100 Jahre Staffelsee-Gymnasium: Eine Feier, die in Erinnerung bleibt

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Gratulation zum Hundertsten: Schüler eröffnen den Festakt mit einer Revue. © Mayr

Das Staffelsee-Gymnasium feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einer zweieinhalbstündigen Feier. Trotz der Länge beschreiben Gäste das Event als 'kurzweilig'. Der Schulleiter Tobias Schürmer wird für seine Inszenierung der Feier gelobt.

Man musste nur die Menschen am Buffet fragen, was man nun zu halten hatte von dieser Geburtstagsfeier. Über zweieinhalb Stunden für das Opus Magnum der 100-Jahr-Feier am Murnauer Staffelsee-Gymnasium (SGM). Kann das überhaupt gut gehen, wo das Programm doch zwei Seiten füllte und die Rednerliste, was die Länge angeht, an einen Parteitag erinnerte? Und wie das funktionierte. „Kurzweilig“ war das Wort des Nachmittags, das so ziemlich jeder Gast einmal in den Mund nahm. Die zweieinhalb Stunden waren geprägt von süßen Noten und einer Tiefe, die vorzüglich zu genießen war. Aber der Reihe nach.

Beginnen muss man bei Tobias Schürmer. Er wird in die Geschichte dieses Gymnasiums eingehen. Und zwar als der Schulleiter, der diesen 100. Geburtstag in einer Würde, Pracht und vor allem einer Größe inszeniert hat, wie das nur richtig ist für eine Schule, die Abertausende gebildet und noch mehr geprägt hat. Viele im Guten, manche im schlechten, das bleibt nicht aus in 100 Jahren. Schürmer hat das ganze Schuljahr diesem großen Geburtstag gewidmet. Das mag mancher im Kollegium ob der üblichen Lasten im Alltag abschätzig als gigantomanisch abgetan haben. Wer von außen auf das Gymnasium blickt, kann das nur gutheißen.

Ehrung: Direktor Tobias Schürmer überreicht Gerhard Haberl eine Holzplakette.
Ehrung: Direktor Tobias Schürmer (l.) überreicht Gerhard Haberl eine Holzplakette. © Mayr

Der Schulleiter sucht noch seinen Platz in der Reihe neben den großen Persönlichkeiten. Er führte das selbst aus an dem Tag, der für alle vor ihm gedacht war. Sein Vorgänger Josef Holzmann war als „Schulleiter der Herzen“ bekannt. „Das war eine gewisse Bürde als Nachfolger“, sagt Schürmer. Sein Vorvorgänger Gerhard Haberl wiederum führte das SGM mit beispielloser Präzision für 25 Jahre, fürchtete keine unbeliebte Entscheidung. Die beiden zeichnete Schürmer gemeinsam mit Stefan Kohler, dem ewigen, zuverlässigen Vize im Hintergrund, mit Ehrenplaketten aus. Die drei, sagte der Direktor, wolle er hervorheben unter den vielen Menschen, die man hätte aufzählen können.

Riesiger Pool an Talenten

Diese Feier war angelehnt an eine Zeitreise, eine in Wort und Bild – und diese Reise hatte natürlich ihre Stars. Am hellsten funkelten die Tänzerinnen und der Tänzer. Ein Wahlkurs, eigens in diesem Schuljahr angeboten von den Sportlehrerinnen Birte Thude und Christine Kopp, der die Gäste musikalisch durch die Jahrzehnte führte. Sie eröffneten mit einer Revue der 1920er Jahre, sie fielen nacheinander zu Boden in dieser Holocaust-Szene, die einem die Luft abschnürte. Sie trugen mal Aerobic-Anzüge, mal Lederjacken und am Ende, als sie in 2024 angekommen waren, das, was alle Mädchen und Jungen heute auf TikTok tragen. Ein Gymnasium, noch dazu eines mit 1000 Menschen, ist ein riesiger Pool an Talenten. Wer bei Geigerin Janina Spindler die Augen schloss, wäre nicht darauf gekommen, dass da eine Neuntklässlerin auf der Bühne Strich um Strich setzte. Bei einem Quiz standen sich Teams aus Schülern, Lehrern, Ehrengästen gegenüber, sollten Kinderbilder vom Direktor erkennen oder im Publikum erahnen, wer denn da einmal einen Verweis bekommen hat. Das war grenzenlose Gaudi.

Interviews mit Ehrengästen

Gerade weil diese Melange an Einlagen so leicht bekömmlich war, ließen sich auch die zähen Momente gut überstehen. Die formalen Gepflogenheiten, die unabdingbar sind, die Reden, die schneller vergessen sind, als sie gesprochen werden. Aber: Auch das federten die Organisatoren galant ab. Manchen Ehrengast, wie Bürgermeister Rolf Beuting oder die Vertreter von Elternbeirat und Förderverein, holten sie einfach zum Interview auf die Bühne, und da kamen viel unterhaltsamere Worte heraus, als das eine Rede hätte schaffen können. Professor Manfred Stöhrer erzählte etwa von den raffinierten Bausparverträgen, die den Neubau an der Sollerstraße 1967 erst möglich machten. In Deutschland, vermutete der ehemalige UKM-Chefarzt, dürfte das so ziemlich einmalig sein, dass ein Förderkreis eine Schule entstehen hat lassen.

Am Ende sang der Schulchor dann noch „Happy Birthday“ in einer Version von Stevie Wonder und pustete damit die Kerzen einer perfekt gestalteten Hochzeitstorte aus.

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