Die USA könnten unter Trump ihre Militärhilfen für die Ukraine zurückfahren. Experte Masala sieht eine Lösung in der Entsendung europäischer Bodentruppen.
München – Der renommierte Militärexperte Carlo Masala hat die Entsendung europäischer Bodentruppen im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Und zwar für den Fall, dass der kommende US-Präsident Donald Trump die militärische Unterstützung für Kiew drastisch reduziert.
Bodentruppen im Ukraine-Krieg? Militärexperte Masala spricht von „Koalition der Willigen“
Masala, Professor für Internationale Politik an der Bundeswehr-Universität in München, betonte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Wir brauchen eine Rückfalloption für den Fall, dass die USA ihre Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen“. Masala sprach dabei von einer „Koalition der Willigen, die im Zweifel auch bereit ist, Bodentruppen in die Ukraine zu entsenden“.
Macron bei Ukraine-Bodentruppen offen – Pistorius will Deutschland offenbar „ins Spiel bringen“
Masala wies darauf hin, dass es zum Thema Bodentruppen aktuell „viel in Bewegung“ gebe, zum Beispiel „in Frankreich, Großbritannien und Polen“. Deutschland sei bisher „bei den meisten Entwicklungen außen vor“. Nach Einschätzung Masalas verfolge jedoch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) „offenbar das Ziel, Deutschland wieder ins Spiel zu bringen“.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte eine Entsendung von Bodentruppen im Ukraine-Krieg bereits im März 2023 nicht ausgeschlossen, und überraschte damit die Verbündeten in Europa. Westliche Spezialtruppen befinden sich allerdings wohl schon längst in der Ukraine.
Pistorius will Unterstützung für Ukraine weiter stärken - Bodentruppen als Option?
Am Montagabend traf sich Pistorius in Berlin mit den Verteidigungsministern aus Frankreich, Großbritannien und Polen. Auch der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow war zugeschaltet.
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Nach dem Treffen im sogenannten Fünferformat bekräftigte Pistorius seinen Wunsch, die Ukraine angesichts der jüngsten Entwicklungen im russischen Angriffskrieg weiter zu stärken. Er betonte, dass insbesondere Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen „die ukrainische Rüstungsindustrie verstärkt weiter unterstützen“ würden. „Unser Ziel: Die Ukraine muss aus einer Position der Stärke heraus agieren können“, sagte er.
Pistorius fürchtet Rolle von Donald Trump im Ukraine-Krieg - Bodentruppen als Option?
Pistorius betonte das auch vor dem Hintergrund des im Januar anstehenden Amtsantritts von Donald Trump als US-Präsident. Trump hatte die umfangreichen US-Hilfen für die Ukraine stark kritisiert. In der Ukraine und bei ihren europäischen Unterstützern gibt es deshalb die Befürchtung, dass die USA unter Trump ihre militärische Unterstützung für das Land drastisch reduzieren könnten.
Christoph Heusgen, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, bezeichnete das Treffen von Pistorius mit den vier anderen europäischen Verteidigungsministern gegenüber dem RND als „sehr wichtiges Treffen“. „Denn jetzt schlägt die Stunde Europas“, sagte auch er.
„Aggressiver Putin und unberechenbarer Trump“ - Europa müsse im Ukraine-Krieg handeln
Angesichts eines „weiterhin aggressiven Wladimir Putin und eines unberechenbaren Donald Trump“ müsse Europa „mehr Verantwortung übernehmen und sich um seine eigene Sicherheit kümmern“, betonte Heusgen. Dies könne jedoch „nur gemeinsam, nicht einzeln“ erreicht werden. (dpa/smu)