Ziele des Sturzflut-Risikomanagements in Tegernsee sind, die Befahrbarkeit der B307 zu sichern, das Seniorenheim Schwaighof zu schützen und schadhafte Ausuferungen an mehreren Bächen zu verhindern.
Tegernsee/Rottach-Egern – Beim Infoabend im Seeforum Rottach-Egern betonte der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn: „Die vergangenen Starkregenereignisse haben gezeigt, dass wir handeln müssen. Wir können Hochwasser nicht verhindern, aber die Auswirkungen begrenzen.“
Sturzflutmanagement in Tegernsee mit Maßnahmen und Eigenverantwortung
Ein Problem sind die engen Verrohrungen am Leebergbach. Hier sollen größere Durchlässe für besseren Wasserabfluss sorgen. An der B307 werden beispielsweise Notwasserwege eingerichtet, indem Bordsteine abgesenkt werden.
Besonders das Seniorenheim Schwaighof steht im Fokus, da sich das Wasser dort sammeln und ins Gebäude eindringen würde. Eine flache Mulde oder ein Kleinwall soll es künftig in den Schwaighofbach leiten. „Das Seniorenheim ist besonders sensibel, da dort Menschen leben, die nicht einfach fliehen können“, sagte Hagn.
Auch die Gemeinde Weyarn hat sich über das Thema Sturzflut-Risikomanagement Gedanken gemacht.
Da viele Bäche über private Grundstücke verlaufen, appelliert die Stadt an die Eigentümer, Durchlässe freizuhalten und keine schwimmfähigen Materialien zu lagern. Planungsexperte Stefan Kanne von der Firma Fichtner GmbH erklärte: „Verstopfte Durchlässe können zu Überflutungen führen, die vermeidbar wären.“
Eigenverantwortung der Bürger
Laut Wasserhaushaltsgesetz, Paragraf 5, sind Anwohner verpflichtet, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Kanne machte klar: „Starkregen kann jeden treffen. Fragen Sie sich: Wo kann bei mir Wasser eindringen? Und wie kann ich das verhindern?“
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Drei zentrale Bereiche der Eigenvorsorge sind wichtig: Informationsvorsorge durch Hochwasser-Apps und Gefahrenkarten, Verhaltensvorsorge mit Versicherungsschutz und richtiger Lagerung im Keller sowie technische Maßnahmen wie erhöhte Lichtschächte oder Schutzvorrichtungen für Tiefgaragen.
„Wir können nicht alles mit städtischen Maßnahmen lösen. Jeder muss seinen Teil beitragen“, betonte Johannes Hagn. Ein Beispiel sind selbsttätig aufschwimmende Schutzvorrichtungen für Tiefgaragen, die sich automatisch schließen, sobald Wasser eindringt.
Modellberechnungen und interaktive Karten
Ein hydrologisches Modell simulierte die Szenarien im Bereich Tegernsee-Süd ohne und mit den geplanten Maßnahmen. Stefan Kanne erklärte: „Die Berechnungen zeigen, dass die Maßnahmen eine deutliche Verbesserung bringen werden.“
Interaktive Karten mit betroffenen Bereichen und geplanten Maßnahmen gibt es auf der Homepage der Stadt Tegernsee. Die Stadt setzt auf eine Kombination aus technischen Verbesserungen und Eigenverantwortung der Bürger, um künftige Hochwasserschäden zu minimieren. „Gemeinsam können wir unsere Stadt widerstandsfähiger machen“, erklärte Hagn. Im Anschluss konnten die Bürger Fragen stellen und Gefahrenbereiche an Wandtafeln genauer einsehen. Stephanie Dunkl
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