Das Reutberger Christkindl hat eine außergewöhnliche Reise hinter sich. Beim Christkindl-Singen erfuhren Besucher von seiner bewegten Vergangenheit.
Sachsenkam – Es gibt viele Menschen, die in den Weihnachtstagen das Christkindl in der Reutberger Klosterkirche besuchen. Das hölzerne Kindl, das dort vor dem rechten Seitenaltar in seiner Krippe liegt, ist ein ganz besonderes. Besonders war auch die Atmosphäre beim Christkindl-Singen: Aus wunderschönen Melodien und Liedern im Wechsel mit Textbeiträgen über die außergewöhnliche Geschichte des Reutberger Christkindls entstand in der ebenso wunderschön renovierten Klosterkirche eine andachtsvolles und festliches Weihnachtserlebnis.
Reutberger Christkind geht auf das 17. Jahrhundert zurück
Die Geschichte des Kindes zieht sich über einige Jahrhunderte und hat dabei viele schicksalsträchtige Ereignisse überdauert, wie vor allem der 2004 verstorbene vormalige Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller recherchierte. Martin Wieland, bekannt als Moderator auf BR-Heimat und nun auch Sprecher beim volksmusikalisch gestalteten Christkindl-Singen, hatte wesentliche Stationen dieses Werdeganges aufgegriffen und zu einem spannenden „Lebenslauf“ zusammengefügt.
Ihren Anfang hat die Historie des Reutberger Kindls zu Beginn des 17. Jahrhunderts. „Wo es künstlerisch geboren wurde, lässt sich nicht mehr sagen“, so Wieland. „Aufgewachsen“ aber sei es wie sein Urbild Jesus Christus selbst im Heiligen Land. Im Geburtsort Christi, in Bethlehem, sei es immer an Weihnachten in der von Franziskanern betreuten Geburtskirche in die sogenannte Geburtsgrotte gelegt worden. Eine erste schriftliche Erwähnung dazu stammt aus dem Jahr 1635. Als der Sultan es für sich beschlagnahmen ließ, hätten es die Franziskaner gegen ein Lösegeld zurückgekauft.
Heimkehr auf den Reutberg im Jahr 1743
Die Verbindung zum Reutberg entstand demnach durch den Franziskaner-Pater Nicephorus Fischer, der einige Zeit als Kaplan und Spiritual hier gewirkt hatte, bevor er 1740 dann ins Heilige Land übersiedelte, wo er in der Franziskaner-Gemeinschaft in Bethlehem als Guardian aufgestellt wurde. Der Ausbruch der Pest mit Kontaktverboten und danach drei anderweitig gestiftete kostbare Kindlein waren ursächlich, dass das Original dort schließlich nicht mehr verwendet und in einem „dunklen Kasten“ eingelagert wurde. Nicephorus erbat sich daraufhin das Kindl und vertraute es einem Ordensbruder an, der wieder nach Bayern zurückkehren wollte.
Auf dem Monate dauernden Rückweg mit Zwischenstation in Wien wollten Mitbrüder den Schatz wiederum für sich gewinnen, um ihn Kaiserin Maria Theresia zu schenken. Doch der Heimkehrer hielt sich an seinen Auftrag, und so kam das Kindl 1743 im Kloster Reutberg an, wo es nach Begutachtung durch das Ordinariat alsbald zur Verehrung öffentlich ausgesetzt wurde.
Staunen und Ehrfurcht in der vollbesetzten Kirche
Diese im Detail lange Geschichte, die Martin Wieland aufgegliedert in mehrere Abschnitte und mit gekonnter Rhetorik vortrug, ließ Staunen und Ehrfurcht in der vollbesetzten Kirche nahezu greifbar werden. Doch war es nicht die Geschichte allein, die berührte. Verehrung fand das Christkind auch in den Liedern, die der hervorragende Sagschneider Dreigesang wirkungsvoll platzierte. Instrumental wechselten sich Alexander Pointner an der Orgel, die Gaißacher Zithermusi, das Trio Halb und Halb mit Ziach, Gitarre und Kontrabass sowie die Wackersberger Bläser in der Besetzung mit zwei Flügelhörnern, zwei Ventilposaunen und Tuba ab – jede Gruppe in ihrer Art und Klangform ein Seelenwärmer.
Nach dem vielstimmig gesungenen „Nun freut euch ihr Christen“ spendete Spiritual Markus Gottswinter den Segen – mit dem Reutberger Christkindl, das auch die Säkularisation und Kriege unbeschadet überstand und das Kloster schon vor mancher Dunkelheit bewahrt habe, wie Wieland hervorhob: „Bethlehem is überoi, aber vor allem do herobn aufm Reutberg.“ (Rosi Bauer)