Das Isar-Floß in Wallgau ist zuletzt in Vergessenheit geraten. Dabei bot es Besuchern in der Vergangenheit geradezu magische Momente in mystischer Atmosphäre. Der schleichende Verfall dieser Bühne in freier Natur soll nun gestoppt werden.
Wallgau – Langsam wächst Gras über die Sache – ein Umstand, der Hans Baur (Junge Mitarbeiter) gar nicht behagen will. Mit Sorge schaut der 75-Jährige hinunter zur Isar, dorthin, wo seit sechs Jahren ein Floß liegt, von Buschwerk und Gras umhüllt. Auch diverse Bretter sind morsch. Alles andere als eine Visitenkarte für den Tourismus㈠ort Wallgau. Einige im Dorf sprechen schon von Abriss. Ein Wort, das Baur gar nicht hören möchte. „Das wäre unglaublich schade.“ Nicht zuletzt deshalb, weil die Idee von ihm stammt.
Mit dem Ansinnen, das 18 mal 7 Meter große Holzkonstrukt wieder in Schuss zu bringen, stieß der Gemeinderat nun bei seinen Amtskollegen auf allgemeine Zustimmung. Exemplarisch dafür steht die Sichtweise des Bürgermeisters. „Ich würde es gerne erhalten“, sagt Bastian Eiter (Wählerverein). Aus dem Rathaus geht nun der klare Auftrag an Hans Baur, sich um die Ertüchtigung der einstigen Dorf-Attraktion zu kümmern. „Viel ist ja nicht zu machen“, findet der Gemeinderat. „Die Stämme passen, nur die Bretter sind kaputt“, ergänzt Bastian Eiter.
Damit kann womöglich an die Erfolgsgeschichte angeknüpft werden, die im Frühsommer 2018 ihren Anfang nahm. Seinerzeit regte Baur, lange Jahre Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbands, an, im Rahmen der Landesausstellung Mythos Bayern in Kloster Ettal einen ganz speziellen und ortshistorisch einwandfreien Beitrag Wall㈠gaus zu liefern – eben jenes Floß, das an einen wichtigen Broterwerb erinnern sollte: die Isar-Flößerei. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt gab schließlich grünes Licht für ein zunächst temporäres Bauwerk. Die befristete Baugenehmigung galt ursprünglich bis 30. November 2018. Doch dann fanden die Wallgauer immer mehr Gefallen an ihrem Isarfloß, das Fachmann Michael Angermeier aus Arzbach zusammengezimmert hatte.
„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das bei uns so einschlagen würde“, sagte der damalige Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). Nicht nur für ihn war das nostalgische Bauwerk ein „Volltreffer“. Mit gutem Zureden schafften es die Wallgauer, zum einen dem Landkreis das Floß abzulösen, zum anderen dass es an Ort und Stelle verbleiben darf.
Und das Isar-Floß wurde vielfach genutzt – als Freilichtbühne für die Theaterer oder die heimische Musikkapelle. Gerade im Hochsommer, wenn die Sonne langsam unterging, glich der Veranstaltungsort einem geradezu magisch-mystischen Ort an Deutschlands angeblich letztem Wildfluss.
Während und nach der Corona-Pandemie fielen Auftritte auf der Floßbühne sporadischer aus. Der Bürgermeister spricht von einem Kurkonzert pro Jahr. Auch heuer soll noch einmal aufgespielt werden. Die Gemeinde zahlt übrigens dem Grundstückseigentümer, dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim, eine moderate jährliche Pacht. Zudem erinnert an Ort und Stelle eine Info-Tafel an die Wallgauer Isar-Flößerei.
Nun also ist erst mal Hans Baur am Zug. Er soll sich laut Bürgermeister Eiter „freiwillige Mitstreiter“ suchen, die dem Floß wieder alten Glanz verleihen sollen. Wer helfen will, kann sich mit Baur per E-Mail an baur-wallgau@gmx.de in Verbindung setzen.