Ziemlich überraschend kam für viele Amberger die Aussage ihres Bürgermeisters, als er bei der Bürgerversammlung im November verkündete, dass die seit Jahren leerstehende ehemalige Bäckerei Hörberg in der Ortsmitte zur Unterkunft für 40 bis 45 Asylbewerber umgebaut werden solle.
Amberg - Bereits seit Wochen brodelte damals die Gerüchteküche und Bürgermeister Peter Kneipp bemühte sich, die Gerüchte einzufangen. So stellte er klar, dass nicht – wie kolportiert – 140 Personen in dem Haus untergebracht würden und auch am neuen Kindergarten müsse nicht bereits wieder angebaut werden.
Nachdem der erste Interessent sein Kaufangebot zurückgezogen hatte, weil er das große Gebäude nicht wie geplant würde nützen können, habe das Landratsamt Unterallgäu die Gemeinde Ende September darüber informiert, dass nun ein neuer Investor das Anwesen kaufen wolle und der Behörde als Asylunterkunft angeboten habe. Ein Bauantrag lag der Gemeinde zum damaligen Zeitpunkt nicht vor.
Dem Landkreis würden derzeit von der Regierung von Schwaben mit zehn bis zwölf Personen pro Woche „etwas weniger“ Geflüchtete zugewiesen werden, wie Sylvia Rustler von der Pressestelle des Landratsamtes dem Wochen KURIER kurz vor Weihnachten erklärte, deren Unterbringung man „ganz gut stemmen“ könne. Schwieriger sei es, die 600 in den Notunterkünften im Landkreis (Mindelheim, Bad Wörishofen und Wolfertschwenden) lebenden Menschen in kleinere, für einen längeren Aufenthalt geeignete Unterkünfte zu verlegen. Da könnte das Objekt in Amberg durchaus Entlastung schaffen. Die kleine Gemeinde hätte, so Rustler, „ihr Soll mit der geplanten Unterkunft erfüllt“. Einen Schlüssel für die Verteilung von Geflüchteten gäbe es auf Landkreisebene zwar nicht, das Landratsamt versuche aber, diese gleichmäßig und gerecht über den Landkreis zu verteilen. Rustler: „Da die Städte bereits viele Geflüchtete aufgenommen haben, schaffen wir aktuell vor allem in den Gemeinden Unterkünfte.“ Etwa in Gemeinden, wie dem 1.500 Einwohner zählenden Amberg.
Vorgesehen sei, dass in dem Objekt in Amberg vor allem Frauen mit Kindern unterkommen, da man diese als erstes aus den Notunterkünften in andere Unterkünfte verlege. „Zusichern können wir dies aber nicht“, so Rustler, „auch die Nationalität steht noch nicht fest.“
Gemeinde lehnt Bauantrag ab
Inzwischen übersandte das Landratsamt der Gemeinde auch den Bauantrag des Investors auf Nutzungsänderung des bestehenden Wohngebäudes mit Bäckerei zur Stellungnahme. Diesem Antrag habe der Gemeinderat „nicht das gemeindliche Einvernehmen erteilt“, ihn also abgelehnt, so Bürgermeister Kneipp, „und zwar wegen fehlender Fluchtmöglichkeiten.“ Die Rettungswege halte man mit Blick auf eine Flucht aus dem obersten Stockwerk, in dem bis zu 14 Schlafplätze vorgesehen sind, für absolut unzureichend. Der zweite Rettungsweg solle laut Bauantrag aus den oberen Stockwerken bis zu einer Höhe von knapp sieben Metern über „anlehnbare“ Fenster erfolgen. Also über Leitern, die die Feuerwehr mitbringen und an den Fenstern anlehnen soll.
Landratsamt ist wieder am Zug
Nun liegt der Bauantrag mit der Stellungnahme der Gemeinde wieder beim Landratsamt. Ob die Behörde das Vorhaben – gegebenenfalls mit Auflagen – genehmigt, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Das Landratsamt kann sich über die Amberger Verweigerung der Zustimmung hinweg- und das gemeindliche Einvernehmen ersetzen.
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Bereits 2015/2016 wurde in Amberg eine größere Zahl Asylbewerber – teilweise bis zu 30 Personen – in Privathäusern untergebracht. Ein kleiner ehrenamtlicher Helferkreis kümmerte sich in den Anfangsjahren um die Geflüchteten. Einige leben auch heute noch hier. „Unauffällig und unbehelligt“, wie der Bürgermeister betont. Der Helferkreis hat sich schon vor Jahren aufgelöst. Die Betreuung wird in dem Moment wieder zum Thema, wenn die Nutzungsänderung für das vorgesehene Gebäude genehmigt ist und feststeht, wie viele und welche Geflüchtete dort einquartiert werden sollen.
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