Das EM-Basecamp der Schotten erzielt unbezahlbaren Werbewert für Garmisch-Partenkirchen: 4,7 Millionen Euro hätte der Markt investieren müssen. Kommt bald ein Topteam?
Garmisch-Partenkirchen – Die Fußball-Europameisterschaft ist abgehakt. Spanien hat den Titel geholt, das Turnier ist beendet. Erstmals hat es das Flair eines solch großen Turniers auch bis nach Garmisch-Partenkirchen geschafft. Die Marktgemeinde war als Basecamp Gastgeber für die schottische Nationalmannschaft. Das Aus für die Gäste von der Insel kam früh – direkt nach der Vorrunde. Und doch bleibt ihr Aufenthalt in Erinnerung. Da war dieser unglaubliche Auftakt in der Bayerhalle mit Spaßvogel John McGinn als Schuhplattler, der Bilder produzierte, die um die Welt gingen. Nationale wie internationale Medien berichteten immer wieder über die Schotten – und Garmisch-Partenkirchen. Im Gemeinderat nutzte Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) eine Anfrage von Martin Sielmann, um ein kleines Fazit ziehen. Demnach hätten die Beiträge über Schottland und die EM mit Bezug zur Marktgemeinde ein Publikum von rund 70 Millionen Menschen erreicht.
Koch lachte, als sie bei den öffentlichen Bekanntgaben zu diesem Punkt kam. „Dieser Frage beantworte ich nur zu gerne“, jubilierte die Rathauschefin. Was ihr bei Einlassungen des FDP-Manns sonst nicht ganz so oft über die Lippen rutscht. Sielmann hatte gefragt, „welche Dividende“ die Investition in den neuen Rasen im Stadion am Gröben und der Aufenthalt der Schotten gebracht hätten? Neben den 70 Millionen Menschen gab es eine zweite Zahl, die aufzeigte, wie erfolgreich das Basecamp der Schotten zu bewerten ist. Eine Agentur, die GaPa Tourismus beauftragt hatte, errechnete einen Werbewert von rund 4,7 Millionen Euro. Was das genau bedeutet, erläuterte Geschäftsführer Walter Rutz gegenüber dem Tagblatt: „Das heißt, dass wir für eine solche Reichweite eigentlich Werbung für rund 4,7 Millionen Euro hätten kaufen müssen.“ Finanzmittel, die „ich natürlich gar nicht habe“, versicherte Rutz. „Das wären zwei Drittel meine Jahresbudgets.“ Insofern war sich Koch in der Sitzung sicher, dass die rund 600 000 Euro – abgerechnet sind bisher rund 520 000 Euro – für das EM-taugliche Spielfeld am Gröben sehr wohl eine rentable Ausgabe darstellen.
Insbesondere Christian Wolf vom Teamhotel Obermühle war sich im Vorfeld schon sicher gewesen, dass das Basecamp nachhallen, also nachhaltig Effekte für den Ort produzieren würde. Damit lag er offenbar nicht verkehrt. Das Interesse an Garmisch-Partenkirchen in Fußballkreisen scheint deutlich gewachsen zu sein. „Am Tag nach der Abreise der Schotten gab es bereits eine Anfrage einer Agentur“, verriet Koch im Gemeinderat. Offenbar gibt es auch bereits Interessensbekundungen für die Jahre 2025 und 2026. „Vielleicht haben wir sogar die Möglichkeit, dass ein Champions-League-Teilnehmer zu uns kommt. Das werden wir alles verhandeln.“
Nicht nur auf dem sportlichen Sektor gibt es positive Effekte. Auch die Touristiker bekommen viel Rückmeldung. „Bei uns rufen Menschen aus Schottland an, die hier Urlaub machen wollen“, sagt Rutz. Dass dieses Interesse zumindest zu einem Teil auf die Werbeaktion in den dortigen Großstädten und an Flughäfen zurückzuführen ist, beweist der Hinweis der Anrufer, dass sie die Plakate mit dem Bayern und dem Schotten gesehen hätten. „Was wirklich lustig ist, dass wir sogar Anfragen bekommen, dass die Leute dann auch gleich Andrew Syme treffen wollen, der ja auf den Plakaten war.“ Der Schotte, der seit über 30 Jahren unter der Alpspitze lebt und als Gastronom wirkt, war in vielen Berichten von britischen Medien vorgekommen – quasi als Botschafter der Heimat in den Bergen.
Eine Art Ritterschlag für die Bemühungen der Garmisch-Partenkirchner Verantwortlichen stellte eine Reaktion des Bundespresseamts in Berlin dar. Sogar dort wurden die intensiven Bemühungen insbesondere aus dem Rathaus wahrgenommen und gewürdigt. Leiter Johannes Dimroth, bestens bekannt aus G7-Zeiten in Garmisch-Partenkirchen, schrieb der Bürgermeisterin mit bewundernden Worten. Ein Lob für die politische Spitze konnte sich auch Rutz nicht verkneifen. „Das muss man ihr lassen: Ihren Ort zu repräsentieren, das macht sie schon sehr gut.“ Der Tourismusdirektor sieht aber auch das Miteinander im Ort als extrem gelungen an. „Egal ob Public Viewing oder die anderen Aktionen, wir haben wirklich gemeinsam etwas auf die Beine gestellt, und das ist sehr positiv.“ Und für den Einsatz von lediglich 30 000 Euro an Finanzmitteln für Werbung hat der Ort wahrlich ein Maximum an Aufmerksamkeit zurückerhalten. „Freilich ist da immer auch ein bisschen Glück dabei“, schränkt die Bürgermeisterin ein. „Dass John McGinn da in der Bayernhalle mitmacht oder das Video von Rod Stewart, das kannst du alles ja nicht planen.“