Von Leibeigenen zu selbstständigen Unternehmer - Spannende Zeitreise einer bekannten Landwirtsfamilie der Gemeinde Taufkirchen/Vils
Weg/Taufkirchen – 450 Jahre ist eine lange Zeit, so lange können die Wegmanns aus Weg auf ihre Familiengeschichte zurückblicken. Ein guter Grund, auch einmal die Bevölkerung auf ihren geschichtsträchtigen Hof einzuladen, der keinen Kilometer entfernt vor dem Ortsschild von Taufkirchen an der B388 liegt. Und es strömten nicht nur die vielen, weitverzweigten Verwandten zum großen Fest, sondern auch viele Interessierte aus der Region.
Über vier Jahrhundert lebt Landwirtsfamilie schon in Weg in der Gemeinde Taufkirchen/Vils
Zu erfahren gab es dabei sehr viel. Charly Wegmann hatte beispielsweise die Familiengeschichte anhand des Stammbaums aus dem Jahr 1907 in einer kleinen, reich bebilderten Ausstellung im Stadl dargestellt. „Erasmus Wegmann wurde erstmals 1575 urkundlich erwähnt.
Reich illustrierte Ausstellung zur Familiengeschichte
Ein gewisser Martin Wegmann sogar schon 1482“, erklärt ihr Nachfahre. Früher habe die Ortsbezeichnung auch „Zum Wegmann“ geheißen, damals war es noch ein halber Hof, eine so genannte Hube, und die Wegmanns seien noch Leibeigene gewesen, was erst 1848 abgeschafft wurde. 1688 wurden das Anwesen samt Familie der Hofmark Taufkirchen und dem Schlossherrn Adam von Puech zugeschlagen. Sogar einen besonderen Bezug habe es zur Gemeinde gegeben, als die Wegmänner Schlossbeschließer, also eine Art Hausmeister wurden. Als Schließer war man für die Wäscherei zuständig und musste für die Schlossherren putzen, erklärte Charly Wegmann. „Unsere Vorfahren waren sehr kinderlieb.“ Seine Großeltern Katharina und Bartholomäus hatten 17 Kinder, zwei starben im Kindbett, drei im Zweiten Weltkrieg. Der Rest sei alt geworden. Einer von ihnen, der 1906 geborene und 1997 gestorbene Bartholomäus war sogar Bürgermeister von Taufkirchen. Zum 85. Geburtstag von Katharina Wegmann trafen sich all ihre 53 Enkel für ein Erinnerungsfoto, durchnummeriert um ihre Namen zuzuordnen. Auch das alte, ramponierte Holzschaukelpferd vieler Generationen war noch zu bestaunen oder die original, restaurierte Kutsche mit der sein Opa zum Gottesdienst fuhr.
BJ-Ranch - Paradies für Westernreiter und andere
Sein Bruder Hans ist der Hoferbe, er führt zusammen mit dem jüngsten Bruder Rupert das Anwesen in 13. Generation. Bertl, wie er von allen genannt wird, hat den Vierseithof seit 1992 zusammen mit seiner Frau Uta zur BJ-Ranch umgebaut. Bei einer Führung informierte er über die Gebäude:, das ehemalige Wohnhaus war eingeschossig und riedgedeckt, am Palmsonntag 1908 wurde es durch einen Brand „bis zur Feuermauer“ eingeäschert. Danach wurde es aufgestockt, wie es heute dasteht. Ein Mauerstück aus dem Jahr 1758 stehe heute noch. Er führte die vielen Interessierten über das Anwesen umsäumt von eigenen Weiden, erzählte von der klassischen Landwirtschaft, ließ alle einen Blick in den Offenstall werfen, wo die Ochsen „gechillt“ wiederkäuten und informierte über das Pferdereich. Stolz äußerte er sich über einen der ersten Paddock-Ställe, die Pferdepension mit 44 Pferden, den großen Reitplatz, der auch zum Kutschenfahren diene, und die Reitschule, die 2022 gebaut wurde und von Tochter Elena übernommen werde, die sein Pferdegen geerbt habe. Sie ist Pferdefachwirtin und hat Pferdewirtschaft studiert.
Auch bespaßt wurden die Besucher, mit Pferdeshows, Ponyreiten, dem elektrischem Bull, Livemusik und Tanz. Besonders emotional waren die vielen Begegnungen mit den Verwandten, die von weither angereist waren, um mit den restlichen Wegmänner*innen zu ratschen, Kindheitserinnerungen auszufrischen oder sich auf dem Laufenden zu halten.
til
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