Erdinger Stillberaterin: „Stillen ist für mich immer noch ein Wunder“

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Eine Babypuppe und zwei Demo-Brüste aus Silikon beziehungsweise Wolle nutzt Stillberaterin Lisa Hinterwimmer bei ihrer Arbeit. © Gerda Gebel

Schmerzen beim Anlegen, zu viel oder zu wenig Milch: Lisa Hinterwimmer aus Langengeisling hilft als Stillberaterin jungen Müttern.

Langengeisling – Obwohl das Stillen eines Babys seit Anbeginn der Menschheit zu den natürlichsten Vorgängen gehört, können dabei vielerlei Probleme auftreten. Dies musste auch Lisa Hinterwimmer erfahren. Sie hat daraus gelernt und sich nebenberuflich zur zertifizierten Stillberaterin ausbilden lassen.

Als die 29-jährige Langengeislingerin vor drei Jahren Mama wurde, war für sie klar, dass sie ihr Baby stillen würde. Doch so einfach war das nicht. Fehlende Aufklärung und falsche Infos in der Klinik führten zu Problemen. „Ich habe selbst viel dazu gelesen, da ich nicht wusste, dass es so etwas wie eine Stillberatung überhaupt gibt“, erzählt die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau, die mit der jetzt elfmonatigen Tochter in Elternzeit ist.

Gab es vor einigen Jahren nur wenige Stillberaterinnen, so werden es zunehmend mehr. Auch im Landkreis Erding gibt es einige. Der Bedarf steigt nicht zuletzt wegen fehlender Hebammen für Nachsorge. Auch in Hinterwimmers Freundeskreis klagten Frauen über Stillprobleme. So entschloss sich die zweifache Mutter, sich fortzubilden. Sie absolvierte einen sechsmonatigen Online-Fernkurs mit Abschlussprüfung in Sindelfingen. Seit Februar 2023 darf sie sich zertifizierte Stillberatin nennen.

Der Firmenname „Stillwunder“ resultiert aus ihrem eigenen Gefühl: „Stillen ist für mich immer noch ein Wunder, bei dem man dem natürlichen Instinkt folgen sollte“, sagt Hinterwimmer aus Überzeugung. 50 junge Mütter hat sie bislang beraten, die meisten kommen auf Empfehlung zu ihr.

Auch bei Fragen zur Beikost oder zur Flaschenfütterung kann Hinterwimmer helfen. Sie bietet einen Online-Kurs zur Stillvorbereitung an, der für Schwangere ab der 25. Woche sinnvoll ist. Nach der Geburt unterstützt sie bei Hausbesuchen, oder auch online, falls die Entfernung zu groß ist.

Stillprobleme sind vielfältig. „Es können Schmerzen beim Anlegen auftreten, die Milchmenge kann zu wenig oder auch zu viel sein“, sagt Hinterwimmer. Sie klärt bei ihrem Besuch über die richtige Anlegetechnik auf, prüft, ob beim Baby das Zungenbändchen zu kurz ist, was das Saugen erschwert, und räumt mit einigen hartnäckigen Mythen auf. So dürfe die stillende Mutter entgegen manchen Warnungen so ziemlich alles essen und müsse weder auf Zwiebeln noch Orangensaft verzichten. „Die Milch wird über den Blutkreislauf gebildet und nicht über den Mageninhalt der Mutter“, sagt Hinterwimmer. Auch Frauen mit Brustimplantaten könnten durchaus stillen, sofern das Implantat unter dem Brustmuskel liege.

„Ich möchte einfach, dass bei den Müttern das Stillen klappt“ sagt Hinterwimmer, betont aber: „Keiner muss stillen.“ Auch die Dauer des Stillens sei ganz individuell. „Wenn die Mutter hinter dem Stillen steht, dann läuft es. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Hinterwimmer.

Sie selbst sei beim zweiten Kind auch viel entspannter gewesen. Junge Mütter seien oft verunsichert. Ihnen rät die Langengeislingerin, mehr auf ihr Gefühl zu hören, denn jedes Kind sei einfach anders.

Auch das Abstillen beschäftigt viele Frauen. Dabei verwöhne die leichtere Nahrungsaufnahme über den Flaschensauger die Babys, die sich an der Brust doch mehr anstrengen müssen. Hier schlägt die Fachfrau eine stillfreundliche Zufütterung vor, mit der das Baby parallel zur Brust Flaschennahrung über einen Schlauch erhält.

Eine Erklärung hat sie auch für die abendliche Unruhe mancher Babys, die dann häufig an die Brust wollen. „Dies liegt am erhöhten Prolaktinspiegel der Mutter, den die Babys förmlich riechen“, sagt die Stillberaterin. Dieses Hormon stimuliert das Wachstum der Brustdrüse während der Schwangerschaft und führt zur Milchproduktion. Außerdem holen sich die Babys an der Brust nicht nur Milch, sondern auch Zuwendung und Körperkontakt, den sie zur Verarbeitung der Erlebnisse des Tages brauchen.

Bei ihrem Hausbesuch kann sie akute Fragen beantworten, danach steht sie den Müttern für weitere Infos über WhatsApp ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung. Auch wenn sie im März wieder in Teilzeit in ihrem Beruf einsteigt, wird es die Stillberatung weiter geben, denn „auch für mich ist es sehr befriedigend, wenn das Stillen dann problemlos klappt“, sagt Lisa Hinterwimmer.

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