Feste, Bälle und ein Skirennen in Petershausen

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Petershausen

Kommentare

Der Müller Schorsch, wie immer mittendrin bei den Petershauser Faschingsbällen. © privat

Wie Petershausen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder narrisch wurde.

Seit Jahrhunderten feiern die Menschen Fasching. Er markiert den Übergang vom Winter zum Frühling, nach der Kälte und Dunkelheit des Winters kehrt die Lebensfreude und Lust auf die bevorstehenden warmen Tage zurück. Die Menschen verkleiden sich, schlüpfen in eine andere Rolle und feiern auf Straßen und Plätzen.

Im Krieg wurde der Fasching nicht gefeiert

Während des Zweiten Weltkriegs aber fiel der Fasching aus. Umso größer war dann in der Nachkriegszeit, nach Jahren der Entbehrungen und des Leids, die Freude, das Leben auch einmal wieder genießen zu können. Ein gutes Beispiel für diesen Neuanfang: Petershausen.

Ab 1950 fanden dort wieder Faschingsbälle in den Wirtschaften statt. Bereits kurz nachdem das neue Jahr begonnen hatte, bereitete sich der Sportverein Petershausen mit den Wirtsleuten Bauer auf die Faschingszeit vor. Der Schwarz-Weiß-Ball der Sportler eröffnete die Ballsaison. Bereits Wochen vorher nähten sich die Damen schöne Abendkleider für dieses Ereignis in Petershausen. Die Eintrittskarten waren lange vorher ausverkauft, wobei ohnehin nicht jeder die Chance hatte, eine zu bekommen. Nur wer Mitglied im Sportverein oder einem anderen Verein war oder zur „Haute Volaute“ des Dorfs gehörte, war zu Gast. Der Maler Stättler aus Petershausen verwandelte den Bauer-Saal für die Ballsaison in ein Girlanden- und Konfetti-Paradies. Zwischen den Fenstern hingen Plakate und ergänzten die festliche Gestaltung.

Ein Ball folgte auf den nächsten

Auf den stilvollen Schwarz-Weiß-Ball folgte der Hausball vom „Bauer Hias“. Der Müller Schorsch erinnert sich: „Rechts is die Prominenz gsessen und links alle anderen. Ich hab mi liaber auf de linke Seiten gsetzt.“ Sein Credo: „I setzt mi do hi, wo‘s de meiste Gaudi gibt!“ Der Hias hatte auch Metzger aus München eingeladen und die Belegschaft der Münchner Gaststätte Rittersturm. Diese blieben in den Gästezimmern der Wirtschaft über Nacht, da bis in die Morgenstunden getanzt wurde. War die Gesellschaft so richtig in Fahrt, ging der Wirt in seiner imposanten Erscheinung von Tisch zu Tisch und begrüßte seine schön verkleideten Gäste.

Faschingsgaudi auf der Piste: Bürgermeister Rudolf Rädler und andere Petershauser am Rosenmontag.
Faschingsgaudi auf der Piste: Bürgermeister Rudolf Rädler und andere Petershauser am Rosenmontag. © privat

Ab den 60er-Jahren feierten die Fischer ein rauschendes Fest mit Showeinlagen, auf das die Petershausener schon Wochen vorher hinfieberten. Die Band „Nebel“ aus Ingolstadt war besonders beliebt. Es gab aber auch gute Musiker aus Petershausen, wie den Maibach Hans und den Plotko Helmut, die Jung und Alt mit Rock and Roll, Jazz oder Popmusik in Schwung brachten. Die Blaskapelle spielte ebenfalls bei Bällen zum Tanz auf, mit Walzer oder Foxtrott.

In allen Wirtschaften in Petershausen gab es einen Maskenball. Beim Schmiedwirt vom Trachtenverein, beim Xaverwirt von den Schützen, beim Bahnhofswirt vom Gesangverein, beim Mooseder einen Hausball und beim Wirt in Kollbach war es der Schützenverein. Wenn man überall hingehen wollte, hieß es durchhalten in der ausgelassenen Zeit.

Der letzte Maskenball stieg bei den Sportlern

Der letzte Maskenball war am Faschingssamstag von den Sportlern. Der ganze Saal tanzte und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Der Auftritt der Prinzengarde aus Dachau durfte nicht fehlen. Um 22 Uhr eröffnete die Bar neben der Bühne. Bei der Enge in der kleinen Bar war es häufig nicht zu umgehen, dass man sich schnell näherkam. Wer bis in die Morgenstunden durchhalten wollte, schlich sich gegen 2 Uhr zur Wirtin in die Küche, dort gab es die begehrten Tartar-Brote. Gestärkt gings weiter, in der Bar bis 5 Uhr in der Früh.

Den Abschluss der ausschweifenden, lustigen und geselligen Zeit bildete am Rosenmontag das Faschings-Schirennen am Berghanerl. Als „Maskera“ und für den Wintersport ausgerüstet, traf man sich zu dieser Gaudi an der frischen Luft und schwang sich den Hang hinunter. Allen voran der gute Schifahrer Bürgermeister Rudolf Rädler. Danach ging‘s noch zum Müller nach Herschenhofen, wo die Wirtin mit Schaschlik auf die hungrigen „Wintersportler“ wartete.

Weitere Nachrichten aus der Region Dachau lesen Sie hier.

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/dachau/petershausen-ort29282/feste-baelle-und-ein-skirennen-in-petershausen-93598201.html