass in unserem Land wenig ausgegeben wurde.“ Das münde in so katastrophale Sperrungen wie der A 45 bei Lüdenscheid. „Infrastruktur spielt eine Riesenrolle, ich kann nur an Sie appellieren.“ Dazu gehöre auch eine weitere Befahrung spätestens 2033. Gebauer empfahl, beim Erhaltungsmanagement der Straßen auch die Bedeutung abzuwägen und zu priorisieren. Nötig sei auch eine Konstanz, „sie müssen stetig und ständig etwas machen“.

Die Summe reicht nicht aus, um das derzeitige Niveau zu halten.

Im Gremium herrschte Einigkeit darüber, dass das neue Datenwerk sinnvoll ist. „Es ist gut, dass man weiß: Wo stehen wir“, kommentierte Scheitz den Vortrag. Die Verwaltung könne nun besser arbeiten. Geschäftsstellenleiter Michael Kuch wies allerdings darauf hin, dass die Gemeinde den Haushaltsansatz schon verdoppelt habe. Mit einstimmigem Beschluss beauftragte das Gremium die Verwaltung, die Ergebnisse für die Haushaltsberatungen aufzubereiten.

„Wir sollten aber auch nach oben schauen“, sagte Scheitz schließlich noch mit Blick auf die Bundespolitik. Aufgrund der Einwohnerzahl profitiert Andechs nicht von der Städtebauförderung. Dazu komme die Mehrwertsteuer. „Es wäre wichtig, diese 19 Prozent erlassen zu bekommen.“ So aber verdiene der Staat auch noch am Straßenbau der Kommunen, die ohnehin immer mehr tragen müssten. „Meine Botschaft an die große Politik: Denkt auch an die kleinen Kommunen.“

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