Lebensgefahr auf dem Schulweg in Sauerlach

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Teilweise mitten auf der Straße wie hier am Lindenweg fahren die Schüler mit ihren Rollern zur Schule. In dichtem Autoverkehr kann das schnell gefährlich werden. © Volker Camehn

Aufgrund von Bauarbeiten an der Wolfratshausener Straße müssen Schulkinder in Sauerlach aktuell auf andere Straßen ausweichen. Doch die Alternativwege sind schmal, oft kommt es hier zu brenzligen Situationen mit Autofahrern.

Sauerlach - Heike Preuß ist beunruhigt. „Ich mache mir Sorgen um die Kinder.“ Und: „Ich will mir nicht vorwerfen lassen, nichts gesagt zu haben.“ Was die Sauerlacher Immobilienmaklerin umtreibt: „In Sauerlach wird seit Monaten der Anschluss für Deutsche Glasfaser und zugleich für die Geothermie in der Wolfratshausener Straße und den umliegenden Straßen gelegt.“ Eine notwendige Maßnahme, aber für die Sauerlacher Schulkinder sei der Schulweg deshalb „lebensgefährlich“, so Preuß.

Kinder fahren eng an Autos vorbei

Denn aufgrund der Bauarbeiten würden viele Schulkinder derzeit auf den Lindenweg und den Stauchartingerweg ausweichen. „Die kommen mit ihren Rollern auf der linken und rechten Seite. Einige fahren forsch, einige sind sehr ängstlich, fahren an die Wiesenkante, fallen fast hin“, hat Preuß beobachtet. Die Autos kommen hier zudem aus beiden Richtungen. Das kann eng werden. Und da der Lindenweg außerhalb der Ortschaft liegt, dürften Pkw hier sogar 100 km/h fahren. Preuß fordert hier deshalb auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h.

Heike Preuß macht sich Sorgen um die Sicherheit der Schüler in Sauerlach. Täglich beobachtet sie gefährliche Situationen.
Heike Preuß macht sich Sorgen um die Sicherheit der Schüler in Sauerlach. Täglich beobachtet sie gefährliche Situationen. © Volker Camehn

„Eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist theoretisch möglich“, räumt Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) auf Anfrage ein. Bloß: „Wer kontrolliert das dann?“ Mittlerweile habe man aber Schulweghelfer, unter anderem an der Kirchstraße, postiert. „Zudem haben wir auch die Eltern gebeten, ihre Kinder zu begleiten.“ Gemeinderat Götz von Borries (UBV) sieht diese verstärkt in der Pflicht: „Mir ist unverständlich, warum sie ihre Kinder auf die mit zunehmenden Verkehr belasteten Straßen Lindenweg und Stauchartinger Weg verweisen. Das ist unverantwortlich.“

Tempo 30 ausgeschildert

Die Baumaßnahmen ließen sich nun mal nicht vermeiden, sagt Gemeinderat Axel Horn (Grüne). „Wir müssen deshalb mit der provisorischen Verkehrsführung klarkommen.“ Und er gib Entwarnung: „Nach meiner Beobachtung jedenfalls wird auf der Ausweichroute über den Stauchartinger Weg vernünftig gefahren. Zwischen Deisenhofener Straße und Lindenweg ist Tempo 30 ausgeschildert, aber auch im weiteren Verlauf habe ich noch niemanden erlebt, der da mehr als 50 gefahren ist.“

Eine Beschilderung für ein Tempolimit sollte kein Problem sein, glaubt Michael Hohenleitner (CSU), appelliert aber an Grundsätzliches: „Wenn jeder auf den anderen schaut, der Stärkere auf den Schwächeren, der Größere auf den Kleineren, dann klappt es auch. Leider ist unsere Gesellschaft dabei, all diese Tugenden zu verlernen.“

Aktuelle Situation „ist untragbar“

Parteikollege Markus Hoffmann schlägt da schärfere Töne an: „Wir haben an mehreren Stellen im Gemeindegebiet den absurden Zustand, dass 100 km/h gefahren werden darf: etwa am Stauchartinger Weg ortsauswärts oder auch am Pechlerweg bis zum Friedhof. Das habe ich schon mehrfach im Gemeinderat angesprochen und immer nur die Antwort erhalten, dass an der Beschilderung nichts geändert wird.“ Die aktuelle Situation halte er für „untragbar“. Vor allem im Bereich Kirchstraße/Stauchartinger Weg/Lindenweg komme es regelmäßig zu brenzligen Situationen. Jeder Tag, den die Sperrung der Wolfratshausener Straße länger dauere, „ist ein gefährlicher Tag für unsere Schulkinder!“ Im Rathaus existiere dafür „null Problembewusstsein“.

Bauarbeiten noch bis Mitte November

Die Sicherheit der Schulkinder habe höchste Priorität, betont auch SPD-Mann Babak Afshar. Er wolle im Bauauschuss „eine zügige Klärung“ erreichen. Ursula Gresser (FDP) sieht indes wenig Möglichkeiten, die derzeitige Lage zu verbessern: „In Bauausschuss und Gemeinderat sind die unkoordinierten Bauausführungen seit Monaten Thema, aber wir haben keine Einflussmöglichkeiten. Der Gesetzgeber gibt uns keine Handhabe. Ich wüsste auch nur den Rat, das Tempo auf 10 km/h zu beschränken und Schulweghelfer hinzustellen.“

Ein wenig müssen sich die Sauerlacher aber wohl noch gedulden: Nach Informationen von Rathauschefin Barbara Bogner sollen die Bauarbeiten in der Wolfratshausener Straße voraussichtlich Mitte November abgeschlossen sein.

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