Jugend des Neufinsinger Theaterkastls überzeugt mit ihrer Neuinterpretation des Gebrüder-Grimm-Klassikers „Der gestiefelte Kater“.
Buntes und reges Treiben herrscht auf dem Marktplatz, den die Jugend des Neufinsinger Theaterkastls für den gestiefelten Kater mit viel Liebe zum Detail auf die Bühne des Theaterraums am Buchenweg geschaffen hat. Eifrig wuseln unter der Regie von Dagmar Stern-Lachmann und Uwe Zaske die Kunden und Verkäufer von einem Laden zum nächsten, um die vielen Waren zu begutachten und sich mit den Verkäufern einig zu werden.
Jede einzelne Person der Marktgesellschaft scheint ihre eigene, kleine Geschichte zu durchleben. Egal ob das Kind, das seine Eltern um Süßigkeiten anbettelt oder eine Kundin, die den Hutmacher für seine schlechte Ware rügt. Wohin man auch blickt, gibt es viel zu entdecken bei dem Schauspiel von Raphael und Rebecca Seemüller, Ida Richter, Hannah Hentschel, Laura und Leon Lex, Leo Urban, Magdalena Zerndl und Anna Lachmann.
Videos der Diebstähle
Und wo viele Leute und Geld zusammenkommen, sind auch die Scharlatane nicht weit. So verbünden sich am Anfang von Stern-Lachmanns Neuinterpretation des Gebrüder Grimm Märchens Taschendieb Pedro (Jonas Ruland) und der Trickbetrüger Zarek (Philipp Kövener), um ordentlich abzukassieren.
Und ihr Plan geht auf, wie die Theatergruppe mithilfe von Videoeinspielungen der erfolgreichen Diebstähle und dem fröhlichen Tanz zum „Haberfeldtreiber“ zeigt. Begleitet werden sie wie in den vergangenen beiden Produktionen wieder von der „Phantasie“, diesmal gespielt von der talentierten Zoe Heimisch. Denn das ist ja das Schöne an der Fantasie, dass sie immer ein wenig anders aussehen kann, erklärt sie schnippisch.
Geheimnisvolles Buch
Um sein Können weiter zu verbessern, luchst Zarek der bekannten Zauberkünstlerin Maralda (Lena Lachmann) im Beisein ihrer armen Assistentin Aurelia (Lea Geist) ein geheimnisvolles Buch ab. Wütend will sich Maralda wehren und versucht Zarek mit einem Fluch zu belegen. Doch Pedro springt dazwischen – und wird in einen Kater verwandelt.
Zarek erliegt den bösen Mächten des Buches und wird zum gefürchteten Bösewicht, der die Königseltern (Ingrid Heimisch und Michael Fischer-Heimisch) zu Stein verwandelt. Schließlich will er die Prinzessin Lina (Nina Urban) heiraten. Doch die hat nur Augen für den Bäckerlehrling Hans (Simon Ruland), der stets bei seiner Mutter (Lena Hampl) am Stand mithelfen muss. Also sperrt Zarek die Schönheit in einen Turm, bis sie ihn heiratet.
Menschen zu Tieren verwandelt
Doch Kater Pedro und Katze Chloè (Alina Strobel) ersinnen bei einem Bier von der stets schlecht gelaunten Wirtin (Hanni Gerlach) einen Plan, um Zarek vom Thron zu holen. Aber sie müssen aufpassen, denn Zarek schafft es mittlerweile immer besser, andere Menschen in Tiere (Max Heimisch) zu verwandeln.
Das Jugendtheater der Neufinsinger hat zur Premiere wieder seine beste Leistung gezeigt. Durch die Reihe weg bewiesen die Darsteller, dass sie nicht nur mit Mimik und Gestik voll im Geschehen sind, sondern auch Sing- und Tanzeinlagen mit Bravour beherrschen. Als etwa Pedro zum umgedichteten Lied von Dreiviertelblut Deifedanz „Wannst mitm Koda danzt“ über die Bühne sprang, klatschten alle begeistert mit.
Bei „Awarakadawara“ kam mit den dutzenden mitsingenden Gesichtern quer über die Bühne richtig Musicalstimmung auf. Und als sich Kater und Katze zu „Wild‘s Wasser“ von Seer tänzerisch einander annähern, muss die Phantasie einschreiten, damit es nicht noch zu leidenschaftlich wird – Nicht, dass sich am Ende noch geküsst wird. Am Ende ist dadurch für jeden etwas dabei. Genau so, wie es auf einem guten, bunten Marktplatz auch sein soll.