Erding - Luise Kinseher und Sigi Zimmerschied berühren mit „Karli und Marie“ das Erdinger Kino-Publikum. Die beiden Schauspieler stellen sich nach der Vorführung deren Fragen.
Zusammen ist man weniger allein. So fasste sich so manches Pärchen zärtlichen Blickes an den Händen, als der Abspann von „Karli und Marie“ über die Leinwand des Erdinger Cineplex Kinos lief. Mancher Schniefer war dabei zu hören und die ein oder andere Besucherin wischte sich eine kleine Träne aus dem Auge.
Eigentlich sollte nun der Willkommensapplaus für Crew und Darsteller kommen. Doch der deutsch-österreichische Spielfilm von Regisseur Christian Lerch hatte das Erdinger Publikum emotional so abgeholt, dass es noch einen kurzen Moment brauchte, um sich zu sammeln.
In der Geschichte geht es um die erfolglose Unternehmerin Marie, gespielt von Luise Kinseher, die mit dem Geschäft ihres Vaters kurz vor der Insolvenz steht. Betrunken am Steuer fährt sie dabei aus Versehen Karli (Sigi Zimmerschied) an, der in seiner Verzweiflung gerade versucht, einen Geldautomaten mit Sprengstoff zu knacken.
Kurzerhand tun sich die beiden zusammen, und begeben sich mit leeren Taschen, aber einer vollen Portion Optimismus und einem fast schon familiären Zusammengehörigkeitsgefühl auf den Weg nach Österreich und wieder zurück. Und lernen sich dabei immer besser kennen.
Die ehrliche, harmonische Bindung der beiden ist es, die den Erdingern warm ums Herz werden lässt. Mit zwei einfühlsamen, aufeinander achtenden Menschen zusammen den Weg durch die Alpen beschreiten und dabei vielleicht auch so manche persönliche Erfahrung auf die Begebenheiten projizieren.
Zusammen ist man weniger allein
Nach der kurzen Verschnaufpause tobte schließlich der Applaus umso lauter, als Kinseher und Zimmerschied samt Drehbuchautor Ulrich Limmer sowie Produzent Ralf Zimmermann vor die Kinosessel traten. Sofort kam die aufgeregte Frage, ob es denn eine Fortsetzung geben werde. „Ideen gibt es genug, aber das hängt auch von diesem Abend hier ab“, erklärte Zimmermann zwinkernd.
Kinseher erzählte von ihrer Überforderung bei den Dreharbeiten beim Bulldogfahren: „Ich hatte Angst, dass mir der Sigi vom Traktor runterfällt und verstirbt, und dann kommt die Schlagzeile: Mama Bavaria tötet Passauer Kabarettist“, witzelte sie. „Für mich waren die leichtesten Szenen die mit dem Essen, die schwierigsten die, wo ich laufen hab müssen“, antwortete Zimmerschied.
Dem 71-jährigen Darsteller gefalle besonders die Zeitlosigkeit der Geschichte, dass es vollkommen unabhängig vom Alter möglich ist, sein Leben nochmal komplett umzukrempeln und von vorne anzufangen. „Das ist eine Figur, die wir zu dieser Zeit brauchen, die geprägt ist von Schreckensnachrichten“, sagte er über seine Rolle. Es brauche solche „Karlis“, die all das Schlechte auf der Welt ignorieren und immer optimistisch weitermachen.
Während sich Kinseher beim ersten Anschauen des Films an ihren Falten im Gesicht störte, lobte sofort eine Zuschauerin die „entzückenden, warmen Blicke“ der beiden. Und eine weitere Zuschauerin attestierte: „Kein Mensch braucht millionenschwere Hollywoodfilme, wenn man so etwas Warmherziges und Nettes hier aus Bayern haben kann.“
Nach der Fragerunde standen Crew und Cast vor dem Kinosaal für Fotos und Autogramme bereit. In Zweierreihen stellten die Besucher sich dafür an und ein jeder war sich mit den Personen vor, hinter und neben sich einig: Zusammen ist man weniger allein.